Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der schönen Gartenkunst
Person:
Meyer, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046907
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215071
Dm" arabisnhe oder maurisclze Gzzrlenstyl. 
ausgelegt. sodann aber die übrigen Räume mit Gebüsch und Blumenbeeten Aehnliche blühende Gärtchen bedeckten im vorigen Jahrhundert das 
ausgefüllt. Auf Taf. I. Fig. 1. tindet sich der Grundrifs jenes arabischen Ufer des reich mit Silberpappeln und Weiden beränderten Thales an der 
Höfchens mit seinen Piiasterungen und der Bepflanzung dargestellt. Die Vereinigung der beiden, den Hafen von Constantinopel bildenden, Flüsse 
Bassins belebt man mit Goldiischen und die Höfe mit Federvieh präch- Barbyses und Kydaris zur Zeit der byzantinischen Kaiser, in welchen 
tigen Getieders, welches eine grofse Reinlichkeit nicht aufkommen läfst, unter Achmed III. (1730) viel Rosen, Flieder, Veilchen, Anemonen, 
über welchen Umstand man aber mit dem weisen Salomof) (1015 v. Lilien, Hyacinthen und mit besonderer Vorliebe Tulpen gezogen wurden: 
Ührz), welcher die Pfauen und Affen für seine Höfe aus Ophir bezog, auch feierte man in jedem Frühjahre ein Tulpen- oder Lampenfest. Man 
sowie mit den übrigen grofsen Männern der Vorzeit sich leicht hinwegsetzt. erleuchtete, nemlich den Tulpenflor des Abends mit verschieden gefärbten 
Das ganze eines solchen Hofes ist meist überaus prächtig, Einzelnes Lampen, um die verschiedenen Farben recht hervortretend zu machen. 
zuweilen ganz originell; so findet sich z. B. nach dem Berichte des Ein Grofsveziei- hatte sogar den Einfall Schildkröten zum Träger seiner 
Fürsten Pückler-Muskau auf einem der Höfe eines fürstlichen Palastes Lampen zu wählen, und die wandelnden Lichter verliehen dem Ganzen 
zwischen Daer-Dschuhn und Damaskus eine Fontaine, auf deren Rande unzweifelhaft einen feenhaften Reiz.  
Papageien in natürlichen Farben das Wasser ausspeien. Im Gegensätze zu den prächtigen Gartenhöfen pdegt der Garten 
Berühmt wegen ihrer bezaubernden Schönheit. waren die Höfe der hinter der Wohnung in der Regel sehr vernachlässigt und gewöhnlich 
Kalifen von Bagdad und Bassora und des im l Bten und Hten Jahr- nichts anderes, als ein gewöhnlicher Obst- oder Gemüsegarten zu sein, 
hundert von den maurischen Königen erbauten Palastes Alhambra wo an den Wegen entlang in Rabatten oder ohne alle Ordnung einige 
zu Granadai, von denen noch einige in ihren wesentlichsten Theilen er- Rosen_, Narzissen, Lilien, Veilchen und dergleichen Blumen gezogen werden. 
halten sind. Nur die sehr Wohlhabenden erbauen sich in einiger Entfernung von 
Die zum Theil sich kreuzenden, mit Steinsitzen beränderten Zugänge der Stadt ein einfaches Landhaus. meist im national-türkischen Geschmack t) 
und Spaziergänge, welche zu diesem Palaste hinaufführen, sind mit mit geschwungenen Dächern, ähnlich denen der Chinesen, und legen sich 
Springbrunnen und offenen Wasserleitungen, dem Abflufswassei- von den einen mäfsig grofsen, von einer hohen Mauer im Viereck, selten in 
Fontainen und Bassins der Höfe, belebt, welches nach allen Seiten hin anderer Form ilmschlossenen Lustgarten an, den man mit aller Pracht 
die üppigste Vegetation erzeugt. Von den Höfen des Palastes zieht zu- der Gartenhöfe auszustatten pflegt, hinterher aber gar bald vernachlässigt. 
