Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Königliche Akademie der Bildenden Künste zu München
Person:
Stieler, Eugen von Akademie der Bildenden Künste <München>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046956
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4283920
DIE AKADEMIE UNTER FRIEDRICH VON GÄRTNER 1841- 
4847 
103 
kräfte nicht nur nicht zur gleichmäßigen Mitwirkung gelangen, sie fühlen sich im Gegentheil sogar ge- 
gehemmt und verzehren sich am Ende aus Mißmuth über erfolgloses Abmühen oder aus dem peinigenden 
Gefühl des Mangels an entsprechender Thätigkeit. 
Es scheint sonach die höchste Zeit, einem Zustande ein Ende zu machen, bei welchem die Akademie 
ihre Bestimmung als höhere Kunstbildungsanstalt weder in dem, was die Technik, noch in dem, was den 
Geist und die Kunstrichtung betrifft, jemals vollkommen erreichen könnte. Zugleich scheint aber auch 
der Zeitpunkt gekommen, wo eine Abhülfe dieses Zustandes möglich ist, indem die nahe bevorstehende 
Erweiterung der Lokalitäten die Hindernisse entfernen wird, welche vorzüglich einer zweckmäßigeren Ge- 
staltung der Akademie entgegenstanden; auch ist die Sehnsucht und der Wille vorhanden, Einsicht, Kräfte 
und Zeit mit erneuter Thätigkeit der Akademie zu widmen, wenn eine neue zweckmäßigere Gestaltung 
derselben Mittel und Gelegenheit hierzu bietet. Wie dies möglich, und welche Einrichtungen erforderlich 
sind, um solchen Zweck zu erreichen, dies soll in dem nächstfolgendenden und letzten Abschnitt gegen- 
wärtiger allerunterthänigster Vorstellung dargelegt werden. 
3. Grundlagen für eine neue Gestaltung der Akademie. 
Im Vorhergehenden sind die Veranlassungen und Grundsätze dargethan worden, wonach eine 
Aenderung der bestehenden Einrichtung der Akademie ebensowohl durch die Rücksicht auf das Wesen 
und die Bestimmung dieser Anstalt, als durch die Rücksicht auf die Beschaffenheit der vorhandenen Lehr- 
kräfte wie auf den Standpunkt der Kunst, welchen dieselbe gegenwärtig einnimmt, sich fast unabweislich 
als dringendes Bedürfniß herausstellt. 
Die Bauschule, die Bildhauer- und Kupferstecherklasse der Akademie dürften ihren wesentlichsten 
Einrichtungen nach, wie sie sind, bestehen bleiben; und es ist daher nur noch die Frage zu erörtern: 
Wie kann, in Übereinstimmung mit dem Unterricht in den genannten drei Kunstfächern, jetzt auch dem 
Fache der Historienmalerei jene freiere, aus eigenthümlich verschiedenartigen Kräften und Kunstrichtungen 
hervorgehende Entwicklung im Bereich des akademischen Unterrichts gegeben werden, wie solche in den 
älteren Meisterschulen des Mittelalters bestanden? Eine Frage, von deren Lösung die mögliche Erfüllung 
dessen abhängt, was Euere Königliche Majestät Allerhöchst Selbst von jeher als letzte Aufgabe von der 
Wirksamkeit der Akademie gefordert und erwartet haben. 
Die Veränderungen in der Einrichtung der Akademie, wovon ein solches Ergebniß zu gewärtigen 
sein dürfte, würden vorzugsweise den g IV vSchule der Historien-Malerei in der Constitution der könig- 
lichen Akademie der bildenden Künste vom Jahre 1808 betreffen und unmaßgeblich sich zunächst haupt- 
sächlich auf folgende nähere Bestimmungen beschränken dürfen: 
Die Zöglinge der Historien-Malerei sind in zwei Klassen zu theilen, von welchen die 
erste den Zeichnungs-Unterricht nach der Antike, die zweite den Unterricht im 
Malen nach der Natur, in der Komposition und in der Ausführung eigener Kompo- 
sitionen umfassen würde.  
Was die erste Klasse, in welcher der Zeichnungs-Unterricht nach der Antike zu ertheilen 
wäre, betrifft, so würde sie unter der Leitung und Oberaufsicht sämmtlicher Professoren der Akademie 
stehen, in so fern dieselben zugleich ausübende Künstler sind. Sie würden diese Oberaufsicht abwechselnd 
führen, oder je nachdem ihre im Allerhöchsten Auftrage Euerer Königlichen Majestät auszuführenden 
öffentlichen Arbeiten es gestatten. Die eigentliche Correctur der Zeichnungen aller Schüler dieser Klasse 
dürfte alsdann ein besonders damit zu beauftragender Corrector nach der demselben speciell zu er- 
tlieilenden Anweisung besorgen. 
Dieser Corrector hätte nicht nur die Arbeiten sämmtlicher einzelner Schüler des Antiken-Saales 
täglich und stündlich fleißig nachzusehen, zu berichten und zu verbeßern, sondern es wäre ihm zu gleicher 
Zeit auch die Verpflichtung übertragen, durch seine beständige Gegenwart in der Klasse die nöthige Ord- 
nung und Ruhe zu erhalten; und er müßte deshalb ein Mann sein, auf den man sich in jeder Beziehung, 
was seinen sittlichen Wandel wie seine Geschicklichkeit betrifft, vollständig verlassen könnte. Die leiten- 
den Professoren, denen, wie sogleich näher erläutert werden soll, besondere Abteilungen der zweiten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.