Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wand und ihre künstlerische Behandlung
Person:
Bie, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4229072
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4229641
28 DIE WAND 
Die augusteische Zeit mit ihrer Flächendokoration pro- 
jiziert die ganze reiche architektonische Verzierungswelt 
in die Ebene dieser Wand, und sie rahmt die Felder und 
füllt die Rahmen. Sie beginnt mit den ersten Regungen 
der Rahmenauffassung zu verzierender Flächen, die dann 
das grosse System der Renaissance wurde. 
Die Differenzierung schreitet fort. Schon wenn 
man die Farben der augusteischen Zeit mit den früheren 
vergleicht, beobachtet man den Sinnfür Nuancierung. 
Das Rot teilt sich in verschiedene, dunklere und 
hellere Töne; Grün und Violett vermeidet man, wie 
stets schon das Blau, an hervorragenden Stellen, es 
sind mehr Zwischentöne. Neben dem Rot ist Schwarz 
eine der Grundfarben, die sich als Hintergrund stets 
sehr empfiehlt und alle auflie ende ornamentale Malerei 
und die kleinen Bildchen seir distinguiert erscheinen 
lässt. Auch der Sinn für die Verteilung der Farben 
wächst mit dieser Beschränkung der Töne und ihrer 
Nuancierung. Die natürliche Entwickelung von Dunkel 
zu Hell ist Gesetz geworden, und die Hauptflächen 
betonen gern eine durchgehende Grundfarbe, die ihnen 
um so besser steht, je weiter sich dieser Stil zu einer 
ornamentalen Flachkunst entwickelt. 
In der nachaugusteischen Zeit gewinnt man wieder 
die kräftigen Farben etwas lieber. Blau und Gelb be- 
innen jetzt eine herrschende Rolle zu spielen, das 
ächwarz tritt zurück. Es ist eine natürliche Entwickelung 
eines gewissen Dekadententums, die Mattheit von Farben, 
die der reine Geschmack vorzieht, durch kräftigere 
Augennahrung zu ersetzen. Huysmans hat dies sehr 
gut bei den Zimmerdekorationen seiner dekadenten 
Romanhelden beobachtet. 
_ Ebenso findet man in der folgenden Zeit eine ge- 
wisse Reaktion gegen die F lachornamentik, ein Zurück- 
greifen auf architektonische Perspektiven. Wir erinnern 
uns des ständigen Wechsels zwischen einer mehr archi- 
tektonischen und einer mehr ornamentalen Auffassung
        

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