Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215311
Der englische Gartenstyl. 
meiniglich vollkommener wie auch glücklicher und stärker sind als die plätze verschiedener Art, welche überall in verschiedenen Theilcn ausge- 
vortrefflichsten Nachahmungen, erfordern geringer Nachhilfen, und selten dehnter Anlagen ausgestreuet werden müssen, wo Sorgfalt und aufscr- 
eine solche welche kostbar wären ordentliche Verzierung im Charakter sind, und wo sie schicklich durch 
nJeder Künstler daher, welcher das Glück hat von Männern grofser festere Befriedigungen geschützt werden mögen, um sie vor dem Zudringen 
Besitzungen und liberaler Gesinnung consultirt zu werden, möge seiner des Publikums zu verwahren. Diese auserwählten Stücke von Kultur sind 
Einbildungskraft freien Spielraum lassen und kühn anpassen, was immer für den Eigenthümer und seine auserlescnen Freunde bestimmt, reservirt 
er Grofses, Aufserordentliches oder Ueberraschendes gesehen, gehört oder für gesellschaftliche Vergnügungen und Genüsse, welche nur in der Ab- 
seine eigene Einbildungskraft ihm eingegeben haben möge, anstatt seine geschlosscnheit empfunden werden können; sie können als geräumige Ge- 
Prospekte auf wenige Acker zu beschränken; er möge eine ganze Provinz mächcr betrachtet werden, als den milderen Jahreszeiten angepafste 
in einen Garten verwandeln, wo der Beobachter  anstatt wie gewöhnlich Wohnungen, in welchen Kunst und Natur sich vereinigen eine Mannig- 
um einige Kleinigkeiten zu sehen auf den Beinen sich abquälen und mehr faltigkeit dessen was schön, elegant, aufserordentlich oder unterhaltend 
Umdrehungen machen mufs als ein Pferd in einer Meile  wandern möge ist zu verschaffen, während die gröfseren Anlagen mehr für die öffent- 
über eine ganze Landschaft nach seiner Bequemlichkeit, in Schiffen oder liehen Vergnügungen des Besitzers eingerichtet sind, ersonnen in einem 
Lustbooten, in Wagen oder zu Pferde, indem er das Auge mit Sceneu kühneren System, für eine entferntere und llüchtigere Beschauung; sie sind 
der kühnsten Verhältnisse ergötzt, und die überreich verschiedenen, durch ein edles Kennzeichen seiner einflufsreichen Stellung, ein wohlwollender, 
die Kunst verbesserten und edel bereicherten Erzeugnisse der Natur bc- sowohl guter wie sinnreicher Tribut an die ijüentliche Gesellschaft, wel- 
trachtet. Und gestattet mir es auszusprechen, dafs Gärten dieser Art eher, weil er die Convenienzen zu vervielfachen dient, oder die unschul- 
nicht nur grofsartiger, sondern auch viel schöner und vollkommener in digen Vergnügungen des Publikums befördert, dem Wohlthäter Popularität 
jeder Hinsicht sein würden, als irgend welche der besten eurer künst- sichert, und in den deutlichsten Farben seine Macht, seinen Wohlstand 
liehen Schöpfungen. In dem grofsen Styl der Gartenkuust ist Nettigkeit und seine Fireigebigkeit kennzeichnetß 
nicht nur überflüssig, sondern auch für die Hauptabsicht störend: die Aus diesen hier angedeuteten Grundsätzen der Masonschcn, Wha- 
öffentlichen Strafsen, Reitwege und Fufswege einer Landschaft, obgleich telyschen und Chambersschen Schrift, welche nunmehr bei Anlegung der 
wild, sind stets den steifen, förmlichen gemachten Wegen eines Gartens Gärten allgemein befolgt wurden, dürfte wohl zu entnehmen sein, dal's 
vorzuziehen; sie sind an sich vornehmer und natürlicher, und können die Gartenkunst nunmehr einen festeren Grund und Boden und einen 
mit geringer Nachhilfe und wenigen sie begleitenden Beigaben eben so weiteren Gesichtskreis gewonnen hatte, und genöthigt wurde die Brown- 
bequem als reich, mannigfaltig und angenehm gemacht werden. Fehler "sehe Manier in ihren gröbsten Fehlern aufzugeben.  
mit Mays, Turnips, Bohnen, Kartoffeln, Hanf oder Erzeugnissen ähnlicher Um die Zeit des Erscheinens der Whatelysehen und Chambersschen 
Natur, Wiesen, Weideland, Hopfenfelder, Obstgärten und andere Theile Schrift waren auch die Franzosen, welche den englischen Gartenstyl mit 
englischer Kultur, untermischt mit gewöhnlichen Hecken oder mit zu- Enthusiasmus aufgenommen hatten, in der Ausübung desselben weit vor- 
fälligen Pflanzungen, erfordern, wenn überhaupt welche, so doch nur wenig geschritten. Dort hatten besonders Watelet durch seine kleine Schrift 
Unterstützung durch die Kunst, um malerischer zu sein, als die zierlichst vVersuch über die Gärtenu (Essai sur les Jardins etc. Paris 1774) und 
mit Klumps betüpfelten freien Grasplätze in den Parks; und Dörfer, Gerardin durch seine Abhandlung wVon der Anordnung von Land- 
ländliche Kirchen, Meierhöfe oder Landhäuschen, wenn verständig plaeirt, schaftsscenena (De la eomposition des Paysages etc. Paris 177 7.} vor- 
und mit Geschmack angeordnet, bereichern und verzieren eine Landschaft theilhaft eingewirkt. 
eben so gut, als kostspieligere Bälllißllm  Der Erstere zeigt in vorzüglicher Schreibart, obwohl nur in allge- 
In der weiteren Fortsetzung des Discourses bemerkt er, um wie viel meinen Umrissen, wie eine Meierei und die neueren Parks zweckmäfsig 
schöner natürliche Bäche, besonders in gebirgigen Gegenden, mit ihren einzurichten seien. Er giebt darin dem Romantischcn den Vorzug vor 
kühnen wechselnden Uferabhäugen, bewachsen mit wilden Rosen und der damals bevorzugten Richtung des Dichterischen, und ist mithin gegen 
tausend anderen Gebüschen und ausdauernden Blumen, gegen gemachte mythologische Darstellungen in der Anwendung von Tempeln u. s. w. 
