Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215113
Der römische oder italienische Garlenstyl. 
Beiden luxuriösen palastartigen Villen war die Urbana von der Fruc- maul, Teukriuin, Schlüsselblumen, Tulpen, Amaranthus, Rosen und 
tuaria und Rustica ganz getrennt; bei den meisten einfacheren Villen Uistroscn vorzugsweise den Schmuck der Lustgarten. 
schlossen die letzteren sich jedoch der Urbana auf deren Rückseite an. Diese breiteten sich vor der Ilauptfronte und auf den Seiten der 
Die Terrasse (Xystus), welche vor dem offenen zum Spazierengehen Urbana aus, zum Theil auch auf der llinterfronte derselben, wenn hier 
und Dispntiren bestimmten langen Säulengange (Porticus) der Urbana lag; nicht verzierte Obst- oder Weingärten ihre Stelle einnahmen. Sie zer- 
war vermittelst geschorner Buxbaumeinfassungen in regelmäfsige zierliche fielen nach den von Plinius uns hinterlassenen Beschreibungen seiner Villen 
architektonische Formen abgetheilt, welche theils Rasen, theils Veilchen und den gelegentlichen Bemerkungen anderer Schriftsteller in den Spa- 
und andere niedrige Blumen, zum Theil auch Zeichnungen von 'l'hier- zicrgang (anlbulatio), die Bahn (gestatio) und den Wildgarten 
gestalten in Bux enthielten. Lchnte sich, wie bei der tuscischen Villa (paradisus). 
des jüngeren Plinius (unter Kaiser Trajan Statthalter in Bithynien, geb. zu Der Spaziergang oder derjenige Theil der Gärten, welcher aus- 
Uomum 62 n. Uhu), gegen die Fnttermauer unterhalb der Tierrasse noch schließlich zum Spazierengehen bestimmt war, lag unmittelbar vor der 
eine Böschung (pulvinus demissus) an, so waren auch in diese regel- mit Balustratlen eingefafsten Terrasse, war durch mächtige breite Frei- 
mäfsige Abtheilungen und einander gegenüberstehende Thiergestaltien in treppen von der Tierrasse aus zugänglich, konnte von dieser aus grofsen- 
Bux eingezeichnet. theils übersehen werden und bestand nur aus niedrigen, die Aussicht 
In Ansehung des speciellen Zweckes der Gärten wurden. wie aus nicht hindernden Gegenständen in streng regelmäfsiger Anordnung. Als 
der Beschreibung der Gärten des Plinius (C. Plinii Epist. lib. V, VI et Schmuck dienten Laubengänge und verschiedentlich geformtes und be- 
Epist. II, XVII)  und aus gelegentlichen Bemerkungen anderer Schrift- schnittenes Heckenwerk aus Buchen, Lorbeer. Buxus und Rosmarin, sowie 
steiler hervorgeht, unterschieden: Gebüsche aus Myrten i), Granaten, Lorbeer, Oleander, Rosmarin, Buxus, 
die Lustgarten (horti)  w'elche stets ans mehreren besonderen Jasmin, Rosen und Blumenbeete mit den vorgenannten Blumcnpllanzen 
Gärtchen oder Abtheilungont) bestanden, besetzt. Das Ganze wurde von einer dem Auge durch Pflanzungen ent- 
der Küchengarten (hortus pinguis oder rusticus) und zogenen Mauer umschlossen. Die Wege waren, wie wir mit ziemlicher 
der Obstgarten (ponmriunn. Gewifsheit annehmen dürfen, nach orientalischer Gewohnheit sorgfältig mit 
Der Küchengarteen und (Jbstgarten befanden sich an der Villa rustica. Steinen ausgelegt, sonst würde Plinius bei der Beschreibung seines bei 
oder schlossen sich auch an die Rückseite oder an eine Seitenfronte der Laurentium am Meere belegenen Landgutes nLaurentinumu nicht aus- 
lirbana an. In dem ersteren wurden aufser vielen unserer heutigen. (drücklich hervorheben, dal's der Laubengang, welcher dort den Obst- 
fruchtbaren Boden verlatngenden Gemüse, als Kohl, Endivien, Lattich, garten umschlofs und solchen von der Bahn trennte. i) weich und schattig, 
Petersilie, Sellerie, Gurken, Fenchel, Kerbel, Pfetferkraut u. s. w., auch und selbst für den Barfüfsler weich und gangbare sei. 
