Bauhaus-Universität Weimar

Über negative Empfindung sw erte. 
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als ob gar kein Sprung stattgefunden hätte, d. h. beide Sprünge 
bezw. Richtungen verhalten sich völlig wie positive und negative 
Gröfsen zu einander. In welcher Richtung man die Distanz¬ 
empfindung als positiv und in welcher als negativ bezeichnet, 
ist natürlich irrelevant ; die Bezeichnungen haben ihren Sinn 
nur in wechselseitiger Beziehung zu einander. Betrachtet man 
z. B. den Eindruck einer weifsen Spitze auf schwarzem Grunde 
als etwas Positives, dann ist der Eindruck desselben Spitzen¬ 
musters in Schwarz auf weifsem Grunde das entsprechende 
Negative und umgekehrt. Aufsteigende Tonfolgen und ab¬ 
steigende Tonfolgen, Morgendämmerung und Abenddämmerung, 
Crescendo und Decrescendo sind andere Beispiele solcher corre- 
laten Empfindungswerte. 
Ganz wie von hypothetischen Annahmen, so ist die richtige 
Bestimmung der negativen Empfindungswerte aber ferner auch 
völlig unabhängig von irgend welchen Beziehungen, in denen 
die Empfindungen sonst noch stehen, wie z. B. von der in dem 
WEBERschen Gesetz ausgesprochenen Beziehung, an die hier 
vor allem zu denken ist. Wenn die als äufsere Ursachen der 
Empfindungen auf den Organismus einwirkenden Energien ver¬ 
stärkt werden, so wachsen auch die Empfindungswerte (in dem 
mehrfach dargelegten Sinne), und zwar in einer eigentümlich 
verlangsamten, hinter der Proportionalität zurückbleibenden 
Weise. Streckenweise geschieht ihre Zunahme annähernd pro¬ 
portional den Logarithmen der äufseren Reize. Aber ob sie 
so oder anders geschieht, ist für das Wesen der negativen Em¬ 
pfindungswerte völlig gleichgültig. Sie würden bleiben, was 
sie sind, auch wenn die Abhängigkeit der Empfindungen von 
den äufseren Reizen eine ganz andere wäre. Ihre Existenz 
hängt ja gar nicht wesentlich davon ab, dafs die Empfindungen 
äufsere Ursachen haben, sondern lediglich davon, dafs die, 
einerlei wie zu stände kommenden Empfindungen an und für 
sich nicht als Gröfsen beurteilt werden können. Diese That- 
sache aber würde sich, so viel zu übersehen, mit allen möglichen 
Beziehungen zwischen den Empfindungswerten und den Stärken 
der äufseren Reize gleich gut vertragen. 
Man mufs sich also ganz und gar von der Vorstellung 
freimachen, als ob die negativen Empfindungswerte etwas wären, 
was besonders enge Beziehungen zu Fechners logarithmischer 
Formel hätte. Sie stecken freilich in dieser und können aus 
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