Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg
Person:
Hausmann, Sebastian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046934
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4266839
14 I. Abschnili. 
183 eingeschrieben, während zum Beispiel aus Schwaben allein (einschliesslich dem 
heutigen bayerischen Schwaben) nicht weniger als 345 ziemlich gleichmässig über 
die ganze Zeit vertheilt sind. Die benachbarte Schweiz hat im Ganzen rund 450, 
das übrige Ausland 260 Mediziner geschickt (Russland, besonders die Ostsee- 
provinzen, 55, Frankreich nur 54, Oesterreich mit Ungarn und Siebenbürgen da- 
gegen 80). 
Bei den Philosophen endlich zeigt sich die gleiche Erscheinung wie bei den 
Theologen und zwar fast in noch stärkerem Maasse. In den ersten Jahrzehnten 
verschwinden die wenigen Strassburger und sonstigen Elsässer neben den zahl- 
reichen übrigen Deutschen und den Ausländern (Schweiz, Italien, Böhmen, 
Polen u. s. w.) fast ganz. Noch vor der Occupation hat sich dieses Verhältniss 
wesentlich geändert; so sind 1673 bereits 16 Elsässer (meist Strassburger) unter den 
35 Immatrikulationen. Und noch stärker verändert sich das anfängliche Verhältniss 
von etwa 1710 ab: im Jahre 1735 zum Beispiel sind nicht weniger als 31 Elsässer 
(20 aus Strassburg, 7 aus Buchsweiler und 4 aus Colmar) unter den 33 Ein- 
schreibungen. 
Diese wenigen Andeutungen mögen genügen, um den Gesammteindruck etwas 
zu illustriren: im 17. Jahrhundert ist die reichsstädtische Hochschule zu Strassburg 
eine Universität von internationalem Charakter, wie kaum eine andere im deutschen 
Reiche, im 18. Jahrhundert nimmt sie bei der theologischen und philosophischen, 
Anfangs auch bei der juristischen Fakultät mehr den Charakter einer auf das 
heimathliche Gebiet beschränkten elsässischen Landesanstalt an, immerhin aber hat 
das ausländische Element bis in den letzten Zeiten der Universität noch eine recht er- 
hebliche Bedeutung behalten. 
VIII. 
Mit dem Beginne der französischen Revolution verzichtet die Stadt Strassburg 
auf den Rest von Unabhängigkeit, der ihr nach der Uebergabe an Ludwig XIV. 
noch geblieben war, und wenige Jahre später endigt die alte deutsche Universität, 
die einst den Stolz der Reichsstadt gebildet hatte. Immer schwieriger waren die 
gesammten Verhältnisse für die Universität geworden. Die ehemals lutherische Stadt 
hatte sich [nunmehr zu einem paritätischen Gemeinwesen umgestaltet, neben der 
alten protestantischen stand eine in der Entwicklung begriffene bischöfliche Univer- 
sität mit einer theologischen, philosophischen und dem Anfange einer juristischen 
Fakultät, und die Gunst des Hofes war ausschliesslich auf Seiten dieser letzteren 
Anstalt. Es konnte sich höchstens noch um die Frage handeln, ob die alte Univer- 
sitat etwa dadurch ihre Existenz retten könne, dass sie unter Verzicht auf ihren 
deutschen und protestantischen Charakter sich zu einer ausgesprochen französischen 
Lehranstalt umbildete. Das aber wurde von ihr bis zum letzten Augenblick ver- 
neint: noch am 6. Februar 1791 sprach der bekannte Naturforscher Herman in einer 
Eingabe an Vic. d'Azyr energisch die Hoffnung aus, dass man Strassburg ganz
        

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