Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten und ihre Anwendung bei Schulkindern
Person:
Ebbinghaus, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10284/24/
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H. Ebbinghaus. 
worden; aufs erd em mufste auch hier ein Hülfsarbeiter zur Bewältigung 
der Resultate herangezogen werden und so konnten nur Regeln auf¬ 
gestellt werden, deren Anwendung von individuellem Ermessen ganz 
unabhängig ist. 
Man könnte nun einwenden, dafs bei den getroffenen Festsetzungen 
das Auslassen einer Silbe zu schwer, dagegen die sinnwidrige Ausfüllung 
zu leicht geahndet werde. Dieser Einwand ist an sich ganz berechtigt. 
Die ausgelassene Silbe wird erstens nicht gezählt und zweitens von der 
Bruttoleistung mit einer halben Einheit in Abzug gebracht, die falsch 
ausgefüllte Silbe wird lediglich in Abzug gebracht; wer also beliebige 
Einfälle niederschreibt, kommt besser weg, als wer nach einigem Nach¬ 
denken schliefslich doch eine Lücke läfst. Aufserdem haben sich noch 
bei einzelnen sehr schwachen Schülern hauptsächlich der untersten 
Klassen direkte Schwierigkeiten ergeben, indem hier relativ so grofse 
Mengen von Silben übersprungen waren, dafs bei einer Berücksichtigung 
der betreffenden Schüler eine negative Leistung in Ansatz gekommen 
wäre. Gleichwohl ist jener Einwand praktisch von geringer Bedeutung. 
Ich habe probeweise ein paar Klassen auf eine andere und kompliziertere 
Art ausgezählt. Schwierigkeiten ergaben sich dann auch unter Um¬ 
ständen, die Verhältnisse der Resultate aber, auf die es schliefslich 
doch allein ankommt, blieben fast ganz dieselben. Eine Zusammenziehung 
der verschiedenen Arten von Fehlern ist eben nicht zu umgehen, sonst 
werden die Endergebnisse zu wenig übersichtlich. Auf welche Weise 
man dabei verfährt, scheint nicht so sehr in Betracht zu kommen, und 
dann ist natürlich der einfachste Weg der beste. Bei einer etwaigen 
Wiederholung von Kombinationsprüfungen empfiehlt es sich, von den 
Schülern in erster Linie Geschlossenheit und Korrektheit der Arbeit, 
statt Schnelligkeit und grofse Silbenzahl zu verlangen ; dann erledigen 
sich die Schwierigkeiten der Auswertung von selbst. 
2. Beziehungen der drei Methoden zu geistiger 
Leistungsfähigkeit. Wie man von vornherein nicht anders 
erwarten wird, kommt die allmähliche Steigerung der geistigen 
Leistungsfähigkeit, die mit dem zunehmenden Alter des jungen 
Menschen, mit seinem allmählichen Heranwachsen Hand in 
Hand geht, bei jeder Methode zum Ausdruck, d. h. die 
höheren Klassen rechnen im grofsen und ganzen besser, be¬ 
halten besser und kombinieren besser als die niederen Klassen. 
Dafs dieses Verhältnis zwar durchaus im grofsen und ganzen, 
aber nicht in allen einzelnen Fällen, etwa bei jeder Ver¬ 
gleichung von zwei unmittelbar aufeinander folgenden Klassen, 
gilt, wird man gleichfalls von vornherein begreiflich finden, Denn 
auf das positive Wissen, das eine höhere Klasse vor einer niederen 
voraus hat, kommt es hier in unserem Falle bei der Rechen- und 
Gedächtnisprobe gar nicht, bei der Kombinationsprobe nur in
        

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