Bauhaus-Universität Weimar

26 Französische Kunst 
während Albert Bartholonie mit seiiieni grandiosen iiiid Vincennes ausgeführt wurden. Darum wurde 
Totenmonuinent (Mittelgruppe, s. Taf. Ill, Fig. Z) ihm nach Colberts Tode (1683) Mignard, vorgezo- 
der naturalistischen Richtung in abgeklärtester Form gei1, dessen frisches, blühendcs Kolorit bei Hofe sehr 
znneigt,Gustave Mid)e mit seinem Traum Hei) schon gefiel, und nach dem Tode Lebt-uniI rückte er ganz 
fast wieder der antiken Kunstweise nähert. Werke in dessen Stelle ein. 
der modernen franz. Bildnerei finden sich außer ini Am Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrh. 
Liixenibourg zu Paris besonders in der Carlsberg- schwankte die Schule in der Nachahmung bald 
Glhptothek zu Iiopenhcigeii. des Nie. Poussin, bald des Lebrun oder Mignard 
B) Malerei. Von allen Künsten des Mittelalter-S  (de Lahire, Bourdoii, Eh. de Lasosse, Poet Cot)vel 
in Frankreich ist die Malerei diejenige, welche die iind seine beiden Söhne, Von und Louis Bon- 
spärlichsten Denkniale hinterlassen hat. Die einzige logiie, S-anterre): doch gab es in jener Zeit 
größere Kirche, die noch einen ganzen Cyklus vo1i einige in küiistlerischer Sinnesweise -und Gedic- 
LBandmalereien ans dem frühem Mittelalter auf- genheit ihre gleichzeitigen Kunstgenossen überra- 
zuweisen hat, ist St. Savin im Poitou, mit sehr be- gende, meist durch die Niederlande beeinflußte Hi- 
schädigten, ziemlich rohen Fresken ans dem Ende des storienmaler, wie Joiivenet, Subleyras, und meh- 
12. Jahrh. Die Kathedralen von Chartres, Reiins, rere prunkhafte, aber treffliche und für ihre Zeit sehr 
Roiien, Tours, Bourges nnd Le Maus besi3en noch charakteristische Portri"itmaler, wie Ph. de Cham- 
Glasfenster des 13. Jahrh., welche eine Höhe der paigne is. Taf. V, Fig. 4), Largilliere und Rigand 
Kunst darstellen, die in Deutschland erst wesent- if. Taf. V,  Gegen die Mitte. des 18.Jcihrh. 
lich später erreicht wurde. Auch die Miniatiir- blühten die Maler aus der Familie Vanloo ,(die 
inalerei wiirde im Mittelalter mit in1i1ier steigen- Brüder Jean Baptiste und Carle); sie hatten sich 
der Vortrefflichkeit geübt iind erreichte im 15. J"cihrh. in Italien die hier von Pietro da Cortona aus- 
durcl) Denn Foucquet (s. d.) uiid seine Schule den gegange1ie, blendende und' gefällige Manier ange- 
l)ohen Grad der Vollendung, der an den beri"ihniten eignet, die sich in Frankreich mit Natoire, Poucher 
Gebctbüchern (1.in-es cl7l1em-es) der Anna von (s. Taf. V, Fig. 7), Honor-e Jragonard in ein thea- 
Bretagne und des Königs Reue (iii der großen Pa- tralisches, geziertes und- si"is3liches Wesen ciuflöste, 
risei:Bibliothek) beiviindert wird. GleichzeitigeTafel- aber zugleich alle Reize eiiier echt höfisch anmutigen 
und Wandinalereien sind seltene Erscheinungen. DarstelliingL-.weise an sichzog.sNebenher entwickelte 
Selbst das 16. Jahrh. hat außer Cousinund Clouet sich gleichzeitig anlehn-end an Holland eine -1"iberaui3 
(s. Taf. V, Fig. 1) wenige Malernamen 1ind beson- lc"inzeiideKleinmalerei. Die vonWatteau (s. Taf.V, 
der-s sehr wenige Staffeleigemälde hinterlassen. Jm Fig. 5)- nnd seinen Nachfolgern Lancret und Pater 
17. Jahrh. erhielt die fraiiz. Malerei ihre Anregui3- höchst zierlich ausgHt"ihrtenB-ilder ausdenigeselligen 
gen aus Italien. So bildete sich F-i"eniinet, Hof- Leben der höhern Stande, mit vornehmtheatralisch 
mater Heinrichs 1V., in dessen Auftrag er die kostümierten Herren iind Damen, die sich in statt- 
Scbloßkapelle zu Fontainebleaii ausnialte, nach der lii:hen Gärten oder Landschaften auf das galanteste 
gleichzeitigen ital. Schule und fand Vielfache Nach- mit Musik, Tanz u. s. w. uiiterhal-ten, zeig-en das 
ahmung; Valentin nahm sich Caravaggio-Z Manier lockere, aber anmutige Leben des Hofes Ludwige? XV. 
