Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anatomie für Künstler
Person:
Froriep, August Helmert, Rich.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4218526
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4218835
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Knorpel, der im Gegensatz zu der Knochensubstanz zu seinem Fortbestehen geradezu 
eines gewissen auf ihn wirkenden Druckes bedarf und der vcrkümmcrt oder ganz 
schwindet, wenn er z. B. in kontrakten Gelenken längere Zeit hindurch nicht benutzt 
wird, ist auch in der verhältnismäßig dünnen Lage, wie er die Gelenkenden über- 
zieht, wohl befähigt die unter dem Druck drohende Aufsaugung desKnochenge- 
webes zu verhindern. Die Neubildung des letzteren jedoch, die das Wachsthum 
erheischt, zu ermöglichen oder zu begünstigen, wurde er nicht ausreichen, es bleiben 
zu diesem Zwecke größere Abschnitte zu beiden Enden des Röhrenknochens knor- K112i; 
pelig und wandeln sich erst im Lauf des Kindesalters von innen heraus zu Knochen um?" 
um; so dass ein einzelner Knochen des Jünglings noch aus drei Kncchenstücken be- 
steht, einem langen Mittelstück und zwei Endstüeken, deren jedes mit dem Mittel- 
stück durch eine zwischenliegende Knorpelplatte vereinigt ist. An diesem Grenz- 
knorpel findet die Knoehenneubildung Behufs des Liingenwachsthums statt, und nur 
S0 lange als derselbe sich erhält, kann der Knochen länger werden; zwischen dem 
2". und 23. Lebensjahre verschwinden die letzten dieser Knorpelgrenzen und damit 
Steht das Wachsthum der Glieder still. 
Andere Knochen, namentlich die des Kopfes, bewahren sich die Möglichkeit Sßhfggjjmr 
des Größerwerdens bis in spätere Jahre. Die bekannten feinen Spalten, welche den 
knöchernen Schädel in einzelne Knochen scheiden, sind im Leben von einer Band- 
masse erfüllt, die zwar kein Knorpel ist, die aber, wie der Knorpel für die übrigen 
Knochen, hier die Bedeutung hat, an ihren Grenzen die Kncchenneubildung zu 
besorgen. 
Man nennt sie Nähte und versteht unter dieser Bezeichnung eine unbeweg- Naht 
liehe Verbindung zweier Knochenstücke, die durch eine nicht sehr mächtige Lage 
von Bandmasse hergestellt ist. Man unterscheidet die bleibenden Nähte, wie sie der 
Schädel des Erwachsenen zeigt, von nicht bleibenden, wie z. B. die Stirnnaht, die 
das Stirnbein während des ersten Lebensjahres in zwei symmetrische Hälften scheidet. 
Streng genommen sind aber auch die bleibenden vergänglich, denn im Greisenalter 
schließen sich die meisten ganz oder theilwcise, und hie und da kommt es schon 
in mittleren Jahren zu derartigen Verknöcherungen, die man gleichwohl nicht für 
krankhaft erklären kann. Krankhaft sind sie dann, wenn sie bereits im Kindes- 
oder Jiinglingsalter auftreten; sie zeigen dann an, dass das Organ, dessen Gehäuse 
der Schädel ist und welches sich diesen nach Bedürfnis seiner Größe aufbaut, dass 
das Gehirn in seinem Wachsthum stillsteht und das Geschöpf, dem es angehört, zu 
einem höheren oder geringeren Grad von Kretinismus oder Blödsinn verurtheilt. 
Der Naht sehr nahe steht eine andere Art der Verbindung, die Fuge, die Fuge 
sich von ihr nur durch größere Mächtigkeit der Zwischenmasse unterscheidet, aber 
eben so wie sie eine unbewegliche Vereinigung zweier Knochen herstellt. Man spricht 
Jß nach dem Material der Zwisehenmasse von Knorpelfugen und Bandf u gen: 
das reinste, jedoch nicht bleibende Beispiel der ersteren sind die erwähnten Grenz- 
knorpel der wachsenden Röhrenknochen, als bleibende Knorpelfuge sieht man die 
Verbindung der beiden Schambeine in der Mittelebene an, die sog. Schoßfuge. Band- 
fllgen sind die Verbindungsscheiben zwischen den Wirbelkörpern, diese haben aber 
eine Eigenthümlichkeit, durch die sie sich doch wieder über die eigentliche Fuge 
erheben; sie schließen in ihrer Mitte einen Kern von gallertartigem Gewebe ein 
und gewinnen dadurch eine etwas freiere Biegsamkeit.  
Eine Ubergangsform zwischen der unbeweglichen Fuge und dem frei in Smgffk G6" 
bestimmten Bahnen beweglichen Gelenk bildet das straffe Gelenk oder Fugen- 
ä-lelenk, welches man sich durch Bildung eines Spaltes innerhalb einer Knorpel- 
fllge entstanden denken kann; zwei annähernd ebene und gleich große Knorpeltlächen 
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