Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kaiserliche Gemälde-Galerie in Wien
Person:
Löwy, Josef Engerth, Eduard von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4333831
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4336267
DACADORE. 
TIZIANO m GREGORIO VECELLI 
Cadore, 1477; gestorben: Venedig, 22.August 1576. 
VOR 
DIE EHEBRECH ERIN 
CHRISTUS. 
s verleiht diesem geistreich componirten Bilde ein besonderes Interesse, dass es un- 
  vollendet geblieben ist, wodurch der Beschauer in die Lage kommt, hier den Meister 
 bei seinem Schaffen gleichsam zu belauschen. Einzelne Partien sind mit gemässigtcn 
Farbtoneizfzu Grau und Braun neigend, untermalt; selbst die Hauptperson, Christus der Herr, ist 
nur entworfen. Kopf und Hand sind in breiten Formen, kühl gefärbt, an ihre Stellen gebracht 
und die Gewandung ist ebenfalls noch farblos. In Typus und Geberde ist diese Gestalt als eine 
IÄiIiederholung des Christus auf dem Bilde des ))Zll1Sg1'OSCl1Cl1(( in Dresden anzusehen. 
Auch die Ehebrecherin, diese liebliche, graziöse Erscheinung, die man der ihr zur Last ge- 
legten Schuld gar nicht für fähig halten möchte, erscheint nur alsuntermalt, aber in Gestaltung 
und Ausdruck ist sie vollständig fertig. Sie neigt, vor Christus geführt, in Demuth mit gesenktem 
Blick das schöne Haupt. Ihre blonden Haare sind von einem leichten Tuche zusammengehalten, 
das weisse Unterkleid lässt zum Theil den Busen sehen. Männer von rohem Aussehen haben das 
Opfer unsanft gefasst, selbst der Pharisäer von vornehmem Wesen scheut nicht vor ihrer Berüh- 
rung und hält sie beim Oberarme, sie so dem Heiland vorführend, an welchen er seine Worte der 
Anklage richtet. 
Auch diese Gruppe der Peiniger zeigt im Allgemeinen die Hüchtige Vorbereitung, aber 
einige Köpfe sind sorgfältig vollendet und berechtigen zu der Annahme, dass es hier Tizians In- 
tention War, ein sehr ausgeführtes Bild zu schaffen.  
Erzherzog Leopold Vliilhelm, der so viele herrliche Werke 'I'izian's erwarb, besass auch 
dieses Bild; es erscheint im Inventar der im Jahre 16 56 nach Wien geführten Sammlung, Nr. 131. 
In der Stallburg aufgestellt, wurde es von Strasser für das Galeriewerk en miniature copirt. 
In der Galerie zu Padua befindet sich eine alte Copie unserer ßEhebrecherinx. Der Copist, 
welcher bei den unfertigen Partien des Originales rathlos und auf sein eigenes Können angewiesen 
blieb, ergänzte diese in derber, brutaler Weise und brachte Farben an, welche Tizian nie die Ab- 
sicht haben konnte, seinem Bilde bei seiner Vollendung zu geben. Diese Copie wird in Padua 
dem Varotari zugeschrieben, sie dürfte aber eher von dessen Schwester Chiara gemalt worden sein. 
Das Original ist auf Leinwand gemalt, 106 Cm. hoch, 137 Cm. breit. 
Es ist gestochen worden: von Thom. Benedetti, 21'5 Cm. hoch, 30 Cm. breit  von 
j. Troyen. 155 Cm. hoch, 21-4 Cm. breit (Teniers Theatr. pict.).  Radirt: 3-3 Cm. hoch, 46 Cm. 
breit (Stampart und Prenner).  W. Unger, 20 Cm. hoch, 27 Cm. breit (k. k. Gemäldegalerie 
in Wien).
        

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