Bauhaus-Universität Weimar

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von Ost- und Westpreußen, das zweite (Stettin) die Mit der Einführung der mit HohlgeschoHen 
Küste von Pommern und Mecklenbur , das dritte ausgerüsteten Bombenkanonen um 1825 war den 
(Kiel) Lübeck und die Ostküste von Schleswig-Hol- Küstenbatterien ein höchst wirksames Zerstörungs- 
stein,das vierte (sZ)usum) dieWestküste von Schleswig- mittel gegen die hölzernen Schiffe zu teil geworden; 
Holstein ausschließlich des Elbgebietes, das fünfte rechnet man hierzu die Unsicherheit des Feuers von 
(Bremerhaven) das Elb-und Wesergebiet, das sechste der schwankenden Unterlage der Schiffe aus, die 
(Wilhelmshaven) das Jadegebiet, die ostfries. Küste großen Ziele, die die Küsten atterien in jenen finden, 
und .L)elgoland. Jedem Küstenbezirksamt steht ein während sie selbst nur wenig ins Auge fallen, so ist 
inaktiver Stabsoffizier der Marine als Küstenb e- es begreiflich, daß die liberzeugung von der Rich- 
zirksinspektor vor, der die Disciplinarstras- und tigkeit des Sages c(Un canon par te1-re vaut un 
Urlaubsbefugnisse der detacl)ierten Stabsoffiziere v-iisseau par mer  allgemein herrschend wurde. 
hat und dem ein Civilmitglied beigegeben ist, das Besondere Bestätigung fand sie, als 1849 in der 
zugleich die Agenturgefchäfte der Seewarte (s. d.) am Bucht von Eckernförde zwei große dän. Kriegsschiffe 
Orte führt. Die K. sind dem Reichsmarineamtunter- vor wenigen deutschen Küstengeschü3en die Flagge 
stellt. Sie stehen im Verkehr mit den Lotsenkom- streichen mußten, wie nicht minder durch die ver- 
mandos der deutschen Kiistenstaaten; bei Verände- geblichen Seeangriffe der Alliierten im Orientkriege 
rungen des Fahrwassers (durch bewegliche Sände 1853-55 gegen die wohl arniierten Küstenwerke 
und Warten) ordnen die Küsteninspektoren die Neu- der Rusfen in der Ostsee und im Schwarzen Meer. 
vermessung der ver-dächtigen Stellen an und sorgen Erst die Panzerun der Kriegss(hiffe, die Annahme 
für die Berichtigung der Seekarten und Segelan- der gezogenen GesZüt3e, namentlich der .S)interlader, 
weisungen. Jm Kriegsfalle leiten He den Kund- die bedeutende Kalibersteigerung der Schiffsge- 
schafterdienst und Wachtdienst an der Küste. schüye, die ausgedehnte Anwendung der Dampf- 
Küftenklima oder üb erg angsklima, der kraft verschoben seit 1860 das Verhältnis zu Gun- 
klimatische Zustand, der vom ausgeprägten See- sten derOffensivkrast der Kriegs-schiffe gegenüber den 
klima (s. d.) zum ausgeprägten Kontinentalklima Küstenbefestigungen. Dadurch wurde eine völlige 
(s. d.) hinüberführt; es ist dadurch bestimmt, daß Neugestaltung der Küstenverteidigung herbeigeführt, 
vom Meer zum Lande bei noch großer Luftfeuchtig- und diese gewann durch Anwendung von Eisen und 
keitund reichlicherBewölkung dietäglichenundjähr- Beton, von Seeminen und Torpedobooten, vor- 
lichen Wärmefchwankungen zunehmen. Eine jähr- neh1nlich durch eine mächtige Steigerung der Ar- 
liche Wärmeschwankung von 15 bis 20" G. (harakteri- tilleriewirkung (Präcisions-, Schus3weite- und Feuer- 
ßert das K., unter dem z. B. ganz Westeuro;oa steht. geschwindigkeitszunahine der Kanonen und Steil- 
Kiiftenkrieg , der Kampf um befestigte Küsten- feuergescl)iit3e) wieder die Oberhand, so daß der reine 
Punkte, Küstenplät3e und Kriegshäfen. Der An- Seeangriff wenig Erfolg verspricht. In den deut- 
griff kann entweder ein reiner Seeangriff (feitens schen Reichskriegshalfengebieten sowie in England, 
der Flotte) sein oder mit einem solchen gelandeter Frankreich und Rufs and finden alljährlich, um Er- 
Truppen verbunden werden. Der Seeangriff um- fahrungen im K. zu sammeln, Flottenmanöver statt, 
faßt Blockade, Beschieszung und Angrisf zur See. denen als Hauptidee gewöhnlich Angriff und Ver- 
Erstere, gegen Kriegs- und Handels-häfen gerichtet, teidigung einzelner Küstenstrecke1i zu Grunde liegt. 