Gewässer in den Gärten seien; wie leicht man zuweilen tiefgelegenes, aIn den Anordnungen der Scenen, wo das Dichterische mit dem Malerischen 
wenig nutzbares Land durch Aufstauung eines es durchziehenden Baches verbunden wird  drückt er sich über diesen Punkt aus  hat man 
in einen natürlichen fischreichen See verwandeln, und den an einigen zur Absicht, durch Hilfe des Gedächtnisses der Beschauer einige Faden 
Stellen zu seichten Boden zu Inseln aufwerfen könne; wie vorhandene dieser,  aus der ägyptischen und griechischen Mythologie entlehnten  
Waldllächen durch blofses geschicktes Hindurchführen einiger Wege und Ideen wieder aufzunehmen, und zu veranlassen, dafs man auf einen Augen- 
gelegentliches Oeffnen und Schliefsen des Sanmes eine grofse Mannigfaltig- blick in entfernte Länder und Himmelsgegenden versetzt zu sein glaube. 
keit hervorbringen und unendlich genufsreicher sein können, als die meist Aber es ist nicht nöthig, sich in eine weitläufige Ausführung einzulassen, 
confusen Pflanzungen in den Gärten, und daf s ganz England, welches um begreiflich zu machen, wie schwach die Mittel sind, die bei dieser Art 
einen Ueberflufs an traurigen unfruchtbaren Gemeindewaiden und Wild- von Zauberei angewendet werden, und wie viele gröfstentheils ganz un- 
nissen habe, welche besonders nahe der Hauptstadt nur dazu dienen der übersteigliche Hindernisse sich ihren Wirkungen entgegenstehen      
Landschaft ein unkultivirtes Ansehen zu geben, nichts destoweniger in vEs bleibt uns nichts übrig, wozu wir unsere Zuflucht nehmen könnten, 
einen einzigen grofsen nur von der See begrenzten Garten ver- als einige Gebäude, einige Denkmäler mit angefügten Gegenden und Zu- 
wandelt werden könne, indem Jeder seine Besitzung wie angedeutet ver- fälligkeiten, wodurch man die Ideen, auf die man die Absicht gerichtet 
besserte, und jene wüsten Flächen, welche im Grofsen und Ganzen un- hat, zurückzurufen sich bestrebt. Man errichtet also Gebäude; man stellt 
möglich zu verschönern sind, im Charakter des Schauerlichen, oder in Figuren auf; man macht Aufschriften, und man sorgt dafür, dal's diejenigen, 
vortreffliche Gemälde erhabener Gattung umwandelte, um durch sinnigen welche man spazieren führt, den Namen der Gottheiten erfahren, deren 
Contrast die Wirkung freundlicher und reicherer Prospekte zu verstärken. Tempel und Wohnungen sie antreffen werden. Diese Namen sind mit 
Wo die Ausdehnung beträchtlich ist, und die Theile des Landsitzes grofsen Buchstaben an den Friesen oder auf den Säulenfüfsen zu lesen, 
sich eignen nach der neueren Gartenkunst, wie sie hier dargestellt worden, sowie man die Namen über gewissen Bildnissen findet, die man ohne 
behandelt zu werden, da soll sie, bemerkt er ferner, den Vorzug vor diese Beihilfe nicht kennen würde. Aber wenn auch diese dichterischen 
allen anderen Manieren haben, weil sie die anderen in Vollkommenheit Zusätze das Vergnügen solcher Menschen erhöhen können, die eine 
übertrifft und leicht angewandt werden kann; jedoch in oder nahe grofsen elastische Einbildungskraft haben und Kenntnisse besitzen: so müssen wir 
Städten, wo das Besitzthum sehr zertheilt und klein ist, wo die Natur doch gestehen, dal's sie für die gröfste Anzahl nur seltsame Dinge sind. 
keinen Spielraum hat, in allen sehr kultivirten Lagen, ist die reichere Auf der anderen Seite, wenn diese Zusätze unvollkommen sind, wie denn 
und künstliche Manier der Gartenkunst vorzuziehen, weil sie gröfsere dieses gemeiniglich der Fall ist; wenn Nachlässigkeit darin herrscht; 
Mannigfaltigkeit auf einem kleinen Bezirke darstellen, und die natürlichen wenn die Verhältnisse unrichtig, die (lharaktere übel ausgedrückt, die 
Fehler des Lokales schneller und effektvoller und mit weniger Mühe als Dimensionen elend sind: so wird die ganze dichterische Zurüstung kin- 
jede andere verbessern kann. Diese Manier ist daher die geeignetste für disch und das Unternehmen lächerlich. Ein Schauspieler, der keine edle 
 die unmittelbare Umgebung eleganter Gebäude, wo Ordnung und Symmetrie Gestalt hat und übel gekleidet ist, bringt uns zum Lachen, wenn er sich 
durchaus nothwendig sind, und für manche kleine Grundstücke oder Ruhe- unter dem Namen eines Helden darstellt     Es fehlt solchen dichte-
        

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