Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wand und ihre künstlerische Behandlung
Person:
Bie, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4229072
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4230223
DIE XVAND 
diesem ein Porträt, zu beiden Seiten Thüren, über diesen 
reich gerahmte Wappenbilder  damit ist fast eine 
ganze Wand gefüllt. Mit dem Spiegel zieht ein neues 
dankbares und charakteristisches Motiv ein. Die moderne 
illusionärste Durchbrechung der Wand, indem sich das 
Zimmer in sich selbst wiederholt, indem es automatisch 
seine Architektur und seine Menschen auf den Wänden 
verdoppelt. Wenn jemals die Menschen, die aus den 
Wänden sich heraussehnten, dabei eitle Träume hatten, 
so haben sie für diese Eitelkeit im Spiegel das schönste 
Material gefunden. Die Wände verschwinden nicht nur 
unter der Dekoration, sie verdoppeln sie. Die Wände 
führen nicht nur in ferne Regionen der Phantasie, sie 
zeigen den Menschen dabei auch ihr Gesicht und ihren 
Gang. Sie strahlen leise aus, wo kein Licht war, sie 
lachen, wo es nichts zu lachen gab, sie werfen sich 
vis-ä-vis mit unversiegbarer Laune bis in die Unendlich- 
keit die Proportionen des Zimmers zu, die immer kleiner 
und kleiner sich ineinander fügen, um mit diesem ewigen 
übermütigen Ballspiel des Lichtes den armen Menschen 
schliesslich so zu necken, das er sich nach hundert 
Seiten zu verbeugen scheint, wenn er sich vor sich 
selbst verbeugt. 
In den Dekorationen, die Louis XIV. in Fontaine- 
bleau hinterliess, zeigt sich das Barocke in seiner liebens- 
würdigsten Form. Man erkennt es deutlich an der starken 
Betonung aller Eckmotive, aller Verknüpfungsgegenden, 
aller Gliederzusammenstösse, in denen dieser Stil seine 
Kraft vereinigt im Gegensatz zu der gleichmässigeren 
Rahmenanschauung der Renaissance. Die liebevolle Be- 
handlung aller Voluten und Konsolen, der ungeheure 
Nachdruck, mit dem die bildmässigen Felder eingefasst 
werden, die Feierlichkeit mit der ein Bauglied zur Fort- 
setzung Atem holt, zeigt den veränderten Zeitsutil. Aber 
als ob durch die Nähe der guten italienischen Uberliefe- 
rung der Geschmack vor einer gar zu wilden Ausladung 
zurückgehalten worden wäre, sucht man vergeblich die
        

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