Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215695
Von der allgemeinen Anordnung der wesentlichsten Bestancltlzeile eines versckönerten Lanelsitzes. 
ein Objekt von ästhetischer Wirkung zu verwandeln und in den Zusam- partieen, theils an Triften und Feldern, welche man damit einfasst. oder 
menhang des Ganzen mit hinein zu ziehen, so verdienen auch der Küchen- in besonderen Obstgärten gezogen. 
garten und der Obstgarten rüeksichtlich ihrer Anordnung und Lage unsere Die Blüthenpracht und der verlockende Anblick der Früchte, beson- 
ganze Aufmerksamkeit. ders wenn unter deren Last die Zweige sich beugen, machen den Obst- 
Es ist bereits hervorgehoben worden," dal's der Küchengarten wo garten zu einer der angenehmsten nnd mit Vorliebe besuchten Abtheilung 
möglich im Anschlufs an die Ställe und in Verbindung mit dem Obst- eines Landsitzes, sodafs allein schon dieser Umstand es wünschcnswerth 
garten nach der Hinterfronte, oder doch niemals nach der Hauptfrontc erscheinen läfst, ihn nicht allzuweit von der Wohnung anzulegen und ihn 
des Wohnhauses zu verlegen und durch Pflanzungen zu verbergen sei. wo möglich mit dem Küchengarten zu verbinden, Wodurch auch die Be- 
Er mnfs ferner eine warme. der ganzen Einwirkung der Morgen-, Mit- wachung Wesentlich erleichtert wird. Es ist nicht immer nöthig, dal's die 
tags- und Abendsonne ausgesetzte Lage haben und gegen die rauhen und Bäume in geraden Linien und gleichmäfsigen Entfernungen von einander 
heftigen West-, Nord- und Nordostwinde von Natur geschützt sein; auch angepflanzt werden; in vielen Fällen vielmehr, wo der Obstgarten, nach- 
wird eine geringe südöstliche Neigung des 'l'errains sich stets als vortheil- dem der Bau der Unterfrüchte eingestellt und der Boden mit Rasen oder 
haft erweisen. Klee begrünt worden ist, den übrigen Anlagen in gefälliger Weise sich 
Tiefbelegene 'l'häler, wo Reif und Nebel oft Schaden bringen, wie anschliefscn soll, ist eine unrcgelmäfsige Stellung der Bäumc durchaus 
von hohen Bäumen eng eingeschlossene und kaltgrünrligie Lzigen, sind zu vorzuziehen. Die Lage mufs eine geschützte sein, wefshalb tiefe feuchte 
vermeiden. Der Boden muss ein warmer, durchlässiger, mürbcr, dunkler Thäler und den kalten Nord- und heftigen Westwinden zugängliche Lagen 
und nahrhafter Lehmboden sein; da indefs einige Gemüse und Küchen- zu vermeiden sind. Der Fufs von Hügeln oder Bcrglehnen, welche sich 
kräutcr einen leichteren Boden lieben, so kann es nur erwünscht sein, gegen Ost- und Süd neigen sowie Ebenen, wo den Stürmen und kalten 
wenn ein (entsprechender Theil desselben aus lehmhaltigem Sande besteht. Luftströmungen gegen West und Nord der Zilgang durch Wälder ver- 
Bietet sich zur Benutzung tiiefsentlcs Wasser nicht dar, so mnfs für wehrt ist, sind die günstigsten Lagen. Wo der nothwendige Schutz nicht 
stehendes. der Sonne ausgcsctztes Wasser durch Ausgrabung gesorgt werden. in grehörigem Maafse vorhanden ist, da müssen hohe Schutzpfianzungen, 
Die Gröfse des Küchengartens ist nach dem Via-brauchsquantum des Ge- vorzüglich aus Nadelholz bestehend, angelegt werden. 
müses und der Ergiebigkeit des Bodens zu ermitteln und fällt daher selbst Auf zu fettem Boden tragen die Bäume nicht frühzeitig und reich- 
bei gleich starkem Consum in verschiedenen Fällen oft verschieden aus. lißll genug; auf Zll lnagerem verkümmern sie; auch ptiegen die Früchte 
Ein Hektar (3,92 hier-grau) ist für einen kleinen Hausstand meist genügend. von Bäulncn auf sehr fettem Boden meist nicht so schmackhaft zu sein, 
Die Umwährung desselben besteht auf der Nord- und Nordwestseite wie von einem Boden mittlerer Qualität, weshalb der letztere, besonders 
am besten aus hohen Mauern, welche guten Schlitz und zugleich Wand- wenn er ein nachhaltiger, hinlänglich mit Thon gemengter Sandboden ist, 
tläche für Spalierobst geben; auf den übrigen Seiten hingegen müssen die eine Tiefe von vier Fufs hat und weder zu trocken noch zu feucht liegt, 
Mauern niedrig sein, um die wärmeren Luftströmungen und die So11nen- für die Obstkultur der geeignetste ist i). 
