Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine neue Methode zur Prüfung geistiger Fähigkeiten und ihre Anwendung bei Schulkindern
Person:
Ebbinghaus, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10284/14/
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H. Ebbinghaus. 
wissem Sinne Neuschöpferisches. Ihr Wesen liegt darin, dafs 
eine gröfsere Vielheit von unabhängig nebeneinander 
bestehenden Eindrücken, die an und für sich ganz hetero¬ 
gene und zum Teil direkt gegeneinanderlaufende Assoziationen 
zu wecken geeignet sind, mit Vorstellungen beantwortet werden, 
die doch zu ihnen allen gleichzeitig passen, die sie alle zu 
einem einheitlichen, sinnvollen oder in irgend welcher Hinsicht 
zweckvollen Ganzen zusammenschliefsen. Intellektuelle geistige 
Tüchtigkeit besteht in der Erarbeitung eines irgendwie Wert 
und Bedeutung habenden Ganzen, vermöge wechselseitiger 
Verknüpfung, Korrektur und Ergänzüng der durch zahlreiche 
verschiedene Eindrücke nahegelegten Assoziationen. Um dieses 
ihr Wesen kurz zu bezeichnen, will ich sagen,1 es bestehe im 
Kombinieren, die eigentliche Intelligenzthätigkeit sei 
Kombinationsthätigkeit. Mifsverständnisse, denen diese 
Ausdrücke an sich vielleicht ausgesetzt wären, werden nach 
dem Vorangehenden nicht mehr zu befürchten sein. 
Bei unseren Kommissionsverhandlungen erschien es nun 
mehreren Teilnehmern ganz besonders wünschenswert, die ge¬ 
planten Untersuchungen auch auf diesen Punkt zu richten und 
die etwaigen Einwirkungen des Unterrichts auf die Kombinations¬ 
fähigkeit der Schüler zu ermitteln. Freilich erhebt sich da 
sogleich die schwierigé Frage: wie soll man das anfangen? 
woher einen Mafsstab nehmen, um die kombinatorischen 
Leistungen der Intelligenz einigermafsen zutreffend zu bewerten 
und sie dadurch für verschiedene Umstände und bei verschie¬ 
denen Individuen untereinander numerisch vergleichbar zu 
machen? Von vornherein ist klar, dafs dazu nur ganz einfache 
und leichte Kombinationen Verwendung finden können, solche, 
die im Grunde von allen Individuen der in Betracht kommenden 
Kategorie alsbald bewältigt werden können, wenn auch natürlich 
mit etwas verschiedenem Zeitaufwand. Denn die Prüfung 
selbst soll ja nicht besonders anstrengend wirken, sondern nur 
1 Im Anschlufs an C. Bieger, Beschreibung der Intelligenzstörung 
infolge einer Hirnverletzung u. s. w., Verh. d. phys.-med.Ges. zu Würzburg. 
Bd. XXIII. S. 110 u. 138. Auch der von vielen Psychologen gebrauchte 
Terminus Apperzeption wäre hier verwendbar. Aber da dieses Wort in 
weiteren Kreisen nicht recht Boden zu fassen scheint, da es aufserdem 
von Verschiedenen in verschiedenem Sinne gebraucht wird, scheint es mir 
zweckmäfsiger, es zu vermeiden.
        

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