Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Verrichtungen des Grosshirns: Fünfte Abhandlung
Person:
Goltz, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10645/13/
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Fr. Goltz: 
Gebietes. leb babe mich durchaus nicht überzeugen können, 
dass die Vernichtung des vorderen Streifenkörpers und der Basal¬ 
tbeile der motorischen Region wesentlich neue Momente den mir 
längst bekannten Erscheinungen hinzufügt. 
Besonders auffällig ist es, dass ein Hund mit einer queren 
Durchtrennung der einen Hirnhälfte und Ausschälung des vor dem 
Schnitt gelegenen Stückes des Vorderhirns gar keine dauernde 
Lähmung zeigt. Diese Thatsache steht in vollständigem Wider¬ 
spruch zu den Angaben von Veyssière. Dieser behauptet, dass 
eine Durchschneidung der capsula interna einige Millimeter vor 
dem Chiasma nervorum opticorum eine vollständige Hemiplegie des 
Hundes herbeiführt. (VergL Ferri er (3) S. 280.) Eine Menge 
von Schriftstellern namentlich auf dem Gebiete der Nervenpatho- 
logie haben Veyss iè re’s Beobachtungen nachgeschrieben und für 
zuverlässig angesehen. Bei der prinzipiellen Wichtigkeit dieser 
Frage kann ich gar nicht energisch genug versichern, dass Veys- 
sière’s Beweisführung eine durchaus irrige ist. Er hat 
offenbar die von ihm operirten Thiere nicht lange genug am Leben 
erhalten und als Ausfallserscheinung beschrieben, was im Wesent¬ 
lichen nur Nebenwirkung und Hemmungserscheinung war. Ich habe 
ja nicht bloss die capsula interna, sondern die ganze Hirnhälfte 
quer durchschnitten und noch dazu das davor gelegene Hirnstück 
exstirpirt und doch keine dauernde Lähmung beobachten können. 
Nach den oben erörterten Principien müssen aber gegenüber meiner 
positiven Beobachtung, dass Hunde nach Durchquerung einer Hirn¬ 
hälfte keinerlei dauernde Lähmung zu haben brauchen, die Be¬ 
funde Veyssière’s jeden Werth verlieren; denn es kommt eben 
nicht darauf an, ob ein Hund nach Durchtrennung der capsula 
interna eine Lähmung haben kann, sondern ob er eine solche 
haben muss. 
In der menschlichen Pathologie gilt es für ausgemacht, dass 
nach einer Durchtrennung der capsula interna eine vollständige 
dauernde Hemiplegie der gekreuzten Seite bestehen bleibt. 
Veyssière’s Versuche sollten diesen Satz stützen helfen. Nach¬ 
dem ich nu4 gezeigt habe, dass diese Stütze morsch ist, liegt der 
Gedanke nahe, ob jener Satz nicht vielleicht auch in Bezug auf 
den Menschen anfechtbar ist. Es bleibt uns ja immer der Aus¬ 
weg, dass eine Uebertragung der am Thier gemachten Erfahrungen 
auf den Menschen unzulässig ist. Mir will aber dieser Ausweg
        

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