strahlen unbehindert zuzulassen. Ein so geschützter Küchengarten wird 
überdies in den Wintermonaten gern als Spaziergang aufgesucht, zumal d_ Vom Park Vvildgehäga piasanel.ie_ 
wenn auf den Rabatten längs der Mauern Zwiebclgcwächse, Veilchen, 
Ilepatica, Scilla und andere Frühlingsblumen, Mandclsträucher u. s. w. Der Park sollte, wenn irgend möglich, die vorgenannten Abthei- 
mit den an den Spalicren gezogenen Ptirsich- und Aprikosenbäumchcn ihre lungen und das Wohnhaus von allen Seiten umgeben und nicht, wie es 
Kelche erschliefsen, wenn aufserhalb noch Alles mehr oder weniger den noch häufig der Fall ist ohne von der Nothwendigkeit geboten zu sein, 
Winterschlaf hält. Die beste Form für den Abschlufs durch Mauern ist nur vor der Ilailptfront des Wohnhauses sich ausbreiten, während auf 
ein rechtwinkliges Viereck mit einer halbzirkelförmigen Ausbiegung auf der Rückseite der Viehhof und die Düngergruben bis hart an die Haus- 
der Nordseite, in welcher die Sonnenstrahlen bei verschiedenem Stande thür reichen. Wenn der Besitzer aus wirthschaftlichen Gründen nöthig 
der Sonne gut aufgefangen werden und die Kultur verschiedenen Spalier- hat den Oekonomiehof aus seinen Fenstern zu überwachen oder er ein 
obstes begünstigt wird. so leidenschaftlicher Landwirth ist, dal's er das Treiben auf dem Wirth- 
In Gegenden, wo die Aufführung von Mauern zu kostspielig ist, schaftshofe beständig vor Augen haben will, so sind dieses Umstände, 
wählt man zur Umfriedigung auch wohl Bretterzäune oder Rothtannen- welche alle Berücksichtigung verdienen; sie schliessen jedoch nicht aus, 
und Wcifsbuchenhecken anstatt der in England zum Theil gebräuch- dal's durch Einrichtung einiger ansehnlicher grüner Plätze und Pflan- 
liclicn Stechpalmen- und Taxushecken. Die nöthigen Sehntzptlanzungen zungen zwischen dem Wohnhause und Ockonomiehofe diesem Theile ein 
stellt man am besten aus Nadelhölzcrn 11er und vermeidet von den Laub- gefälliges Ansehen gegeben, alles Unansehnliehe verdeckt und die gröfste 
hölzern diejenigen Arten, Welche oft von Raupen befallen werden oder Sorgfalt und Ordnung an den Tag gelegt werde. Angenehmer wohnt 
ihre Kronen und Wurzeln weit ausbreiten, wie z. B. die Pappeln, Evo- es sich indefs, wenn das Wohnhaus mit seinen Nebengebäuden von 
nymus, Schleedorn, Ulme, Akacic und Ahorn. Die Eintheilung des Rau- einem hinlänglich breiten Gürtel des Parks oder parkartiger Anlagen von 
mes mnfs durchaus geradlinig und regclmäfsig sein. dem Wirthschaftshofe, dem Dorfe oder der Landstrafse geschieden ist 
In dem Falle, wo der Küchcngartcn mit einer wohlunterhaltenen und nur nach den interessanteren Theilen derselben Durchblicke geöffnet 
 Ubstpartie im natürlichen Style umgeben werden kann, wo die Gebüsche sind. Eine übertriebene Anforderung wäre es jedoch zu verlangen, dafs 
aus den verschiedensten Fruchtbäumen und Fruchtsträuchern, wie Aepfel, das Wohnhaus in der Mitte des Parkes liege, welches in England von 
Birnen, Kirschen, Püaumen, Wallnüssen, echten Kastanien, Quitten, Mis- Einigen als eine Bedingung angesehen wurde, die, wie uns Repton er- 
peln, Haselnüssen, Hambutten, Johannisbeeren und Stachelbeeren bestehen, zählt, zum Niederreifsen ganzer Dörfer und zu deren Wiederaufbau in 
ist es weder nöthig dem Küchengartcn in seiner Umlinie eine streng regel- gewisser Entfernung vom Park  zu Extravaganzen, die nur in England 
mäifsige Form zu geben, noch ihn durch Mauern oder Hecken besonders möglich sind  führte. 
zu unischliefsen; es ist vielmehr angemessener einen Stacket- oder älm- Die Ausdehnung des Parkes sollte zum Wohnhause und der ganzen 
liehen Zaun nur gegen die äufscre Grenze der Obstpartie aufzustellen und Besitzung im Verhältnifse stehen; zu grofsc Ausdehnung ohne reiche Ab- 
ilm durch Gebüsch dem Auge gänzlich zu entziehen. Man mag ferner wechsclung ermüdet, und sichtliche Einschränkung ist an sich mangelhaft 
einen angemessen breiten Streifen des Küchengartens längs der Obstpartie und dem Begriffe eines unabhängigen Lebens zuwider. Er sollte wo mög- 
"mit Mays, Rhabarber, Meerkohl, Solanum Licopersicum, Ooriander, Fen- lieh ein von Thälern, Flüssen und Lichtungen durchzogener Wald sein 
ehel, Anies, Dill, Nigella und anderen südlichen Kulturpfianzen bestellen, oder einen Theil eines solchen in sich Schliefßßll; dßnll ein Park ohne 
und sodann den übrigen Raum (als Küchengarten) durch freistehende  
Wcingeländer und Laubengänge aus rohen Stangen in mehrere regel- t) Denjenigen, welche sich über Obstkultur näher unterrichten wollen, ist die 
inäfsige Ahtheilllllgell zerlegen und die übrigen Gängc mit fächer- und von Dr. A. Dietrich deutsch bearbeitete Schrift nTheoretisch-praktisehe Anleitung zur 
pyramidenförinig gezogenen Zwergobstbäumen einfassen, so wird der Küchen-  iieizhiitgixiibt dgeiigliäiishniiiieiilä. Uilibhlliiirmlolistndlliiscklilf. Iiidliltralshiglidoriehiili 
garten z" einem der angenehmsten Spazlergänge werden vom Baumschnitt. Ravensburgß und aus Albert (lourtin "Neueste Methode des Srhriittes 
Das weniger 23110 0116? WiHhSOlIäLfFSODSt wird thttili ill SOlOhGII ÜbSt-i und der Zucht der Obstbäume. Stuttgartc zu schöpfen.
        

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