Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns: Fünfte Abhandlung
Person:
Goltz, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10645/47/
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Fr. Goltz: 
linge die Kunde von der Seelenblindheit von allen Dächern pfiffen, 
wie durfte dann Munk ((4) S. 106) sich vor den Mitgliedern der 
Akademie mit den Worten rühmen „völlig isolirt und weitab 
von allem bekannten, wie damals der Versuch über die 
Seelenblindheit dastand“? Es ist aber nicht so schlimm. 
Munk konnte seine Beobachtungen nicht allen jenen Forschern 
nachschreiben; denn keiner von ihnen berichtet über Seelenblind¬ 
heit bei Hunden. Ich verharre bei der Behauptung, dass ich diese 
Erscheinungen, die Munk Seelenblindheit, ich Hirnsehschwäche 
nenne, bei Hunden entdeckt habe, und dass Munk seine Beob¬ 
achtungen nur mir entlehnen konnte. Dass an niederen Thieren 
vor mir verwandte Beobachtungen gemacht sind, habe ich voll 
gewürdigt (vergl. (5) S. 24). 
Unser Hund ohne Hinterhauptslappen zeigt also den äusser- 
sten Grad von Hirnsehschwäche. Aber auch die Wahrnehmungen, 
die ihm mit Hilfe der übrigen Sinne zufliessen, sind schwer geschä¬ 
digt. Er hört, denn er stutzt, wenn er angerufen wird. Mitunter 
wedelt er auf liebkosenden Zuruf mit dem Schwänze. Er flieht 
aber nicht, wenn man ihn anschreit und giebt keine Furcht zu 
erkennen, wenn man ihm mit der Peitsche droht. Auch äussert 
er keine Angst, wenn andere Hunde ihn anknurren. Lockt man 
ihn durch freundlichen Zuruf heran, so scheint er die Absicht zu 
haben, dem Rufe zu folgen; denn er nimmt eine lebendigere 
Gangart an, aber niemals gelingt es ihm, in gerader Linie den 
Rufenden zu erreichen. Er findet sich gar nicht zurecht, sondern 
wandert in ganz falschen Richtungen planlos herum. 
Auch der Geruchssinn leitet ihn nicht so sicher wie einen 
normalen Hund. Kommt er bei seinem Umherwandern unmittelbar 
bei seinem Futternapf vorbei, so hemmt er seine Schritte und frisst. 
Passirt er den Napf in einer Entfernung von nur einem Schritte, 
so riecht er wohl das Fleisch, wie aus seinen Kopfbewegungen 
hervorgeht, aber er vermag die Witterung nicht dazu zu verwer- 
then, um seiner Gangbewegung die zweckmässige Richtung zu 
geben. Er irrt planlos umher, entfernt sich vom Napfe, statt sich 
ihm zu nähern und findet nur zufällig sein Futter. Vor Chloro¬ 
formdampf und Tabaksqualm scheut er nicht so zurück wie ein 
normaler Hund. Gleichwohl hat dieses Thier noch an sich recht 
' feinen Geruch. Er äussert durch Schwanzwedeln und zierliche 
Bewegungen seines Kopfes und Körpers, ja selbst durch Freuden-
        

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