Bauhaus-Universität Weimar

Ueber die Ermüdung und Erholung der Nerven. 291 
Nerv selbst noch nicht beträchtlich ermüdet war, obgleich sich seine 
Thätigkeit nicht mehr zu erkennen gab; denn er musste sich zu 
dieser Zeit ebenso verhalten wie der zweite Nerv, der ebenso lange 
und ebenso stark gereizt war und der zu dieser Zeit im Stande war 
starken Tetanus in seinen Muskeln zu verursachen. Wir schliessen 
hieraus, dass der Muskel viel schneller ermüdet als der 
Nerv. 
Zur Ausführung des Versuches bedient man sich am besten 
eines constanten Stromes von 1—2 Daniell’schen Elementen, der 
durch unpolarisirbare Electroden zugeführt wird. Auch kann man 
den Zweigstrom eines Reoehords und einer stärkeren Kette benutzen. 
Die Rollerientfernung beträgt an einem kleinen Schlittenapparat 
etwa 80 — 60 mm. Die Zeit bis zur Ermüdung des ersten Präpara¬ 
tes und die entsprechende des constanten Stromes im zweiten Nerven 
erreicht etwa die Dauer von 1 bis 2 Minuten. Für den Erfolg ist 
es ziemlich gleichgültig ob man den absteigenden oder aufsteigenden 
constanten Strom anwendet. Gegen die Zuführung des ersteren 
könnte man aber einwenden, dass dieser den Nerven an der oberen 
gereizten Stelle unerregbarer macht und dass er aus diesem Grunde 
länger reizbar bleibe, als der andere Nerv. Indessen ist die Entfer¬ 
nung zwischen constantem Strom und Reizstelle in allen Versuchen 
möglichst gross gewählt, so dass die Aenderung der Erregbarkeit an 
letzterer schon als verschwindend betrachtet werden kann. Frei von 
diesem Einwande ist die Anwendung des aufsteigenden Stromes, 
welcher die Erregbarkeit an der Reizstelle sogar erhöht, also eine 
schnellere Erschöpfung des Nerven an dieser Stelle herbeiführen 
müsste. Aber auch dieser Umstand, der zu Gunsten des Resultates 
spricht, dürfte bei der grossen Entfernung zwischen den Polpaaren 
von keinem Belang sein. Dagegen steht der aufsteigende Strom vor 
dem absteigenden dadurch im Nachtheil, dass bei seiner Oeffnung 
nicht nur eine stärkere Zuckung, sondern häufig auch ein Tetanus 
entsteht, welcher die Wirkung der Reizung verdecken könnte. Doch 
kann man sich in jedem Falle leicht davon überzeugen, ob man es 
mit einem Oeffnungstetanus zu thun hat, indem man den Schlüssel 
zum Tetanisiren abwechselnd schliesst und öffnet. Hängt der Te¬ 
tanus nur von der Reizung ab, so verschwindet er beim Schluss, 
und diess ist bei den angegebenen Stromstärken meist der Fall. 
Bas gleiche Resultat, welches beide Stromesrichtungen liefern, hebt 
daher alle Bedenken gegen die gezogenen Schlussfolgerungen auf.
        

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