Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Königliche Akademie der Bildenden Künste zu München
Person:
Stieler, Eugen von Akademie der Bildenden Künste <München>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046956
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4283345
DIE AKADEMIE UNTER JOHANN PETER VON LANGER 1808-1824 47 
 
Auftrag geworden, sofort für die Einrichtung des Zeichenunterrichts an den Mittelschulen Vorschläge Zeichnungs- 
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auszuarbelten. 5c u an 
Diesem kam sie mit Bericht vom 3. März 1809 nach. Robert Langer hatte den Entwurf 
gemacht. Er unterscheidet in demselben drei Gruppen von Schülern: Die Elementar-, die Gym- 
nasial- und die Realschüler. Gegenstand der Darstellung sollen schon im Elementarunterricht nur 
der menschliche Kopf bezw. dessen einzelne Teile sein. Als Vorbilder sollen gezeichnete Vor- 
lagen dienen, und als besonders geeignet erachtet er die von ihm in den italienischen Galerien 
auf den Originalen der alten Meister gewissenhaft durchgepausten (l) Köpfe. 
Für das Gymnasium und die Realschule sind dann verschiedene Wege einzuschlagen. In 
letzterer sollen vor allem die Säulenordnungen, sowie Verzierungen gezeichnet werden, während 
an den Gymnasien Nachbildung antiker Werke gepflegt werden soll, da ein Erfassen der alten 
Sprachen und ihrer Dichter durch einen Einblick in die antike Kunst nur gefördert werden könne. 
Zweck des Zeichenunterrichts an diesen Anstalten sei ja doch nur die Schärfung der Auf- 
fassung und Übung des Blickes für Formen und Größenverhitltnisse. Es sollen deshalb auch nur 
Umrißzeichnungen gefertigt werden. Beim Zeichnen nach Gips müsse mit einigen besonders 
charakteristischen Cäsarenköpfen begonnen werden, und nur die allerfortgeschrittensten Schüler 
sollen sich an Idealköpfen versuchen, die nach der Meinung der Schüler am leichtesten, in Wirk- 
lichkeit aber am schwersten nachzubilden seien. 
wLandschaften, Blumen und alle schwankende Gestaltung der außermenschlichen Natur sind 
gänzlich aus der Mustersammlung verbanntß Denn bei der kurzen Zeit, welche in den Mittel- 
schulen auf das Zeichnen verwendet werden kann, wwürde der Wechsel der Gegenstände nur eine 
unglückliche Flatterhaftigkeit des Auges und höchstens eine sinn- und geistlose Fertigkeit der Hand 
veranlassenu. Langer fügt seinen Ausführungen eine genaue Instruktion für die Zeichenlehrer bei, 
in der die Reihenfolge der für den Unterricht zu wählenden Gipsabgüsse angegeben wird. 
Neben den das Unterrichtswesen betreffenden Fragen beschäftigten die Akademie in den Gutachten 
Sitzungen der ersten Jahre, für welche Minister v. Hompesch in seinem Palais ein Zimmer zur 
Verfügung stellte, da sie selbst keinen hiefür geeigneten Raum besaß, die verschiedensten Be- 
ratungsgegenstände. Unterstützungs- und Anstellungsgesuche, sowie Ankaufsangebote lagen am 
häufigsten zur Beratung vor, aber auch Gutachten über die Ausgestaltung Münchens wurden von 
ihr verlangt, so über die Anlage der Maxvorstadt vor dem neuen Tor und die Umgestaltung des 
Viktualienmarktes, ferner Gutachten über zu errichtende Denkmäler, dann über die geplante wgründliche 
Verschönerung des Bamberger Domesu, welche sie durch ihren energischen Widerspruch glücklich 
verhinderte. Auch den Verkauf der gotischen Glasmalereien im Eichstätter Dome konnte sie zu 
Fall bringen, wahrscheinlich sehr zum Leidwesen des Kenners, der einen Gulden für den Zentner 
Glas geboten hatte. Einen immer wiederkehrenden und zu neuen Erhebungen nötigenden Be- 
ratungsgegenstand bildete die Einrichtung von Provinzialkunstschulen, die sich aber, wie bereits 
erwähnt, erst nach jahren verwirklichen sollte. 
Manches, was der Vergessenheit entrissen zu werden wert wäre, findet sich in den Protokollen
        

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