Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ist die Lunge luftdicht?
Person:
Ewald, J. Richard R. Kobert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10534/2/
Ist die Lunge luftdicht? 
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die Widerstände zu überwinden und strömt durch die Wand des 
Gewebes; lässt dann der Druck wieder nach, so hält auch das 
Gewebe wieder dicht. In diesem Sinne fragt es sich also zunächst, 
ist die Lunge absolut oder nur relativ luftdicht? Muss die Lunge, 
wenn sie irgendwie Luft durchlässt, ein früher nicht vorhanden 
gewesenes Loch bekommen haben, das heisst also, zerrissen sein 
oder nicht? 
Wir gehen wohl kaum fehl, wenn wir allen Physiologen die 
Antwort in den Mund legen: Die Lunge ist zerrissen, wenn Luft 
aus ihr austritt. Ja, dieser Glaube ist so eingewurzelt und die Lehre 
von der absoluten Dichtigkeit der Lunge scheint allen so festzu¬ 
stehen und nothwendig zu sein, dass man bei Erklärung von Er¬ 
scheinungen, die mit dieser Eigenschaft der Lunge in Zusammen¬ 
hang stehen, gar nicht daran denkt, an dieser Annahme auch nur 
im Mindesten zu rütteln, selbst wenn dadurch sofort die beobachtete 
aber befremdende Thatsache aufgehellt würde. Tritt Luft aus der 
Lunge heraus, so sucht man das Loch; in der pleura wenn die 
Luft einen Pneumothorax verursachte, man sucht das zerrissene 
Gefäss, wenn sich die Luft im Blut befindet. Lieber glaubt man, 
trotz der sorgfältigsten Untersuchung, man habe die verletzte 
Stelle nicht gefunden, als dass mau einen Zweifel an der Dichtig¬ 
keit der Lunge in sich aufkommen Hesse. Die Lunge soll eben 
immer ein Loch haben, wenn Luft durch sie dringt. Ihre Dich¬ 
tigkeit soll eine absolute sein. Wir werden beweisen, dass dies 
nicht der Fall ist. 
Wir leiteten bei einem lebenden curarisirten Hunde die 
künstliche Athmung ein mit Hülfe des von einem von uns bereits 
beschriebenen Respirationsapparates *). Dabei war also der Druck, 
der bei der Inspiration auf den Lungen lastete, genau bestimmbar 
und blieb, einmal eingestellt, dann völlig constant. Das Athem- 
tempo war ein sehr langsames, der Druck verhältnissmässig sehr 
hoch. Sonst alles wie gewöhnlich. Nach einstündigem Ventiliren 
wurde das Thier getödtet, der Thorax eröffnet und das Herz her¬ 
ausgenommen, während die künstliche Athmung noch fortdauerte. 
Bei der Eröffnung des Herzens unter Wasser fanden sich im 
linken Vorhof und Ventrikel Luftblasen. Wir wiederholten den 
Versuch so oft mit demselben Erfolg, dass es schliesslich unzwei- 
1) Dies Archiv, dieser Bd. p. 154.
        

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