um die Verbindung mit der See -abzuschneiden, Zu- Die von einigen aus verschiedenen Erfahrungen 
fuhren abzuspert-en, feindliche Kriegsfchiffe am Aus- des nordamerik. Bürgerkrieges sowie des Chinesisih- 
laufen zu verhindern, sowie den Handel zu schädi- Japanischen Krieges gefolgerte Ansicht, daß alle Kü- 
gen, ist in der Neuzeit wegen der Schwierigkeit der ftenbefestigungen nur Hindernisse seien, aber auf die 
Kohlenversorgung und ständigen Bereits cl)aft gegen Dauer den Angriffen gepanzerter Schlachtschifse nicht 
die Angriffe feindlicher Torpedo- nnd Unterwasser- widerstehen könnten,erscheintverfrüht,dabisher noch 
boote nur schwer durihführbar, auch für den Handel kein Angriff aus Küstenbesestigungen, die den neuen 
bei dessen weitgreifender Ausdehnung und dem Anforderungen entsprachen, ausgeführt wurde. 
schnellen Verlaufe der Kriege wenig schädigend. Vgl.P.D1slere,La guerre diesen-I:-e -t1-i g11er1-e 
Eine Beschießung des Hafens, seiner Arsenale und des c(')tes (Par. 1876; 2. Aufl. 1883); Stenzel, Hel- 
Etablissements, der daselbst ankernden Schiffe oder goland und die deutsche Flotte (Berl. 189l);H. Mon- 
einer Handelsstadt ist nur dann ausführbar, wenn techant, Essai de sit-atc':gie new-i1e (Par. 1893); 
die Besestigunlgen nicht weit genug vorgeschoben Stenzel, Der kürzeste Weg nach Konstantinopel; ein 
End, um die F otte an der Ausnutzung der grössten Beispiel für das Zusammenwirken von glatte und 
Tragweite ihrer Geschü3e (10-12 km) zu hindern. Heer (Kiel 1894); Mielichhofer, Der ampf um 
Der Angriff zur See umfaßt den Artilleriekamps Küstenbefestigungen (Wien 1897).  
mit den Küstenbesestigungen und das gewaltsame Kiiftenlaud, gemeinsamer Name für drei zum 
Eindringen in die gesperrte Wafserstraße oder den cis-leithanischen Teile der Osterreichisch-Ungarischen 
Hafen. Der Angrisf durch gelandete Truppen oder Monarchie gehörige Kronländer, und zwar Görz 
mit einem Landheer richtet sich gegen die Landfron- und Gradisca (s.  Jstrien (s. d.) und Triest (s. d.) 
ten der Befestigung und zugleich gegen die Kehle der samt Gebiet (s. Karte: Kärnten u. s.  Obwohl 
Küstenwerke und fällt mit dem gewöhnlichen Land- jedes der drei Kronländer seine eigene Landesver- 
an rifs zusammen. Die Flotte übernimmt die Ein- tretung hat, unterstehen sie unter dem Namen K. als 
schlieszung und Beschießung von der Seeseite her. ein Verwaltungs-gebiet dem in der Hauptstadt Triest 
Sie schneidet dem angegriffenen Platze die Verbin- refidierenden Statthalter sowie den daselbst befind- 
dun nach der Seeseite ab, verhindertZufuhren und li(hen höhern Justiz- und Finanzbehörden. Das K. 
EntsZaY und sorgt zugleich für die Verbindung des hat einen Flächenraum von 7968,48 qkm und (1890) 
gelandeten Heers mit seinen Hilfsquellen, unter (395 384 meist kath., ital. -ladinische E. (15 206 
Umständen hat He auch die Wiedereinschiffung zu Deutsche, 207163 Slowenen, 141177 Serben und 
decken. über die Verteidigung von Küstenplät3en Kroaten), darunter 1948 Griechisch-Orientalis(he, 
s. Küstenverteidigung. 2004 Evangelische und 5268 Jsraeliten, 1900: 
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzufinden.
        

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