Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215562
Allgemeine Grundsätze für die Anordnung unregelmäßiger Partieen von einem Hauptslanchwunlvte aus 
grau. Die Wiesen werden durch Caltha palustris und Ranuncultls-Arten sich abmal-en zu lassen, wie auch andererseits das Gebäude von einem 
nur in der Nähe gelb, in der Ferne hingegen lichtgrün, und durch grünen Hintergründe sich vortheilhaft abhebt. 
Lychnis tlos Cneuli nur in der Nähe hellrosa, in der Ferne aber Eine malerische Anordnung bedingt ferner 
braun gefärbt, welches bei den Aeckern häufig durch Rumex Aceto- 4) die Anwendung des Contrastes. 
sella geschieht. Das Wasser und der ihm seine Farbe mittheilende Nachdem in dem Vorangegangcnen bereits ausgeführt werden, dafs 
Ilorizont sind blau. Aufser dem Grün kommen daher in der Land- alle Objekte einer Scene in Ausdruck und Charakter zusammen stimmen 
schalt noch das zu allen Farben Sympathie zeigendc Grau, das einen und keinen Widerspruch enthalten sollen, können wir Üontrast nur in 
Zug ins Orange nehmende Braun und das Blau in verschiedenen Ab- dem Gegensatz sowohl der Farben wie der Formen suchen, und es würde 
stnfungen im Grofsen und Ganzen zur Wirkung. Von diesen sind Grau in ein und derselben Scene z. B. ein Palast und eine Fischerhütte ein 
und Braun harmonische Farbentöne zu dem Grün der Landschaft, das im Widerspruch, nicht aber ein malerischer Gegensatz sein. Einen Contrast 
Grofsen mehr oder weniger getrübt und mit Grau gemischt erscheint, auch bildet dagegen z. B. ein horizontalcs in einen wellenförmigen oder 
einen Zug in Blau nimmt. Nur Blau ist keine harmonische" Farbe zu gebirgigen Boden tief eingesehnittenes Thal mit dem angrenzenden Terrain, 
Grün; es bildet aber der blaue Horizont wegen seiner aufserordentlichen wenn die Abhänge hoch oder ganz schroff sind und nicht in die Thalsohle 
Durchsichtigkeit den anderen getriibten undurchsichtigen Farben gegenüber, einschwingen; es ist hier der Contrast des Horizontalen der Thalsohle mit 
und wegen seiner geringen Errcgungsfähigkeit die vortheilhafteste Umhül- dem Vertikalen der Abhänge, welcher zur Wirkung kommt; einen Con- 
lung der grünen Erddeekc. trast bilden ferner zwei Scenen, von denen die eine durch Rauhigkeit und 
Hiernach kann dem] auch kein Zweifel bestehßny welches die pas_ schroffe Linien im Boden und durch Wildheit überhaupt sich charakteri- 
sendste Farbe für Gebäude in der Landschaft oder Gartenscene sei. Es sirt" iiic iiiitiertt aber giittt und Sorgfältig gehalten ist; einen Contrast bil- 
ist nemlich nicht ein Blau, denn dieses würde, sobald es ein dunkles ist, titiii tttriier Zwei iii dem Gtiitiitide iiervortreteiitie Atiiitiiieir Wriiiii die eine 
Selbst nicht entschieden zur Wirkung gelangen und von dem Grün (h? durch sehr sanfte Abhänge, die andere durch Schroffheit und Zerklüftung 
hhbeh hls Schmutzige gezogen Werlhlh, und Sobald es so licht wie der sich auszeichnet, die eine blos von Wald, die andere von einer Ritterburg 
lllmhlel oder der Whssersplhgel wäre, Clnel. leeren Stelle ähnlich Wirken; gekrönt, und sonst fast kahl ist. Contrast in den Baumformen herrscht 
es ist nicht das Gelb, weil dieses von dem Grün ins Schmutzige gezogen Zwischen tieii ltyiitiiiiiiiairiiiiiiiigeii Bitumen und [teilen mit runder Krtiiim 
oder nur als lichtgrünei- 'l'ou erscheint; es sind nicht Violet oder Orange, Zwischen ritiiiii" iiiiii Nitiitiiiiriib Der Otiiitrast des Vtirtititiißii iiiiii Hort". 
