Bauhaus-Universität Weimar

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Julius Bernstein: 
In Versuch 14 ist die erste Säureapplication wohl eine mangeL 
hafte gewesen. Nach Erneuerung derselben sinkt die Curve (Fig. 9) 
mit zunehmender Geschwindigkeit auf Null herab. Die Erholung 
beginnt nach 18 Min., erst langsam sich abhebend, mit zunehmen¬ 
der Geschwindigkeit aufsteigend und mit abnehmender Geschwin¬ 
digkeit sich einem Maximum anschliessend. Die allgemeine Form 
der Erholungscurve nach chemischer Ermüdung ist demnach ganz 
dieselbe, wie wir sie für die vorhergehenden Reizungsarten gefunden 
hatten. 
§. 6. Einwirkung der Wärme. 
Es blieb schliesslich noch zu untersuchen übrig, wie sich die 
betrachteten Vorgänge unter Anwendung des thermischen Reizes 
gestalten würden. Bekannt ist es ja, dass eine schnelle Temperatur¬ 
erhöhung den Nerven erregt, und dass stärkere Erwärmung ihn 
tödtet. Von Rosenthal und Afanatieff1) ist beobachtet worden, 
dass mit steigender Temperatur erst eine Erhöhung der Erregbar¬ 
keit, dann ein Sinken derselben eintritt; dass zwischen 50 und 65° 
die Erregbarkeit schnell auf Null sinkt und dass zwischen 85—45° C. 
Zuckungen auftreten. Auch Erholungen des Nerven, vollkommene 
nach 40°, unvollkommene nach höheren Temperaturen sind beobachtet 
worden. 
In den folgenden Versuchen ist nicht, wie in den eben berich¬ 
teten, die Erregbarkeit der erwärmten Nervenstelle ermittelt worden, 
sondern ihre Leitungsfähigkeit, entsprechend dem von uns einge¬ 
schlagenen Verfahren am unversehrten Nerven des lebenden Thieres, 
denn wir dürfen der Stromschleifen halber die Ströme nicht auf die 
veränderte Nervenstelle direct einwirken- lassen. Ausserdem darf 
in solchen Versuchen durchaus nicht vernachlässigt werden, dass 
die electrische Leitungsfähigkeit des Nerven, als eines flüssigen 
Leiters, mit steigender Temperatur zunimmt, wodurch Erhöhungen 
der Erregbarkeit vorgetäuscht werden könnten. Um so schwieriger 
war es aber ein Verfahren ausfindig zu machen, um den unversehr¬ 
ten Nerven am Oberschenkel an einer Stelle verschiedenen Tempe¬ 
raturen auszusetzen, ohne den Körper des Thieres mit zu erwärmen, 
diese schnell wechseln zu können, und mit einiger Sicherheit zu 
messen. Nach mehrfachem Probiren gelangte ich zu folgender sehr 
1) Archiv v. Reich, du Bois 1865. S. 691. Untersuchungen über den 
Einfluss der Wärme und Kälte u. s. w.
        

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