Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten und ihre Anwendung bei Schulkindern
Person:
Ebbinghaus, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10284/43/
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten. 
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wenigen Assoziationen werden diese, obschon sie von vorn¬ 
herein bereits eine grofse Festigkeit besitzen, doch vorüber¬ 
gehend zn noch sehr viel leichterem Ansprechen gebracht. 
Ebenso unzweifelhaft kommen in dem späteren Stillstand der 
Steigerung oder gar in der Abnahme der Ziffernmenge, sowie 
in dem Anwachsen der Fehlerprozente Ermüdungswirkungen 
des Unterrichts zur Erscheinung. Allein, weil doch auch noch 
mancherlei andere Momente auf die Zahlen einwirken, so ist 
es kaum möglich, die Gröfse der durch den Unterricht her¬ 
vorgebrachten geistigen Schwächung leidlich sicher zu be¬ 
werten. Die jedesmalige Ausdehnung der intensiv betriebenen 
Rechenarbeit auf 10 Minuten wird gegen das Ende der Probe 
auch schon anfangen ermüdend zu wirken. Namentlich ist es 
das vorauszusetzende Nachlassen des Interesses, wodurch die 
Deutung der Resultate erschwert wird. Auf die Prozentzahlen 
der Fehler mufs es in gleicher Weise steigernd wirken wie die 
Ermüdung ; auf die Anzahl der gerechneten Ziffernpaare kann 
es sowohl steigernd wirken, weil das saloppe Arbeiten schneller 
geht als das sorgfältige, wie auch abschwächend, weil dem 
Schüler nicht einmal mehr daran liegt, viel zu stände zu 
bringen. 
Trägt man diesen Momenten irgendwie Rechnung, so er¬ 
scheint die Steigerung der Fehlerprozente doch nicht als be¬ 
ängstigend grofs. Allerdings wachsen sie vom Anfang bis zum 
Ende des Vormittagsunterrichts im Durchschnitt von 6 Klassen 
von 1.1 bis zu 1.9%; bei einzelnen Klassen (Quinta 1 und 
Mädchenschule I) besteht gar eine Zunahme vom Einfachen 
bis auf das Zweieinhalbfache. Aber man kann doch billiger¬ 
weise von der Schule nicht verlangen, dafs sie die geistige 
Leistungsfähigkeit ihrer Schüler im Laufe des Vormittags 
ganz und gar intakt lasse. Wenn die Kinder, wie in den 
Ferien, den ganzen Vormittag spielen und spazieren gehen, so 
vermögen sie am Mittage doch auch nicht mehr dasselbe zu 
leisten, wie in der Frische der ersten Morgenstunde. Eine 
gewisse Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit ist mit jeder 
körperlichen und geistigen Befhätigung verbunden. Darin 
liegt an und für sich, wie jedermann vom Turnen und Mar¬ 
schieren her weifs, durchaus noch keine dauernde Schwächung, 
sondern vielmehr eine Stählung der Kraft. Für die Schule 
also kann die Frage nur gestellt werden, ob die in den späteren
        

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