welche zwar dem Grün gegenüber ihre Reinheit bewahren, aber sich zu Ztiiitttieii besteht 2' 3' itiiiiii zwischen der Trttiierweide und dem ii0riz0ii_ 
diesem kalt verhalten und keine Ilarmonie mit ihm eingehen; sondern es tttiitii tvttiistirsliitigri" Einen Fttriittiititiiitrttst biidet die Biutbutihe mit der 
ist von dem Grau oder Braun ein sanfter, freundlicher und meist lichter Siiiitirpttppci iiiiti tiiir Siiiitirwiiidiii jedoch iiitiiit indem Sie zwischen oder 
Ton wenn der küuslllche Geghnsland h] Seiner Form dem Charakter hart neben einander in ein und derselben Gruppe stehen, sondern wenn 
hllloreskel. sammle entspricht? wie L B! Kühlen, golhlsche Gebäude sie in Form des Gegensatzes zu Gruppen getrennt sind, oder auch einzeln cin- 
h_ llerglw so lsl Ch] uhhcsllnhhlcs lhhhh an der Slellhl Zeichnet m. sich ander gegenüberstehen, oder bei ein und derselben Gruppe doch mindestens 
durch Strenge Regelmlll-slghhll aus, wie z_ B (lahlhllle griechischen St? zwei verschiedene einander gegenüberstehende Vorsprünge bilden; denn 
los? so ist 0h, Grau mit einem Zuge lhs Gelb Ollel. Omngegclh melsl die wenn solche Töne in einer Gruppe aneinander stehen, bilden sie nur un- 
schicklichste Farbe. Für Gartenmeubel u. dergl. aus unbehauencm iiiigtiiitiiiiiie rtitrttiir iiiti aber tiiiieii Oiiiitrtist" Die Coiitrttstr iitiiiiieii iieiiii 
Wurzelwerk eignet sich ein lichtes Braun; für solche mehr zierlichen iiii Aiigeiiieiiieti beiititiiriii iii der Eiitgtigtiiisteiitiiig tiiiri dem Gegensatz 
Charakters ein lichtes Meergrün oder Goldgelb. Ein rein rother Anstrich  nicht aber i" der Vßlwiilligung oder Vermischung  des Rachen und 
der Gebäude wirkt zu feurig, ebenso wie ein rein wcifser Anstrich zwar Gititteir des rrittriiieii iiiiii striiiiir des Coiiviiiieri tiiiti Otiiitttiveir des Litt" 
nett und munter aussieht,abei' zu grell vom Grün absticht, und überdies teii iiitii Diiiikiiiii ii' S" w" iiitiiit aber iii dem des Grorseii und Kieiiieir 
die Luftperspektive verdirbt, indem es die Gegenstände näher bringt, als Wie sie auf der rechten und unerwarteten Stelle und sparsam angebracht 
sie wirklich sind. Nicht unpassend bezeichnet Price den Eindruck zahl- mächtig Wiriirii" Scharten sie dem Ziistiiiiiiieiiiitiiige iiiiii dem Gtiiizitii wenn 
reicher weifser Häuser in einer Landschaft mit dem Eindruck von sie Ort Vorkoiiiiiitiir Es iiitrr tiitiier rtis Reger tiiigritiiiiiiiiirii Wertieit, 
weifser Wäsche, welche Wirkung auch ein Wasserfall oder kleiner Teich iittrr im Ganzen Stiwiiiii Liiiitiii wie Fitrbeiitttiie iri iiiiittiitiiir übergehen 
hervorbringen kann, wenn er sich nicht in Partieen zerlegt und reichlich iiiiii verschmitzt" iiiiti iiiir Seiteir iitiiiii aber tiiitiii kriirtiä etiiitrttiitiritii 
bepflanzt ist. miisseii- 
Nicht immer treten Gebäude blos mit Grün sondern ihr Dach auch Die Freude, rvelche uns Ooutmste gewähren? ertspringt nicht altrm 
mit dem Blau des Ilorizontcs in Berührung. Wienn hier nicht die Faqade  au? reit durch sie rrzeugten grot-Serensund enrschloflener Mannigfaltig- 
im Ganzen, wie es meist bei gothischen Grbbäuden der Fall ist einen cnt- kelt im Ganteni stindem auch aus dm. Ldikegntntrs die Sie Hits gewäh- 
schieden braunen Ton hat.  den dann auch mehr oder weniger moditi- ran; de-nn mehts lrfSti-belner-ltt Frauenstadt ii- uns einen S0 tiefen Bhtik 
cirt das Dach haben kann,  sondern einen sandstcinfarbigen grauen An- m das In-nere Wesen eines Dinges thmti als am Beleuchtung durch Sein 
strich besitzt, so pafst für das Dach ein helles oder dunklesbStahlgrau Gegenwert. 