nächst der mit weifsem Marmor ausgepfiasterte und mit leichten mauri- Die Einrichtungen desselben gehen im Allgemeinen darauf hinaus eine 
sehen Säulengängen umgebene nHof der Albercai die Aufmerksamkeit üppig wuchernde Vegetation zu erzeugen, erquicläende Früchte zur Hand 
auf sich, in dessen Mitte ein 130 Fufs langer und 30 Fufs breiter Fisch- zu haben, die Temperatur zu mildern, die Gartenscenen ohne Anstrengung 
teich voll von Goldfischen. und von Rosengebüsch, Myrten und Oleandern und sitzend zu geniefsen und den Körper durch lieblichen. die Atmo- 
umgeben, sich befindet. Noch anmuthiger und wahrhaft zauberhaft ist sphäre erfüllenden Blumenduft und durch das Murmeln und Plätschern 
der berühmte "Hof der Löwen" mit seinem in der Mitte stehenden, lebendiger Wasser in jene so wohlthuende Schlummerruhe zu versetzen. 
durch Gesang und Geschichte berühmten, von zwölf wassersprühenden Man richtet das Augenmerk daher vorzüglich auf eine erhöhte, der Luft 
Löwen umgebenen Brunnen. dessen alabasternem Becken immer noch zugängliche Lage und erbauet das Lusthaus, zuweilen mit Terrassirungen, 
diamantene Tropfen entsickern. Auch dieser Hof ist mit Blumenbeeten unterirdischen kühlen Räumen, Grotten und Bädern, überdeckten Hallen. 
ausgelegt und von leichten arabischen, von schlanken Säulen aus weifsem Colonnaden und gewölbten Bogengängen verbunden, im vorderen Theile 
Marmor getragenen Arcaden mit schönster durehbrochener Arbeit umgeben. des Gartens, dem Eingänge gegenüber. In den meisten Fällen ist es 
Aufser mehreren anderen einst gartenähnlich verzierten Höfen und süfs- jedoch nur einfacher Art und mit seinen Nebengebäuden so angeordnet, 
duftenden Gärtchen verdient besonders noch der abgeschiedene kleine dal's ein geschlossenes Höfchen in Form eines Quadrates oder Achteckes 
Patio oder vGarten der Lindaraxae Erwähnung, weil höchst ein- gebildet wird, an dessen Seiten. wie bei den Vorhöfen städtischer Gebäude. 
nehmend durch seine alabasternen Springbrunnen und durch Stölllö weit- Vcranden sich entlang ziehen, während in der Mitte eine Fontaine springt. 
hin duftenden Rosen, Myrten. Uitronen und Orangen. Die Bauart der Der Fürst Pückler-Muskan hat bei seinem Besuche der Gärten 
Höfe, Hallen, Grotten und Bäder, wie aller übrigen Theile des Palastes, Mehemed Alfs bei Alexandria einen Grundrifs von einem der dortigen 
zeigt von einem zarten Anmnth liebenden Geschmack und von Hang zu Lusthäuser des Vicekönigs aufgenommen und (in seiner sehr interessanten 
mühelosem Genufs. Alles ladet, wie Washington Irwing sehr treffend Schrift nAllS Mehemed Ali's Reich e Bd. I) veröffentlicht, welchen wir 
bezeichnet. zu jener Schlummerruhe, dieser Wohlthat der südlichen unter Fig. 2 hier beifügen. 
Himmelsstriche ein, und während das halb geschlossene Auge von dem Gerade Wege, welche sich rechtwinklig kreuzen und von einfachen 
schattigen Balkone auf die tlimmernde Landschaft blickt, wird das Ohr oder doppelten Reihen von Alleebäumen eingefasst sind,  wie z. B. 
durch das Rauschen der Haine und das Gemurmel der Gewässer einge- von Plantanen, Fieus Sycomorus und F. religiosa, Mimoseu, echten Aka- 
wiegt. Die Aussicht ist nach allen Seiten hin, besonders gegen Süden, cien, Uordia myxa, Oypressen, Trauerweiden, 'I'amarinden u. v. a.  
herrlich; es schwelgt hier das Auge auf den üppigen Schönheiten der zertheilen den Garten in regelmäfsige oblonge oder quadratische, nicht 
Vega, einer blühenden Wildnifs von Hainen und Fruchtgärten, durch selten noch von Hecken schön blühender Gesträuche umgebene Vierecke, 
welche der silberhelle Xenil dahin eilt und unzählige kleine aus der welche mit Obstbäumen verschiedener Art  als Orangen, Feigen, 
Maurenzeit stammende Bächelchen füllt. welche hier, wo einst die lieb- schwarzen Maulbeeren, Aprikosen, Plirsichen, Mandeln, Quitten u. s. w. 
