Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg
Person:
Hausmann, Sebastian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046934
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4267239
II. Abschnitt 
 
 
an den sämmtlichen deutschen Universitäten 158 Elsass-Lothringer und 437 Badenser 
bei einer Bevölkerung von 1566 670 und 1570 254, so dass also von den beiden 
benachbarten Staaten hier 10,9 und dort 27,9 Studenten auf 100000 Einwohner 
trafen; noch Ende der 80er Jahre war das Verhältniss so, dass in ganz Deutsch- 
land (die Ausländer abgerechnet) durchschnittlich 56,2, in Elsass-Lothringen aber 
nur 27,7 Studenten auf Hunderttausend Einwohner trafen, während im laufenden 
Winter, in dem 778 Elsass-Lothringer an den sämmtlichen deutschen Universitäten 
immatrikulirt sind, in Elsass-Lothringen 47,4, im deutschen Reiche überhaupt 53, 
im benachbarten Baden allerdings 69,5 Studenten auf Hunderttausend Einwohner 
sich berechnen. 
Schon aus diesen Zahlen geht hervor, dass die Zahl der als Elsass-Lothringer in 
Deutschland immatrikulirten Studenten sich sehr bedeutend gesteigert hat. Naturgemäss 
hat Strassburg selbst von dieser Zunahme am meisten Nutzen gezogen: während die 
Zahl der in Strassburg immatrikulirten Elsass-Lothringer im ersten Semester nur 
71 (mehr als die Hälfte Theologen) betrug, waren es Anfang der 80er Jahre schon 
gegen 200, fünf Jahre später über 300, zu Anfang der 90er Jahre fast 400, im 
laufenden Winter sind es 569. Anders ist dagegen die Bewegung der Zahl der 
nicht elsass-lothringischen Studenten. Die Zahl der übrigen Deutschen, die 1875f76 
schon (auf 467 angewachsen war, hielt sich mit einzelnen Schwankungen in dieser 
Höhe bis zu Anfang der 90er Jahre, hat aber seitdem um etwa 100 abgenommen. 
Ebenso ist auch die Zahl der Reichsausländer, die von 27 im ersten Semester 
schon in der zweiten Hälfte der 70er Jahre auf über Hundert gestiegen war, 
im letzten Jahrzehnt etwas zurückgegangen (80 und 84 in den letzten beiden 
Semestern). Uebrigens ist die Zahl der Ausländer in Strassburg Verhältniss- 
massig immer noch sehr bedeutend; während Strassburg nach der allgemeinen 
Frequenz im laufenden Winter an 12. Stelle unter den deutschen Universitäten 
steht, wird es an Zahl der ausländischen Studenten nur von 5 erheblich, von 
Freiburg (mit 95) nur wenig übertroffen. 
Die T hatsache, dass der Zuzug der altdeutschen Studenten nach Strassburg 
im letzten Jahrzehnt nicht unbedeutend nachgelassen hat, beruht wohl zum grössten 
Theile auf den übertriebenen Vorstellungen, die man sich in Altdeutschland vielfach 
von der Rückwirkung des Uebergangszustandes, in dem wir uns befinden, auf die 
gesellschaftlichen Verhältnisse macht, dann aber namentlich auch auf den ebenso 
übertriebenen Gerüchten von dem theuren Leben in Strassburg. Wer aber die 
studentischen Verhältnisse wirklich kennt, weiss, dass sich in Strassburg für 
Studenten auch mit einem bescheidenen Wechsel verhältnissmässig recht gut leben 
lässtl); einmal vorhanden, lassen sich aber derartige Gerüchte nur sehr schwer 
wieder beseitigen. Dass, wie manchmal in Scherz und Ernst behauptet wird, der 
ehrenvolle Ruf unserer Hochschule, eine wahrhaftige Arbeitsuniversität zu sein, in 
I) Im Winter 1888189 sind auf Veranlassung der Universität durch die Polizeidirektion genaue Erhebungen 
über die Wohnungsverhältnisse und über die Preise in den Wirthschaften und Kosthäusern, beides nur 
soweit die Wohnungen und die Wirthschaften vurzugsweise auf die Studenten berechnet sind, angestellt 
worden, deren Ergebnisse die obige Angabe entschieden rechtfertigen.
        

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