Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Schlosskirche in Wittenberg
Person:
Adler, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046980
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4232236
Schlnfspunkt im Osten (Nr. 1) erhebt sich der 11 m hohe 
Altar, unten ans Sandstein, oben aus französischem Kalkstein 
gefertigt, dreijocilig gestaltet, mit (lnrchbrochenen Tabernakel- 
spitzen, den überlebensgrofsen Standbildern von Christus, 
Petrus und Paulus und mit acht Apostelstatuetten. Hinter 
ihm bilden den farbensprühenden Hintergrund die reichen 
Glasmaiereien der drei Ohorfenster nach Albrecht Dürers Com- 
die Standbilder der Reformatoren auf den Candelaberpfeileni, 
einen Theil des Kaiserstuhls und den Altar. Einem zweiten 
positionen, nämlich die Anbetung der Hirten, die Verehrung 
der Weisen, die Kreuzigung, die Auferstehung und die Aus- 
giefsung des heiligen Geistes 7). Das Untertheil des Mittel- 
fensters wurde benutzt, um ebenfalls in Glasmalerei die wich- 
tigsten Baudaten festzulegen, und zwar in einer von zwei 
schwebenden Engeln gehaltenen Gedäehtnifstafel mit folgen- 
den Zahlen und Sätzen: 
1520. 
1817. 
1885- 
Reform des Gottesdienstes. 
Wiederherstellung. König Friedrich Wilhelm III. 
-92. Umbau. Kaiser Wilhelm I. Kaiser Fried- 
rich III. Kaiser Wilhelm II. 
Vergleiche hierzu Blatt 4, 5 und 6, in welchen des kleinen 
Mafsstabes halber die Glasmalereien nicht angedeutet werden 
Das Blatt 2 veranschaulicht die Westfront, deren unterer 
Theil bis zum Kranzgesimse der Kirche als geputzter Bruch- 
steinbau vollständig erhalten werden konnte. Hinzugefügt 
bezw. eingesetzt wurden nur die drei senkrecht über einander 
stehenden Fenster in der Kirchenmauer sowie zwei Zwillings- 
fenster am Thurme. Alle Obertheile, aus geschliffenen Quadern 
von Postelwitzer Sandstein erbaut, gehören dem Neubau an, 
sowohl der mit Fialen und durchbrochenem Ziergiebeln besetzte, 
in seinen Obertheilen durchbrochene Kirchengiebel als auch der 
Glockenthurin mit der offenen, zum Abblasen von Chorälen 
bestimmten Umgangsgalerie, die mit Fialen und geschwunge- 
nen, in den Obertheilen nach aufsen gebogenen Ziergiebeln 
nebst Krabben und Kreuzblumen reich ausgestattet ist. Unter 
ihr beündet sich der aus Thonstiften hergestellte Mosaikfries 
 graue Buchstaben auf hellblauem Grunde  mit dem 
Anfange des Lutherliedes, und den Abschlufs bildet die spät- 
gothische Kuppelhaube mit einer offenen, durch zwei Zier- 
giebelkränze gegliederten, thurmartigen Laterne. Die beiden 
letzten Bautheile sind aus Eisen construirt und mit Kupfer 
gedeckt. 
Auf dem Blatte 3 ist in demselben Mafsstabe wie die 
Querschnitte, nach Westen gesehen und in gleichem Mafsstabe 
wie der vorige gezeichnet, ist das Blatt 6 gewidmet, um den 
steinernen Westgiebel von hinten, die westliche Empore mit 
der Orgel und die Grabcapelle der Ascanier zu veranschau- 
lichen. Das spätgothische Portal unten am Glockenthurme 
mit dem Ascanier-Wappen im Tympanon bildet den Eingang 
zur Krypta, deren Umrifs mit punktirten Linien angedeutet ist. 
 Die beste, wenn auch nur angenäherte Anschauung über 
Gestaltung und Durchbildung des Inneren wird aus Blatt 5 
gewonnen, welches den Längsschnitt in seinen Hauptzügen 
vriedergiebt, Die Ueberwölbung der Ascaniercapelle und die 
der darunter liegenden Krypta werden sichtbar, und gleich- 
zeitig konnten einige der alten wie neuen Kunstwerke, z. B. 