    Wenn nun allen den Vorangehend erörterten Bedingungen in einer 
also ein Zink- oder Selneferdach am besten.      
Scene Rechnung getragen worden ist, so wird lIl vielen Fallen noch ver- 
So besteht denn die Harmonie der Farben und Farben- mifst werden 
töne in der wirklichen Sceue darin, dafs durch die Art 5) Belebung oder Bevölkerung, welche jedoch in wirklichen 
der Anordnung die hellen Töne durch die dunklen, und Scenen nicht immer ein so nothwendiges Bedürfnifs ist als in Gemälden, 
diese umgekehrt durch jene gehoben werden, ohne grell wo wir sie als den höchsten Zweck der Natur stets verlangen, während 
von einander abzustechen; dal's die Farben und Töne sogar sie beim wirklichen Genufs einer Scene für das Auge oft ganz entbehr- 
unter schicklichen Umständen eontrastiren, und dafs sie lieh ist. In dem Duft der Blüthen, dem Rauschen der Blätter, dem 
auf beiden Seiten des Gemäldes in ihrer Gesammtwirkung Zirpen des Heimchens, dem Gesang des Vogels oüenbalt sich uns das 
an Tiefe und Energie einander entsprechen, ohne dafs Leben der Natur oft wohlgefälliger, als in irgend einer nur für das Auge 
darum die Vertheilung und der Umfang der einzelnen Töne berechneten malerischen Staßage. Die Belebung giebt der Seene indefs 
zu beiden Seiten des Gesichtsfeldes im Entferntesten ein erhöhtes Interesse; sie mufs aber stets dem Geiste derselben ent- 
gleiehmäfsig sei. Endlich verdient hier noch erwähnt zu werden, sprechen. Ein See in einer aufgeschmückten Scene dürfte z. B. nicht 
dal's zwei harmonische Farben, je inniger sie mit einander in Berührung mit Fischerkähnen und Netzen, sondern mit Lustfahrzeugen; nicht mit 
kommen, sich desto kräftiger in ihrer Wirkung heben. Es sollten daher Gänsen und Enten, sondern mit einigen die Fluth stolz durchfurchendell 
einzelne Theile von Gebäuden durch Laubwcrk verborgen werden, nicht Schwänen u. s. w. belebt sein. Endlich soll jede malerische Zusammen- 
nur um die malerische Eigenschaft der Verwickelung zu erzeugen, sondern stellung sich noch auszeichnen durch 
auch in der Absicht, elegante Umrisse des Lanbwerks auf so vortheilhaf-   
tem Ilintergrunde, wie ihn die farbige Fläche eines Gebäudes dar-bietet, s) yAßgthgtisßhß Fragßnn w)" 1)r_ J, Fraugngtädl, Dgssan 1355-;
        

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