Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten und ihre Anwendung bei Schulkindern
Person:
Ebbinghaus, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10284/33/
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten. 
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Abweichung auf. Diese beiden Klassen sind aber gerade die 
höchsten von denen, die die Texte für Unterklassen zu be¬ 
arbeiten hatten. Man wird also mit grofser Wahrscheinlich¬ 
keit annehmen dürfen, dafs jene Texte für die beiden Klassen 
bereits zu leicht gewesen seien. Sie boten den Schülern kein 
genügendes Material mehr für die Bethätigung ihrer ver¬ 
schiedenen intellektuellen Fähigkeiten, und so kommen diese 
Verschiedenheiten auch nicht in den Resultaten zum Vorschein. 
Eine gewisse mäfsige Schwierigkeit der Texte mufs daher für 
die Kombinationsmethode als zweckmäfsig betrachtet werden. 
Dafs daneben auch noch einzelne andere Ausnahmen Vor¬ 
kommen, und dafs namentlich die Zahlen innerhalb der ein¬ 
zelnen Klassen oft ziemlich ungleichmäfsig fallen oder ansteigen, 
ist aus anderen Gründen unschwer verständlich. Denn bei 
aller Verwandtschaft zwischen den Anforderungen, die die 
Kombinationsmethode und die im grofsen und ganzen die 
Schule an den Geist stellt, bestehen doch auch erhebliche 
Verschiedenheiten. Bei dem Kombinieren, wie überhaupt wohl 
bei jeder Prüfungsmethode, die man nur eine beschränkte Zeit 
hindurch in Anwendung bringen kann, kommt es ganz be¬ 
sonders auf Schn elligkeit der Auffassung an. In der Schule 
dagegen wird der langsamere und bedächtige, aber im übrigen 
doch umsichtige und tüchtige Denker vielfach und mit Recht 
besser bewertet als der schnellfertige. Aufserdem spielt bei 
dem Kombinieren die rein formale Gewandtheit in der 
Handhabung der Muttersprache eine grofse Rolle, die in der 
Schule wieder nur bei einzelnen Leistungen, wie dem deutschen 
Aufsatz, dem Übersetzen aus fremden Sprachen, zur Geltung 
gelangt. Vorzüge dagegen, wie grammatikalisches Wissen, 
gutes Betragen u. a. gelten in ihr sehr viel, für das Kombi¬ 
nieren gar nichts. So verliert sich denn naturgemäfs auch die 
Übereinstimmung zwischen Kombinationsleistung und Klassen¬ 
platz, wenn man mit der Fraktionierung der Resultate zu allzu 
kleinen Abteilungen herabsteigt oder gar nur einzelne Indi¬ 
viduen in Betracht zieht. Die Mannigfaltigkeit der beiderseits 
mafsgebenden Momente wird in ihrer Zuspitzung auf den ein¬ 
zelnen Schüler zu grofs, als dafs man einen parallelen Gang der 
beiden Zahlenreihen auch nur erwarten könnte. 
Werden aber, wie oben geschehen, mäfsig grofse Anzahlen 
von Individuen zu Gruppen vereinigt, so wird man nach den 
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Zeitschrift für Psychologie XIII.
        

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