Bauhaus-Universität Weimar

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Julius Bernstein: 
mit dieser Bezeichnung Nichts die Theorie des Elektrotonus betref¬ 
fendes ausgesagt sein, ebensowenig darüber, an welchem Orte in 
der durchflossenen Strecke jene Aenderung stattfindet. Die Wieder¬ 
herstellung bezeichnen wir daher kurzweg nach als „Erholung“. 
Die Fig. 3 giebt uns das Bild der Erholungscurve von Versuch 3. 
Nach einer 5 Min. langen Durchströmung in absteigender Richtung, 
tritt die Erholung von 0 bis 9 Mm. in 3 Min. sehr schnell ein. 
Nach einer nochmaligen eben so langen Schliessung aber, bleibt 
13 Min. lang jede Leitung aus, und nun erhebt sich die Erholungs¬ 
curve in ganz derselben Form, wie wir sie nach der Tetanisirung 
kennen gelernt haben. DerErholungsvorgang ist also in 
beiden Fällen in seinem zeitlichen Verlauf ein 
gleicher, und daher seinem Wesen nach ein mindestens ähnlicher. 
In Fig. 4 vom Vers. 6 sehen wir nach längerer Durchleitung in auf¬ 
steigender Richtung eine Anfangs ebenso verlaufende Erholungscurve 
erscheinen. Sie erreicht aber nicht das vorher beobachtete Maximum 
und sinkt sogar von diesem wieder etwas herab, offenbar die nach¬ 
wirkende Folge der 15 Min. langen Durchströmung, der unmittelbar 
eine 20 Min. lange Leitungsunterbrechung folgte. 
In diesen Versuchen wird die Erholungscurve durch Muskeler¬ 
müdung nicht gestört, da der Muskel in Ruhe verharrt. Aus diesem 
Grunde lässt sich hier auch eine Ermüdungscurve in obigem Sinne 
aufnehmen, welche uns in den Tetanisirungsversuchen deshalb fehlt, 
weil sich ihr die Ermüdungscurve des Muskels beimischen würde. 
Fig. 5 giebt uns von Versuch 8 die Curve der Ermüdung während 
der Durchleitung des constanten Stromes. Wir sehen, dass sie in 
diesem Falle Anfangs schnell, dann langsamer und schliesslich wieder 
schneller bis auf Null herabsinkt. Bei jeder Prüfung muss, wie 
Fig. 8 angiebt, der constante Strom eine kleine Zeit geöffnet sein, 
denn wir wollen den Zustand des Nerven nach einer eine gewisse 
Zeit dauernden Stromeinwirkung kennen lernen, nicht den während 
der Stromesdauer, in welchem er den angewendeten Reiz überhaupt 
nicht durchlässt. Das bedingt einen kleinen Fehler, indem der Nerv 
Gelegenheit hat, sich in der Pause etwas zu erholen. Auch stört 
hier die Oeffnungszuckung, noch mehr zuweilen der Oeffnungstetanus.
        

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