Bauhaus-Universität Weimar

Über erklärende und beschreibende Psychologie. 
171 
Dilthey fölirt den Begriff seiner Wissenschaft ein, indem 
er an die Sonderung von rationaler und empirischer Psychologie 
hei Ohr. Wolf erinnert, sowie an die Nebeneinanderstellung 
einer erklärenden und beschreibenden Psychologie bei Th. Waitz. 
Nun wollte dieser letztere beschreibende Psychologie als eine 
Art Vorstufe der erklärenden. Jene liefert ein kritisch ge¬ 
sichtetes, sorgfältigbeobachtetes, angemessen geordnetes Material, 
mit dem diese dann arbeitet, um nun erst eigentliche Wissen¬ 
schaft daraus zu machen. An einigen Stellen sieht es aus, als 
ob Dilthey etwas Ähnliches, eine Art Ergänzung der be¬ 
schreibenden Psychologie durch die erklärende im Sinne hätte. 
„Diese [nämlich die erklärende Psychologie] erhielte in der 
beschreibenden ein festes deskriptives Gerüst, eine bestimmte 
Terminologie, genaue Analysen und ein wichtiges Hülfsmittel 
der Kontrolle für ihre hypothetischen Erklärungen.“ (15.) 
„Überall zeigt sich hier an der Zergliederung der Intelligenz, 
was wir als ein allgemeines Verhältnis aufgestellt haben, wie 
an den letzten Enden der Analyse sich die beschreibende und 
die erklärende Psychologie begegnen.“ (46.) Die beschreibende 
Psychologie „kann die Hypothesen, zu denen die erklärende 
Psychologie in Bezug auf die einzelnen Erscheinungsgruppen 
gelangt, in sich aufnehmen; aber indem sie dieselben an den 
Thatsachen mifst und den Grad ihrer Plausibilität bestimmt, 
ohne sie als Konstruktionsmomente zu verwerten, beeinträchtigt 
die Aufnahme derselben nicht ihre eigene Allgemeingültigkeit“. 
(37.) Die beschreibende Psychologie meint es anscheinend gar 
nicht so schlimm; sie will die erklärende Psychologie nicht 
beseitigen, sondern empfiehlt sich den Liebhabern dieser 
letzteren nur als eine sehr wichtige Grundlage ihres Thuns. 
Indes das kann die eigentliche Meinung doch auch wieder 
nicht sein; es widerspricht der vorher an der erklärenden 
Psychologie geübten Kritik. Das Erkären und Konstruieren in 
der Psychologie, so haben wir gehört, beruht auf einer Ver¬ 
kennung der Art, wie die seelischen Thatsachen gegeben sind. 
Der Zusammenhang des Seelenlebens, auch der Zusammenhang 
des Erwirkens offenbart sich hier in der unmittelbaren inneren 
Erfahrung; ihn erst durch hypothetische Konstruktionen her- 
stellen zu wollen, ist unnötig und unmöglich. Selbst das nicht 
unmittelbar zu Erlebende kann und mufs ohne solche Kon¬ 
struktionen hinzuergänzt werden. Psychologische Hypothesen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.