Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns: Fünfte Abhandlung
Person:
Goltz, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10645/9/
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Fr. Goltz: 
Beobachtungen. Dagegen wäre es ein merkwürdiger Zufall, wenn 
bei einer einzelnen Beobachtung gerade jede Nebenwirkung fehlen 
sollte. 
Nach dem Gesagten ist es selbstverständlich, dass alle Thiere, 
welche eine gleiche Hirnverletzung durchgemacht haben, auch 
dieselben Ausfallserscheinungen zeigen müssen. Das 
Gesammtbild der Störungen aber, welches jedes einzelne fThier 
darbietet, wird abweichen können je nach dem wechselnden Zusatz 
von Nebenwirkungen, mit welchen die Ausfallserscheinung ver¬ 
setzt wird. 
Wenn ich die Ausfallserscheinungen als die constanten, allen 
Thieren mit gleicher Verletzung gemeinsamen Erscheinungen be¬ 
zeichnet habe, während die Nebenwirkungen in Grösse und Mannig¬ 
faltigkeit wechseln, so will ich damit durchaus nicht etwa sagen, 
dass die Nebenwirkungen etwas rein Zufälliges sind. Die Natur¬ 
forschung kennt ja überhaupt streng genommen keinen Zufall. 
Dass bei dieser oder jener Verletzung vorzugsweise diese oder 
jene Nebenwirkungen zu Tage treten, ist gewiss etwas ebenso 
gesetzmässiges wie das Auftreten der Ausfallserscheinungen selbst. 
Dermaleinst wird der Nachweis sicher gelingen, dass in Folge 
anatomischer Verknüpfung diese oder jene Hirnpartie leicht mit¬ 
leidet wenn eine andere zerstört wird. Für die nächsten Ziele 
unserer Forschung aber, d. i. für die Ermittelung der Verrichtungen 
der einzelnen Hirnabschnitte ist die Feststellung der Ausfallser¬ 
scheinungen unleugbar von weit grösserer Wichtigkeit als die 
Entwirrung der Gesetze, nach welchen die Nebenwirkungen erfol¬ 
gen. In der Folge werde ich also auch auf die Darstellung der 
Ausfallserscheinungen besondere Aufmerksamkeit verwenden. 
Nach dem Vorstehenden kann mein Versuch, die Ausfalls¬ 
erscheinungen zu bestimmen, welche die nothwendige Folge einer 
Zerstörung gewisser Hirnlappen sind, ein abschliessender nicht sein. 
Es muss mir genügen, die obere Grenze der Störungen anzugeben, 
über welche die Summe der echten Ausfallserscheinungen keines¬ 
falls hinausgehen kann. Dagegen werde ich mich nicht wundern, 
wenn spätere Forscher diese obere Grenze noch weiter herabrücken, 
indem sie nachweisen, dass einige der von mir angegebenen Aus¬ 
fallserscheinungen in Wahrheit den Nebenwirkungen zuzuzählen sind.
        

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