die edleren Ubstarten, z. B. Aprikosen, Plirsieh. Mandeln gezogen. Der Die Bahnen wurden eingerichtet um sich darin spazieren fahren 
(Jbstgarten enthielt mehr das Wirthschaftsobst, als: Oliven, Wallnüsse, oder tragen zu lassen, und mufsten eine zu diesem Zwecke genügende 
echte Kastanien, Maulbeeren, Feigen, Quitten, Aepfel, Birnen, Pflaumen. Ausdehnung und reiche Abwechselung haben. Sie waren entweder blofse 
Kirschen, auch Kornelkirschen und Haselnüsse. Dazwischen wurden, so hinreichend breite und schattige mit Hecken aus Bux, Rosmarin, Lor- 
lange es ohne Nachtheil auf die Bewurzelung der Bäume geschehen konnte, beer u. s. w. eingefafste Alleen, welche Aussichten erößneten, oder sie 
auf Beeten die weniger zarten Küchcngewächse und Nutzpflanzen gezogen, bildeten, wie bei der tuscischen Villa des Plinius, der allgemeinen Form 
z. B. Zucker-wurzeln, Pastinak, Rettig, Sauerampfer (Rumex scutatus), nach eine Nachahmung des römischen Circus oder des griechischen Hippo- 
Melde, Saubohnen, Mohn, Adonis, verschiedene Arten Kürbis, Meerkohl droms, oder beschrieben eine sonst geeignete regelmäfsige Form, deren 
(tlrambr- maritima und Or. tatarica oder die Ohara Oaesaris); auch Rha- Inneres theils zierliche, mit regelmäfsig geformten Grasplätzen, Bux- und 
barberarten (Radix pontica der Alten), die Nieswurz (Veratrum album und Rosenpflanzungen abwechselnde Blumenparterrcs enthielt, theils aber auch 
llelleborus orientalis)  Ricinus, Artischoken, Sorghum, Panicum italicum, zur Aufnahme der vorerwähnten Nachahmungen berühmter Gebäude, 
Asphodelus u. m. afti) Donax oder cyprisches Rohr (Arundo Donax) Gärten und Gegenden bestimmt gewesen zu sein scheint: denn auch Pli- 
wurile der Zierde und des Nutzens der Stengel wegen kultivirt, welche nius erwähnt, indem er eines sehr zierlichen Gartenstückes in seinem 
man zu Weinpfählen, Weinjochen und Geländern benutzte. Das A run- Hippodrom der tuscischen Villa gedenkt, dal's in demselben der mittlere 
dinetum, in welchem aufser Donax auch Bambusa arundinaxiea (das Raum zu beiden Seiten mit kürzeren Platanen, gleichsam i) als Nach- 
AYlllHlO indica der Altenl kultivirt wurde, bildete einen besonderen Theil ahmung eines unvermuthet hierher versetzten Ackerstückesu verziert war, 
der ökonomischen Anlagen an feuchten Orten oder Flufsufern. Der Wcin- längs deren Grenzen man das Gehölz in gewissen Zeitabschnitten fällte, 
stock, in dem Weinberge (arbustum) an reihenweise gepflanzten Bäumen sodafs es meist mehrstämmig wieder aufschofs und verhältnifsmtilsig niedrig 
von dünner Belaubung und an solchen, welche Pfahlwurzel treiben, wie blieb. Vielleicht umgab man auch die Aufsenseite der Bahn mit der- 
z. B. an Weifs- oder Schwarzpappeln, Ulmen, Feldahorn und Fischen, in gleichen nachgeahmten Partieen, und erölfnete von verschiedenen Stand- 
dcm Weingarten (vinea) an Jochen und Pfählen gezogen, und in ersterem punkten Aussichten und besondere Zugänge nach denselben. 
