Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215534
Allgemeinze Grundsätze für die Anordnung. 
Blick erkennen, 0b eine Gruppe für einen gewissen Raum oder im Ver- 
hältnifs zu anderen Gruppen zu grofs oder zu winzig sei; es wird sich 
bei einer düsteren oder ernsten Scene gern gefallen lassen, wenn sehr 
hohe Bäume einen kleinen Teich überschatten, ihn in seiner scheinbaren 
Grösse sehr verkleinern und fast zu einem Dümpel machen, während es 
bei einer Seenc, wo Munterkeit der herrschende Charakter ist, solches 
Verhältnifs auf der Stelle als fehlerhaft auffassen wird, weil es in diesem 
Falle darauf ankommt den Teich durch verhaltnifsmäfsig kleinere Pflan- 
zungen gröfser, wo möglich im Charakter eines Sees, und mit silberhellem 
Spiegel erscheinen zu lassen. Es wird es ferner mifsfallig bemerken, 
wenn sehr grofsblättrige Pflanzen, wie Rheum. Galadium, Canna u. s. w. 
mit kleinen zierlichen Gcwächsen in der Absicht einer Gesammtwirkung 
in ein und dieselbe Gruppe gestellt werden; dagegen werden jene grofs- 
blättrigcn Pflanzen als Ausschmückung des Vordergrundes einer gröfseren 
Scene, Wo kleine zierliche Gewächse ganz übersehen werden und un- 
passend sein würden, als auf dem rechten Platz und im Verhältnifs zu 
allem Uebrigen stehend erkannt werden. Sie machen sich hier als Un- 
terbrechung des Grund und Bodens, wie auch den hohen Banmmassen 
gegenüber, durchaus geltend, weil die Gröfse des Blattes zum Thcil das 
ersetzt, was ihnen an Höhe abgeht, und treiben, was hier besonders ge-  
wünscht wird, die Ferne durch Gröfse des Blattes ähnlich zurück, wie  
es Bäume durch besondere Ilöhe thun. Bei dieser Gelegenheit sei denn  
noch bemerkt, dal's sie zu eben diesem Zwecke nur im Vordergrundc 
und zugleich in verschobener Stellung zu beiden Seiten der Gesichtslinic 
auftreten müssen. Aufserdem aber benutzt man einen Thcil dergleichen 
grofsblattriger Pflanzen, wie Rheum, Heracleum und andere, welche nicht  
geradezu Sumpfptlanzen sind, zur Besetzung solcher kleinen Boden- 
anschwellungen, welche man nicht gern kahl lassen mag, und doch mit 
Sträuchern nicht gut zu besetzen sind. 
Wenngleich sich nun, wie eben bemerkt werden, ein durchgreifendes 
 Von dergleichen Pflanzen, welche sich durch grofse Blätter oder üppigen 
Wuchs auszeichnen und eine Zierde der Pleasuregronnds und Gärten sind, verdienen er- 
wähnt zn werden: a. von einjährigen, Standen- und Knollengewänhsen: Arnndo Donax, 
Canna discolur, G. glauca, O. indina, G. macrophylla, Crambe Tataria, Helianthns sa- 
licifolius, Hemerocallis cliv., Herarleum div., Rheum div., Silphinm, 'l'ussilag0 div.; 
b. von solchen, die in Kalt- oder Warmhäusern überwintert werden müssen: Senecio 
Ghisbreghtii, S. platanifolia, Oosmophyllnm eaoalifnlium, Oolocasiu antiqnorunl, Begonia 
plantanifolia, Schistocarpha bicolor, Polymnia grandis, Uhdea pinnatilida, Papyrus anti- 
qunrum, Monstera Lennäi, Gnnnera scabra, Gynerium argenteulm, Solannm betaceum, S. 
discolor, S. qnitense, S. atropnrpilreum, Sparmannia africarla, Phorniinm tenax, Musa 
div.  Calla aetlniopica etc. 
Gesetz für die Gröfsenverhältnisse der Thcile einer Scene nicht aufstellen 
lässt, so kann doch im Allgemeinen für das Verhältnifs des unbemalten 
Thciles des Gesichtsfeldes (des Ilorizontes) zu dem bemalten Theile des- 
selben das Verhültnifs von 5  8 als ein durchgängig befriedigendes an- 
genommen werden; bleibt auffallend mehr vom Horizont frei, so macht 
sich eine gewisse Leere fühlbar, welches bei hochgelegenen Standpunkten 
leicht vorkommt, und dem durch das Anpflanzen hoch in die Luft ragen- 
der Baume mit breiten Kronen abzuhelfen ist. 
Befinden sich die Theile bis zu den einzelnen Objekten herab in 
einem richtigen Gröfsenverhältnisse und in übereinstimmender Gliederung, 
so ist, um ein Ganzes zu bilden, ferner nothwendig, dal's sie in Ver- 
bindung oder in augenscheinlichem Zusammenhange stehen. 
Man vermeide daher die jedem Zusammenhange widerstrebende Ver- 
einzelung der Objekte und disponirc sie mit Rücksicht auf den Stand- 
punkt für die Scene so, dal's sie, ganz gleich welche leere Strecken in 
Wirklichkeit dazwischen liegen mögen, in ihren Contouren vielfach in 
einander greifen, sich neben- oder hintereinander mannigfach verschieben, 
sich theilweise hintereinander verbergen und zu wohlverbundenen Gruppen 
sich ergänzen. Oft bedarf es der geschickten Disposition nur eines ein- 
zelnen Baumes oder Busches im Vordergrunde, dem Standpunkte mehr 
oder weniger nahe, um eine Menge von Einzelheiten in weiterer Ferne 
scheinbar zu verbinden oder einen scheinbaren Zusammenhang zwischen 
ihnen herzustellen, ohne viel Von den einzelnen Objekten zu verbergen. 
Wie einerseits die Forderung zu stellen ist, dal's ein scheinbarer oder 
wirklicher Zusammenhang unter den Theilen stattlinde, und scharfe Ab- 
grenzung in der Regel vermieden werde, so ist auch andererseits darauf 
zu achten, dal's die Theile als solche genügend in dem Ganzen sich 
lösen; werde solches am schicklichsten durch bedeutende Erhebungen oder 
Senkungen des Umrisses derselben gegen den IIorizont, oder zuweilen 
auch durch plötzliches Absetzen der Linien, durch die Beleuchtung, oder 
endlich durch die Vcrtheilung der Farbentöne bewirkt. 
Die stärkere oder schwächere Beleuchtung eines Gegenstandes in der 
Absicht ihn mehr hervortreten zu lassen, oder ihn auch zurück zu 
dampfen, liegt zwar nur zum geringen Theil in der Hand des Garten- 
künstlers; jedoch kann er in diesem Punkte manches thun, z. B. wenn 
er nach Gegenständen, welche hervorgehoben werden oder in starkem 
Lichte erscheinen sollen, Liehtbahnen, in Wasser oder Rasenbahnen 
bestehend, hinführt, oder den Gegenständen einen recht dunklen Hinter- 
grund giebt. 
Aufserdem dal's Licht und Schatten ein Mittel sind das Auge nach
        

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