liehen Lauben, Gärten und Lustsitze sich befanden, für welche die Mauren  regelmäfsig besetzt sind; oder es bildet abwechselnd ein Quartier um 
mit so verzweifelter Tapferkeit fechten, die Landschaft in beständigem das andere einen freien grünen Platz oder noch häufiger eine Reihe von 
Grün erhalten. Rosengebüsch, an Gittern und Lauben hinaufklimmender Quartieren eine gröfsere Lichtung, welche anstatt des Rasens mit Futter- 
Jasmin und Caprifolium, Orangen, Myrten, Oleander und ein lieblich kräutern, besonders dem Alexandrinerklee, bekleidet ist, in welchem die 
duftender Blumentlor fehlten in keinem derselben.    
      i") Der national-türkische Baustyl ist ein Gemisch von dem arabischen, mau- 
f) Die Beschreibung des Palastes Salomds zu Jerusalem im 1. Buch der Kö- rischen und persischen, unterscheidet sich aber von diesen besonders durch die ge- 
nige Kap. 7 und sein Hohes Lied zeigen uns, dafs Golonnaden und iiberdeekte Hallen schwungenen Dächer; die Dächer der Iläuser arabischen und Pßfsisßhßn Wifles Sllld Tlaßh 
seiner vier Vorhöfe sehr kostbar waren; dal's Gitter- und bSchnitzwerk, sowie die nlieb- terrassirt und mit Brustwehren versehen. Balkone, Erker, Colonnaden, Verandafs, sehr 
liehen Ptlasterungencr und die Tnrteltauben, welche nin den Felslöchern, in den Stein- schlanke und schwache, bei einiger Belastung zu Paaren und Gruppen bei einander- 
ritzen IIiStGIM, sehr beliebt waren. und dafs man Lustgärten von Granatäpfeln mit edlen stehende, sich aber nicht berührende Säulen, hohe Wände und Verzierungen, welche in 
Früchten, Cypern mit Narden, Calmus, Cinnamom, Aloäs, Würzgärtlein, Nufsgärten durchbrochenem netzförmigen Arbeiten, Arabeskezi und Mosaik bestehen, haben der ara- 
n. s. w. besafs, welche einzelne Abtheilungen des Gartens, der Knlturmethode gemäfs, bische und maurischc Baustyl gemein; dagegen sind ersterem der nach oben zugeschweifte 
ausmachten, zu deren Bewässerung zwei mit Quadersteinen ausgelegte, hart übereinander Spitzbogerx, mit wagerechten rothen und gelben Streifen angefiirbte Aufsenwände und 
liegende Bassins dienten, welchen eine ergiebige Quelle zutlofs. Sicher kultivirte Salomo mit verschiedenartig glasirten Ziegeln in den zierlichsten Mustern ausgelegte schlanke 
im Garten, weil er nredete von Bäumen, von der Ceder zu Libanon an bis zum Ysop, Thiirme mit Kuppeln in den verschiedenartigsten Wölbungen eigenthümlich, während 
der aus der Mauer wächstu, er also Botaniker war, eine Menge von Pflanzen aus wis- für den maurisehen Styl der hufeisenförmige Bogen für Eingänge charakteristisch ist. 
senschaftlichem und ästhetischem Interesse. Sprengel (in seiner (iesrhiehte der Bo-  Die ltenster sind in diesen beiden Baustylen meist hoch oben angebracht; in den persi- 
tanik) und Oken (in seiner Naturgeschichte) führen eine Menge von Ptlanzen an, welche  sehen und türkischen Wohnungen dagegen pllegen Thiiren und Feinster gleiche Höhe 
den Juden um jene Zeit bereits bekannt waren.  und Gröfse zu haben. 
Aehnliche blühende Gärtchen bedeckten im vorigen Jahrhundert das 
Ufer des reich mit Silberpappeln und Weiden beränderten Thales an der 
Vereinigung der beiden, den Hafen von Constantinopel bildenden, Flüsse 
Barbyses und Kydaris zur Zeit der byzantinischen Kaiser, in welchen 
unter Achmed III. (1730) viel Rosen, Flieder, Veilchen, Anemonen, 
Lilien, Hyacinthen und mit besonderer Vorliebe Tulpen gezogen wurden: 
auch feierte man in jedem Frühjahre ein Tulpen- oder Lampenfest. Man 
erleuchtete, nemlich den Tulpenflor des Abends mit verschieden gefärbten 
Lampen, um die verschiedenen Farben recht hervortretend zu machen. 