Falle von besserer Qualität des Produktes, in letzterem von gröfserer Da es für Viele von Interesse sein dürfte die speeielle Einrichtung 
Quantität desselben, war auch eine Zierde des Obstgartens, indem man des Spazierganges und der Bahn in den Gärten einer römischen Villa 
ihn zu Gewinden von einem Baume zu dem anderen zog, und freistehentle näher kennen zu lernen, lassen wir hier die Beschreibung der Baulich- 
Wäintle (Spaliere) aus Bambusrohr und Donax damit bekleidete oder kciteil und Gärten auf dem tuscischen Landgute des Plinius, wie er solche 
schattige Laubengänge bildete. in seinem Briefe") an seinen Freund Apollinaris giebt, im Auszuge folgen, 
Als Verzierung wurden sowohl im Kuchen- wie im Obstgarten auf und fügen als bildliche Erläuterung den auf Taf. III und IV zu diesem 
Rabatten längs der Wege Sonnenblumen, Schwertlilien, Federnelken, Zweck angefertigten Entwurf bei. 
(iiltidlülllS, Goldblumen, Malven, Bärenklau, Rittersporn, Blumenmohn, n Sehr erfreulich war mir die Aufmerksamkeit und Fürsorge-h mit 
Sinngrün und andere Blumen angepflanzt. Dagegen bildeten Crocus, welcher Du mir bei der Nachricht, dal's ich diesen Sommer auf mein 
Tuberosen, ilurikeln, Immortelleii, Nelken, Astern, weifse Lilien, llya- tnSCiHßheS Landgut gehen wolle, abriethest dieses zu thun, Weil D11 Es 
cintheil, Veilchen, Narcissen, lievcojen, Nachtviolen, Anemonen, Löwen- für illlgßälllld hältst. Allerdings ist die tuscische Seeküste gefährlich 
   und ungesund, allein mein Landgut ist weit vom Meere entfernt, und 
f] Eine besondere Abtheilung fiir Blumen oder ein Blumengarten [tloralia]  liegt sogar am Fufse des Apenines, des gesundesten aller Gebirge. 
scheint bei den griifseren Villen, wo die 'l'errasse und dhlllbllla-illü schon reich mit Iilu- Lars Dir also, um wegen meiner allg Fumht zu verlieren, die Milde 
nien gesrlnnnckt waren, nicht vorhanden gewesen zu sein, gewils aber bei (len kleineren 
Larnlvvoliiiuiigeri, wo er die Arnbulatio vertreten haben mag. Nach 'I'erentius Varro  des Himmels" die Lage der Gegend" die Anmuth des Landgutes besehliep 
Varro M18 re rustß- I, 16) war er nicht blos ein Gegenstand des Vergniigens auf den iieiiv was i)" geiiii iiöieil Wiiiäiv iiiiii ich geiiii eiziiiiie- Winters ist die 
Landgiitern, sondern auch in der Nähe der Städte, wo der Absatz von Blumen ge- Luft nur]; um] kalt, Sie vgpgchmäht und tödtßt Myrten, Ußlbällme und 
sichert war, ein solcher des Nutzens, dem man eine sonnige Lage anwies. 
  Der Mars, jetzt allgemein in Asien, Griechenland und Italien angebaut,    
ist erst in der neueren Zeit aus Amerika dorthin eingeführt; ebenso sind die Erdäpfel i) Die Orangen waren zur Zeit des Plinius in Italien noch nicht eingeführt.  
(Helianthns tnberosus] aus Brasilien, und der diaback seit 156i) aus Amerika eingeführt,  i") Plinii Epist. lib. V, VI.
        

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