Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anatomie für Künstler
Person:
Froriep, August Helmert, Rich.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4218526
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4219577
Unterschenkel und F uß  
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Fechters nach der Seite, zur Verwendung kommt. Diese Bewegung führt dann ein 
starkes Vertreten des Sprungbeinkopfes und des vorderen Endes des Fersenbeins 
herbei, wovon man sich am eigenen Fuße leicht überzeugen kann. 
Innerhalb der Fußwurzel haben wir somit eine Beweglichkeit angetroffen, luieelfuß 
hauptsächlich zwischen Sprungbein und übrigem Fußskelett, in geringem Maße auch 
noch zwischen Fersenbein und Würfelbein: weiter nach vorn ist keine merkliche Bewe- 
gung mehr ausführbar. Die fünf kleineren Fußwurzelknochen (Würfelbein, 
Schiffbein und drei Kcilbeine" sind unter sich und weiterhin auch noch mit de m z w ei- 
ten und dritten Mittelfußknochen zu einem in sich unbeweglichen 
Stü ek verbunden. welches sich von einer entsprechenden, soliden Knochenplatte nur 
durch die größere elastische Nachgiebigkeit auszeichnet. 
An dieses feste Mittelstück des Fußes sind nun die Mittelfußknochen der großen 
und der kleinen Zehe einigermaßen beweglich angesetzt, doch bleibt ihre Beweglich- 
keit hinter der der entsprechenden Theile der Hand unendlich zurück. Besonders gilt 
dies für den Mittelfußknochen der großen Zehe. _Hier ist von dem freien Sattelgelenk 
nichts zu finden; nur eine vom Rücken zur Sohle schwach konkave Krümmung der  
Grundfläche des Knochens, mit der er auf der fast gleich großen Vorderflache des 
ersten Keilbeins geringe Verschiebungen um eine horizontal stehende Achse machen 
kann, wie sie auch dem fünften und in ganz geringem Maße auch noch dem vierten 
Mittelfußknochen zukommen. Die Beweglichkeit aber, die den Daumen auszeichnet, 
die Fähigkeit der Anziehung und Gegenstellung, fehlen der großen Zehe völlig; 
und dadurch unterscheidet sich der menschliche Fuß hauptsächlich vom Fuß des 
Affen, welcher mit jenem im Allgemeinen im Bau übereinstimmt, durch ein Sattel- 
gelenk am ersten Mittelfußknochen aber eine so Daumen-ähnliche Beweglichkeit der 
großen Zehe erlangt, dass Inan den Affenfuß früher geradezu als Hand und die 
Affen als Vierhänder bezeichnet hat. 
Der erste Mittelfußknochen ist der kürzeste, dafür aber beträchtlich 
starker als die anderen; und eben so ist die zweigliedrige große Zehe zwar bisweilen 
kürzer als die zweite, aber immer ungleich starker, als alle dreigliedrigen. Wie 
der zweite Mittelfußknochen, so ist in der Regel auch die zweite Zehe am längsten; 
bisweilen ist sie kürzer als die große, aber stets länger als die dritte Zehe, welche 
letztere dagegen am Affenfuß die längste ist.  
Die Verbindung der Zehen am Mittelfuß und die der einzelnen Zehenglieder Zehen 
unter einander stimmen im Allgemeinen mit den Grund- und Gliedgelenken der Finger 
überein, nur sind sie im Vergleich zu diesen, mit Ausnahme der großen Zehe, in 
der Regel höchst kümmerlich entwickelt. 
 Einen merklichen Unterschied zeigen die Grundgelenke der Zehen; sie stimmen 
in der Anlage zwar mit denen der Finger völlig überein, die Gelenkflaehen der 
Köpfchen sind aber mehr nach dem Fußrücken zu entwickelt, so dass die Zehen in 
dieser Richtung bis zu rechtwinkliger Stellung gebogen werden können, eine Ein- 
richtnng, die dem Gebrauch beim Gehen entspricht. Umgekehrt ist die Bewegung 
nach der Sohle zu über die geradlinige Stellung der ersten Zehenglieder hinaus kaum 
ausführbar; der Grund hiefür liegt darin, dass der untere Theil des Mittelfuß- 
köpfchens mit einem größeren Halbmesser gebogen der Grundfläche der Zehe nicht 
mehr entspricht, sondern der knorplig verdickten Gelenkkapsel und, an der großen Zehe, 
den in der Kapsel sich entwickelnden Sesambeineil zu gleitender Verschiebung dient. 
Die große Zehe soll an wohlgebildeten Füßen in der geradlinigen Verlange- äfjgfjäffl 
rung des ersten Mittelfußknochens liegen, und in den ersten Lebensjahren liegt 
sie stets so. Wahrscheinlich unter dem Einfiuss schlecht geformter Schuhe entwickelt 
sich meist erst nach vollendetem Wachsthum eine nach außen, also nach den anderen
        

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