Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gefässsystem, Nervensystem und Sinnesorgane: Gefässlehre
Person:
Hoffmann, Carl Ernst Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/PPN679686983/14/
Anordnung und Bau der Schlagadern. 
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sie sind viel zahlreicher bei den kleineren Gefalssen. Diese Verbindungen be- 
werkstelligen eine freie Communication des Blutstromes der verschiedenen Ab- 
theilungen, erzielen eine Gleichmässigkeit sowohl in der Vertheilung sowie in 
dem Drucke und gleichen locale Unterbrechungen des Blutstromes aus. 
Gewöhnlich verfolgen die Arterien in ihrem Verlaufe die Längsachse der 
Theile, welche sie durchziehen; an den Gliedmassen verlaufen sie der Länge 
nach, d. h. in der Richtung der Knochen und Muskeln und mehr noch in der 
Richtung der letzteren, als in derjenigen der ersteren. Wir haben oben ge- 
sehen, dass die Arterien vorzugsweise den Beugestellen des Körpers anliegen, 
da aber die Beugestellen der einzelnen Theile nicht immer nach der gleichen 
Seite, z. B. an der unteren Extremität, hin gerichtet sind, so müssen die Gefalsse 
natürlich die Lage Wechseln. Dies geschieht vorzugsweise in der Art, dass sie 
Sich in Form lang gewundener Spiralen um die betreifenden Theile herum legen. 
Diese Anordnung erlaubt im Allgemeinen eine freie Bewegung der Glieder ohne 
Beeinträchtigung der Blutcirculation. 
Abgesehen von der Anordnung der Gefasse zu den übrigen Theilen sind 
Sie im Allgemeinen von ziemlich geradelinigem Verlaufe, aber an einzelnen 
Theilen sind sie auch ziemlich starke gewunden, wie z. B. in den Lippen, in 
der Zunge, an der Gebärmutter u. s. w. Diese Einbiegungen finden sich vor- 
zugsweise an sehr beweglichen 'l'heilen, wo sie den Gefässen gestatten, deren 
Bewegungen mit grosser Leichtigkeit zu folgen und dann namentlich auch 
an Stellen, wo Gefässe in stark ausgebreitete Theile übergehen; so beim 
Uebertritte vom Arme zur Hand, vom Beine zum Fusse, im Gekröse des 
Darmes u. s. w., wo mit den Windungen zugleich bogenförmige Verbindungen 
Vorkommen; ziemlich stark sind die Windungen beim Uebertritte der Getässe 
VOR! Halse zum Kopfe und namentlich beim Eintritte in die Schädelhöhle ent- 
wickelt. Durch dieselben wird eine Verlängerung -des Weges tiir den Blutlauf 
und durch die vermehrte Reibung an der Wand eine geringere Schnelligkeit 
desselben hervorgebracht, während durch stärkere Windungen zugleich bei dem 
Einströmen des Blutes eine federnde Bewegung des Gefässes entsteht, die die 
Heftigkeit des Stosses vermindert. Aehnliche Eifecte entstehen, wenn Gefalsse 
sich plötzlich in eine grosse Zahl kleinerer Aeste theilen, ein Verhalten, das man 
1118 Wundernetz, rete mirabile, bezeichnet  
Was die Endtheilungen der Arterien anbelangt, so iinden sich auch bei 
diesem mancherlei Verschiedenheiten. Wie schon oben erwähnt, werden bei den 
kleineren Verzweigungen die gegenseitigen Verbindungen zahlreicher; viele Ge- 
fässß lösen sich in solche Gefissgetlechte auf, während andere eine pinselfdrmige, 
Stfßruformige, bogenförmige oder rankenartige Verzweigung besitzen; allein einerlei, 
W16 diese verschiedenen Verzweigungen auch sein mögen, sie lösen sich schliess- 
lieh in ein Capillarnetz auf, aus welchem die Venen hervorgehen, und nur aus- 
nahmsweise senken sie sich direct in venöse Räume ein. 
Die verschiedenen Organe zeigen dabei einen äusserst verschiedenen Reich- 
thllm Solcher Gefissverzweigungen; sehr gross ist ihre Zahl in den Drüsen, den 
schleimhäuten, der Haut u. s. w.; in- geringerer Menge findßll Sie Sich in den 
lflervengtämmen, den Sehnen, in der harten Hirnhaut u. s. w.; in anderen end- 
lieh fehlen diese Verzweigungen fast vollständig, wie in den Gelenkknorpeln,
        

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