Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215738
III. 
Abschnitt. 
Ueber Hausgärten in Städten und Vorstädten. 
Wie es meist die sehr geringe Räumlichkeit städtischer Gärten mit Umwährungen in Laubengängc und deren Verbindung mit dem Nasch- 
sich bringt, kann es bei ihrer Anlage nicht auf Einrichtung pittoresker gärten, durch die Anwendung von Festons und anderen Gegenständen 
Naturscenerie abgesehen werden, sondern nur darauf ankommen durch dekorativen Charakters ist es sehr leicht möglich dergleichen Nutz- 
eine entsprechende Auswahl an sich schöner Natur- und Kunstgegen- anlagen als rein schöne Einrichtungen erscheinen zu lassen und ein um 
stände  besonders schöner Blumen, Sträucher und Bäume  und so anhaltenderes Interesse daran zu erwecken. Ebenso sind Fontaincn, 
deren Anordnung zu einem wohlgefälligen Ganzen den Aufenthalt im welche von dem Kraftüberschusse der Dampfmaschine einer Fabrik ge- 
Freien angenehm zu machen, den nöthigen Schutz zu erzeugen, Gelegen- trieben werden oder ein kleiner, eben dorther in Gestalt einer Quelle 
heit zu einiger Bewegung zu verschalfen und einige anmuthige Sitzplätze entspringender Riesel, welcher einen Theil der Grasplätze und Pflan- 
oder Standpunkte mit dem Blick in die Umgebung oder auf geeignete zungen durcheilt und befruchtet, eine höchst erfreuliche Erscheinung in 
Gegenstände des Gartens selber einzurichten, welches in regelmäfsiger solchen Gärten. 
oder unregelmäßiger Form geschehen kann, jenachdem der Gartenraum Wo der Gartenraum von hohen Gebäuden umschlossen und sehr 
mit seiner näheren Umgebung für die eine oder die andere dieser Formen eng ist, sodafs selbst wenige hohe Bäume zur Deckung der Wände 
oder für die Vereinigung beider am besten sich eignet, und wobei die nicht angepflanzt werden können, kann man die Wände mit Epheu und 
Grundsätze zu berücksichtigen sind, welche für die Anordnung unregel- Schling- und Kletterpflanzen verschiedener Art so dicht und zum Theil 
mäfsiger Scenerie von einem Hauptstandpunkte aus, für die Anordnung blumig beranken, dal's sie sich nicht mehr als lästige Begrenzungen 
regelmäfsiger Partieen um die Wohnung und für die Einrichtung des darstellen, zumal wenn man auf einigen Stellen die Kletterpflanzen 
Pleasuregrounds Vorangehend dargestellt worden sind. durch geschicktes Anbringen von knorrigen Aesten zu gröfseren Par- 
Kann man, wie es bei bemittelten Besitzern in Vorstädten häufig tieen nachlässig herabhängcn läfst. So beschaifene kleine Gärtchen 
vorkommt, über einen verhältnifsmäfsig grofsen Raum gebieten, so kann vertragen überdies viel Immergrün und können mit einigem Blumen- 
die Einrichtung derjenigen eines Pleasuregrounds ganz ähnlich sein; schmuck auf grünem Grunde aus Epheu oder Rasen bei sorgfältiger 
meist jedoch wird die Hausfrau noch den Wunsch haben, dal's für die Unterhaltung  wie die Viridarien der Römer  in grofsen Städten 
aufsergewöhnlichen Bedürfnisse der Küche ein Stückchen Land für zu höchst angenehmen Erholungsplätzen für die Familie werden, zumal 
Suppenkräuter bestimmt oder für die Kinder eine kleine Abtheilung mit wenn man sie aus einer angrenzenden offenen Halle oder einem Garten- 
Erdbeeren, Fruchtsträuchern und einigen Obstbäumen besetzt, oder ein Salon überschauen und auch des Abends und bei schlechtem Wetter 
sogenannter kleiner Naschgarten eingerichtet werde; nicht selten ist geniefsen kann. 
auch ein Plätzchen zum Turnen für die Kinder erwünscht und ohne Für die Gruppirung der Gehölze in gröfseren Vorstadtgärten gelten 
Beeinträchtigung des Ganzen recht gut anzubringen. Immerhin aber die bei Abhandlung des Pleasuregrounds im Allgemeinen bezeichneten 
müssen diese Gegenstände von dem Wohnhauseaus möglichst dem Auge und in dem Abschnitte über die Gehölzgruppirung weiter ausgeführten 
entzogen und daher meist zur Seite desselben, in einer Ecke oder zu Grundsätze; bei kleineren Gärten wird man zwar aus nahe liegenden 
Ende des Gartens angebracht werden. Die der Mittagssonne zugäng- Gründen von einer solchen nach klimatischen und landschaftlichen Vege- 
lichen Grenzmauern oder Zäune können meist zu gern besuchten Lauben- tationscharakteren auszuführenden Gruppirung' absehen müssen, aber nie- 
gängen eingerichtet und mit edlem Wein berankt werden; anderen mals umhin können, die daraus abgeleiteten Grundsätze für die Zusam- 
Falles kann man sie mit Spalierobstbäumen, besonders mit Pürsich menstellung der Gehölze nach Blattform und Blattgröfse, wie in dem vorhin 
und Aprikosen besetzen und diese Nutzanlage von den eigentlichen genannten Abschnitte näher erläutert werden wird, zu befolgen. 
Spaziergängen aus durch niedrige Strauchptlanzungen dem Auge ent- Die auf Taf. XVIII und XIX dargestellten fünf Hausgärten mögen 
ziehen ohne der Obstwand zu schaden. Durch Verwandlung solcher als Beispiele der Anordnung von derartigen Gärten dienen.  

        

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