Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die psychologischen Grundlagen der Vergleichung gehobener Gewichte
Person:
Müller, G. E. Fr. Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10913/16/
52 G. E. Müller und Fr. Schumann: 
und einführende Bedeutung zuschreiben, betreffs der motorischen 
Einstellung und ihrer Gesetze zu sagen haben. Die Hauptbedeu¬ 
tung der Versuche mit gehobenen Gewichten dürfte unseres Er¬ 
achtens nicht sowohl darin bestehen, dass man mittels derartiger 
Versuche in der Lage ist, in althergebrachter Weise einen Beitrag 
zur Frage des Weber’sehen Gesetzes und dergl. zu liefern, als 
vielmehr darin, dass diese Versuche neben anderen Arten von 
Versuchen ein Mittel sind, um die motorische Einstellung zu unter¬ 
suchen, um einzudringen in die Mechanik des organischen Ge¬ 
dächtnisses. Die rein psychologischen Methoden, welche die psy¬ 
chische Mechanik zu ergründen suchen, und die Versuchsarten, 
welche auf psychophysischem oder rein physiologischem Wege die 
Gesetze der ausserhalb der eigentlichen Sphäre des Bewusstseins 
stattfindenden Einstellungen zu erforschen streben, haben in gegen¬ 
seitigem Austausche der Ideen und Resultate Hand in Hand vor¬ 
wärts zu schreiten, damit wir so zu einer allgemeinen Mechanik 
des Gedächtnisses gelangen, welche das Psychische und das rein 
Organische, das Vererbte und Instinktive sowie das vom Indivi¬ 
duum Erworbene in gleicher Weise umfasst. 
Ueber die weitere Bedeutung der motorischen und sensori¬ 
schen Einstellungen hier noch wenige Andeutungen. 
Auf motorischer Einstellung beruhen z. B. die Erscheinungen, 
welche Anlass gegeben haben, nach Analogie der Complementär- 
farbeu auch complementäre Muskelemptindungen anzunehmen. 
„Haben wir längere Zeit mit beiden herabhängenden Händen 
schwere Gewichte gehalten und setzen sie ab, so scheinen wir in 
die Höhe zu steigen und die Arme in die Brust einzukriechen; 
haben wir lange einen voluminösen Gegenstand mit der Hand um¬ 
fasst, so scheint es später, als müssten wir sie zur Faust ballen“ 
(Lotze, Medic. Psychol., S. 313). Hier liegt einfach Einstellung 
auf ununterbrochene Andauer einer bestimmten motorischen Inner¬ 
vation vor, und es ist nicht der geringste Grund vorhanden, diese 
Erscheinungen durch eine Art negativer Nachbilder des Muskel¬ 
sinns zu erklären. Die motorischen Innervationen, welche wäh¬ 
rend der Belastung mit den schweren Gewichten stattfandeu, um 
die gewöhnliche Körperhaltung einigermaassen zu bewahren, um 
die Gewichte etwas vom Körper abzuhalten, um dieselben nicht 
einen zu starken Zug auf die Gelenkverbindungen ausüben zu 
lassen u. s. w., dauern nach Entfernung der Gewichte noch einige
        

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