Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kaiserliche Gemälde-Galerie in Wien
Person:
Löwy, Josef Engerth, Eduard von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4428965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4431951
HANS 
MEMLINC 
MEMLING. 
Geboren: In Nordholland, erste Hälfte des XV. Jahrhunderts; gestorben: Brügge, vor dem 1o._December 1495. 
MARIA 
MIT DEM 
KIN DE. 
EIN TRIPTYCHON. 
  as kleine Altarwerk ist auf drei Blättern photographirt, wird aber hier der Deutlichkeit 
   wegen auf einem Blatte als zusammengehöriges Ganzes beschrieben. 
 Auf dem Mittelbilde hält Maria das heilige nackte Kind auf dem Schoosse 
mit beiden Händen. Ueber dem Throne, unter welchem die Jungfrau sitzt, erhebt sich ein prächtiger, 
mit Figuren und Ornamenten verzierter Steinbogen. Das liindchen langt nach einem Apfel,iden 
ihm ein knieender Engel lächelnd hinreicht. Auf der anderen Seite des Thrones kniet ein betender, 
schwarz gekleideter Mann, wahrscheinlich der Donatar des Bildes. 
Die vereinigten Innenseiten der Flügel zeigen den heiligen Johannes Evangelist, mit einer 
goldenen Schale in der Hand, und den heiligen Johannes den Täufer mit dem Lamm. Beide stehen 
unter einem gothischen Portale mit doppelter Oeffnung.  
Die Aussenflügel zeigen Adam und Eva, in zwei steinernen Nischen stehend; beide halten 
den Apfel in der erhobenen Rechten, das Feigenblatt in der Linken. 
Alle die guten Eigenschaften, welche den ausgezeichneten Meister zieren und ihn uns in so hohem 
Maasse sympathisch machen, kommen in diesem feinen Triptychon zur Geltung. Memlinc übte eine 
Kunst, deren Milde von grösstem Reiz war. Seine Meisterschaft zeigt sich in der Gediegenheit und 
Fülle der Zeichnung, in der verständigen, bis ins kleinste Detail eingehenden Modellirung der Formen, 
in dem milden Schmelz der Farben und in dem Ausdruck voll Sanftmuth, der auf den lieblichen 
Zügen seiner Frauenköpfe liegt. Er übertrifft hierin seinen Meister Van der Weiden, und es fehlt 
ihm nur die Kraft und Strenge bei den männlichen Gestalten, um selbst auf dieselbe Stufe der 
Vollkommenheit zu kommen, auf welcher der mit Recht vielbewunderte Van Eyck stand. 
Unser Altärchen kommt aus der Sammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm. Das Inventar 
vom Jahre 1659, Nr. 40 I, beschreibt es und setzt hinzu: wSagen, es sei Original von Johann Van 
Eyck; und Mechel, 1783, Nr. 30, schreibt es dem Van der Goes zu, wahrscheinlich von dem 
Umstande geleitet, dass eine Wiederholung des Bildes mit einigen Veränderungen in den Uffizien 
zu Florenz dort dem Van der Goes zugeschrieben ist. Aber die beiden Bilder unterscheiden sich 
wesentlich von einander und die Kunst des Van der Goes kann überhaupt nicht beanspruchen, mit 
jener des Memlinc in Concurrenz zu treten oder mit ihr verwechselt zu werden, und es dürfte 
wohl nicht leicht möglich werden, ein Werk des Goes zu finden, welches dieselbe Vollendung und 
illeisterschaft aufzuweisen hätte, wie unser kleines reizendes Altärchen. 
Das Bild ist auf Holz gemalt, 69 Cm. hoch, 47 Cm. breit.
        

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