das eherne Wandhochgrab des Kurfürsten Johann des Be- 
ständigen im Chore, die Nachbildung der Jenenser Erzplatte 
für Luthers Grab im Schiffe und daneben das kleine, aber 
herrliche Bronce-Epitaph von Peter Vischer für den Propst 
Henning Goede, sowie die beiden dem 14. Jahrh. entstam- 
menden Grabsteine ascanischer Fürsten unter der Orgelempore 
angedeutet werden. Das Gleiche gilt von den Seitenansiehten 
des Altares und des Orgelgehäilses, der Kanzel, dem Fürsten- 
gestühle und der Südreihe der Reformatoren. Zur besseren 
Beurtheilnng des Fürstengestühles und des Kaiserstuhles wird 
auf die Abb. 9 und auf das in Lichtdruck wiedergegebene 
Blatt 8 verwiesen. Da diese nach photographischen Auf- 
nahmen hergestellt worden sind, die gleich nach der Ein- 
weihung gemacht wurden, so zeigt Abb. 9 vor dem Gestühl 
zwei Bankreiheil, welche nicht dazu gehören, sondern nur 
für den Festact benutzt und dann wieder entfernt wurden. 
Erz gegossene Wandhochgrab des Kurfürsten Friedrichs des 
Weisen sichtbar und links das von Geyer gemeifselte Stand- 
Westfront die nördliche Langseite dargestellt, nur mufsten 
der Blattgrölse halber hier die Galerie und die Kilppelhaube 
fortgelassen werden. Die nicht achsenrnäIsige Stellung des 
26m hohen Dachreiters  von Eichenholz und mit Kupfer- 
blech bekleidet  über dem darunter belegenen Fenster war 
durch den Dachstuhl, welcher nicht verändert werden sollte, 
bedingt. Das Dach ist reich gemustert mit glasirten Biber- 
schwänzen in sechs Farben eingedeckt. 
Einen Querschnitt in gröfserem lllafsstabe, nach Osten 
gegen den Chor gesehen, bringt Blatt 4 zur Anschauung. 
Hier zeigen sich der alte Dachverband, dessen Firstlinie, wie 
oben schon betont, leider um mindestens 3 m zu tief liegt, 
sowie die Structur der Netzgewölbe im Mittelschiffe mit 
ihren steinernen Hängezapfen von 1,75 m Länge und der 
spitz- bezw. flachbogigen Tonnen in den Seitenschiifen über 
und unter den Ernporen. Auch die neue Sacristei und ihre 
Deckenconstruction (reducirtes Sterngewölbe) ist zur Darstel- 
lung gebracht. Auf eine Wiedergabe der reichen decorativen 
Malereien an den Decken, Pfeilern und Brüstungen mufste 
verzichtet werden. Dagegen sieht man das Fürstengestühl, 
bild Melanchthons. 
Ein ähnlicher Grund, nämlich um eine Vorstellung 
von der Gestaltung und Detailbehandlung der Kanzel zu 
geben, hat Blatt 9 veranlafst, welches dieses wichtige 
Stück der inneren Ausstattung im Malsstabe 1:25 veran- 
schaulicht. Es war der besondere Wunsch des verewigten 
Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dafs für den Entwurf zur 
neuen Kanzel in Wittenberg die bekannte Kanzel aus Anna- 
berg als Vorbild gewählt werden sollte. Dies ist denn auch 
hier geschehen mit Berücksichtigung der verschiedenen 
Materialien, denn nur der unterste Sockel ist aus Sandstein, 
alles übrige aus Eichenholz gefertigt. Ihre Höhe beträgt 
"bis zur Kreuzbluine 9,20 m. Die Treppe und der Schall- 
deckel sind selbständige Zusätze. An der Brüstung sind in 
Hochrelief die vier Evangelisten mit ihren Symbolen und an 
dem unteren Kranzgesimse die Wappen der vier Städte, in 
welchen Luther gelebt und gewirkt hat, nämlich Eisleben, 
Erfurt, Worms und Wittenberg angeordnet worden. 
Das drittletzte Blatt 7, nach einer photographischen 
Aufnahme hier in Kupferätzung wiedergegeben, zeigt das 
Innere von Westen her gegen den Altar gesehen. Aufser der 
Gesamtarchitektur sind Altar, Kanzel, Fürstengestühl, sechs 
der Reformatorenstandbilder (links Spalatin, Bugenhagen und 
Melanchthon, rechts Brenz, Jonas und Luther) und das aus 
Alabaster gemeifselte und zart bemalte Standbild Friedrichs 
des Weisen (knieend und barhäuptig im Harnisch) deutlich 
erkennbar, ferner die gewölbten Decken mit ihren Malereien 
und vorn die Bestuhlung. 
Technisches und Persönliches. 
Zum Aufsenbau wurde Postelwitzer, zum Innenbau 
Cottaer Sandstein verwendet, nur der Obertheil des Altares
        

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