zum Muster, Blanchard studierte an den Werken auf seiner Höhe. De Favray und Leprince machten 
Tiziaus, Vouet huldigte der hellen Manier des sich ebenfalls als Genreinaler beliebt. Chardin lie- 
Guido Neni, Lesueur hatte an Raffael sein Vorbild, fette Genrescenen aus den niedern Verhältnissen des 
Nicolas Poussiii (s. Taf. V, Fig. 2) und Claude häiislichen Lebens, Küchenstücke und Stillleben, die 
Lorrain (s. die Tafel beim Artikel Claude Lorrain) den Vergleich mit ähnlichen Werken der besten Hol- 
bildeten sich, zuerst eine selbständige franz. Kunst- länder aushalten. Des-portes und ,Oudry matten 
richtung vertretend, in Rom, wo sie die längste mit großem Erfolge Jagd- und-Tierstücke; Lant1ira 
Zeit ihres Lebens nnd Wirkens zubrachten. Ja der und Joseph Vernet waren geschätzt-e Landschasts- 
unter Mazarin gegründeten Akadeinie fanden die und Marineinaler. Gleichzeitig mit leHtern ent- 
franz. Maler einen Vereinigungspunkt und Gesamt- wickelte Grenze in Fcimiliensceiieii aus dem bürger- 
anhalt für ihre Kunstanschauuiigen, denen sie with- licheu Mittelstande uiid in anmutigen Mädchenge- 
rend der langen Regierung Ludwigs X1V. im wesent- stalten (s. Taf. V, Fig. 8) eine in Ton und Gegenstand 
lichen treu blieben. Die durch diese Centralisierung weiche Gesühlsmalei-ei, welche an Diderots3 Ruhr- 
erlangte Einheitlichkeit erstreckte sich bald auf alle drame1i erinnert.    
Kunstgebiete. Ch. Lebrun, zum ersten Hofmaler und Um die Mitte des 18. Jal)-rh. befchliftigten ernste 
obersten Leiter aller Arbeiten für die Ausschniückuiig Geschichtsvokgänge und gesellsct)astlicl)e-Zustande 
der königl. Bauten ernannt, versammelte um sich die Gemi"iter, iind auch die Malerei spendete sich 
einen förmlichen Hof von Künstlern aller Art, Mit- neuen, von den Klcissicisten (de Lairesse, van der 
lern, ZZildhaiiern, Ciselierern, Stuccaturarbeitern, Werff ii. a.) ;ingeregten antikeii Gedanken uiid ern- 
Schlossern,Vergolder1iu.s.iv. Das Talent Lebruns, stern synibolisiereiiden Gege1istaiideii zu; unter dem 
dessen .55auptstärke in dein leichten Ei-finden und Einfluss dieser Zeit steheii Viert uiid Pei)ron, die 
Aussi'ihren von weitlc"iusigen, beziehiings-reichen Ge- Vorläufer der um den Sihlus; des 18. Jahrh. ein- 
s-chichtsbil-dern (s. Taf. V, Fig. 3) bestand, eignete tretendenKunstepoche. Die revolutionäreBewegung 
sich iinstreitig zu der Allgewalt,die er lange im Reiche brachte dann eine Kunst von höchster Schlict)theit-und 
der Kunst ausi'ibte; doch war sei1ie von Pietro da trockner Gefelzinäßigkeit, den Klassicismus zu 
Cortona ausg-ehe1ide.schwulstige, aber kalte Art zu Wege, dessen größter Vertreter in der Malerei Loui5 
malen eben nicht geeignet, jenen gesälligenLiebreiz David war. Jn der Farbe wie in der Zeichnung be- 
und Glanz, den man mit dein Fortschreiten zum fleißigte er sich bei eifrigeni Naturstudium strengster 
Stil des Noli)-to von der Kunst mehr und mehr for- Einfachheit und einer idealen Entkleidung von allem 
 die Unzahl von- Bildern zu verbreiten, ZuL)älligeii. Die Richtung ging dabei aufda-Z Pathe- 
die unter seiner Leitung in Versailles, im"Louvre tis e. Mit wenigen großen Zügen viel zu sagen; 
sowie in deii Schlöss-ern zu Trianon,Meiidon, Mai-ly war die Absicht der klassicistischen Kunst (s.-Taf. V,
        

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