Ein Grofsveziei- hatte sogar den Einfall Schildkröten zum Träger seiner 
Lampen zu wählen, und die wandelnden Lichter verliehen dem Ganzen 
unzweifelhaft einen feenhaften Reiz.  
Im Gegensätze zu den prächtigen Gartenhöfen püegt der Garten 
hinter der Wohnung in der Regel sehr vernachlässigt und gewöhnlich 
nichts anderes, als ein gewöhnlicher Obst- oder Gemüsegarten zu sein, 
wo an den Wegen entlang in Rabatten oder ohne alle Ordnung einige 
R0sen_, Narzissen, Lilien, Veilchen und dergleichen Blumen gezogen werden. 
Nur die sehr Wohlhabenden erbauen sich in einiger Entfernung von 
der Stadt ein einfaches Landhaus. meist im ilational-türkischen Geschmack t) 
mit geschwungenen Dächern. ähnlich denen der Chinesen, und legen sich 
einen mäfsig grofsen, von einer hohen Mauer im Viereck, selten in 
anderer Form ilmschlossenen Lustgarten an, den man mit aller Pracht 
der Gartenhöfe auszustatten pflegt, hinterher aber gar bald vernachlässigt. 
Die Einrichtungen desselben gehen im Allgemeinen darauf hinaus eine 
üppig wuchernde Vegetation zu erzeugen. erqnicläende Früchte zur Hand 
zu haben, die Temperatur zu mildern. die Gartenscenen ohne Anstrengung 
und sitzend zu geniefsen und den Körper durch lieblichen. die Atmo- 
sphäre erfüllenden Blumenduft und durch das Murmeln und Plätschern 
lebendiger Wasser in jene so wohlthuende Schlummer-ruhe zu versetzen. 
Man richtet das Augenmerk daher vorzüglich auf eine erhöhte, der Luft 
zugängliche Lage und erbauet das Lusthaus, zuweilen mit Terrassirungen, 
unterirdischen kühlen Räumen, Grotten und Bädern, überdeckten Hallen. 
Colonnaden und gewölbten Bogengängen verbunden, im vorderen Theile 
des Gartens, dem Eingange gegenüber. In den meisten Fällen ist es 
jedoch nur einfacher Art und mit seinen Nebengebäuden so angeordnet. 
dal's ein geschlossenes Höfchen in Form eines Quadrates oder Achteckes 
 gebildet wird, an dessen Seiten, wie bei den Vorhöfen städtischer Gebäude. 
Vcranden sich entlang ziehen, während in der Mitte eine Fontaine springt. 
Der Fürst Pückler-Musknu hat bei seinem Besuche der Gärten 
Mehemed Alfs bei Alexandria einen Grnndrifs von einem der dortigen 
Lusthäuser des Vicekönigs aufgenommen und (in seiner sehr interessanten 
Schrift nAllS Mehemed Ali's Reich u Bd. I) veröffentlicht. welchen wir 
unter Fig. 2 hier beifügen. 
Gerade Wege, welche sich rechtwinklig kreuzen und von einfachen 
oder doppelten Reihen von Alleebäumen eingefasst sind,  wie z. B. 
von Plantanen, Ficns Sycomorus und F. religiosa, Mimosen, echten Aka- 
cien, Uordia myxa, Oypressen, Trauerweiden, Tlamarinden u. v. a.  
zertheilen den Garten in regelmäfsige oblonge oder quadratische, nicht 
selten noch von Hecken schön blühender Gestränche umgebene Vierecke, 
welche mit Obstbäumen verschiedener Art  als Orangen, Feigen, 
schwarzen Matilbeeren, Aprikosen, Piirsiehen, Mandeln, Quitten u. s. w. 
 regelmäfsig besetzt sind; oder es bildet abwechselnd ein Quartier um 
das andere einen freien grünen Platz oder noch häufiger eine Reihe von 
Quartieren eine gröfsere Lichtung, welche anstatt des Rasens mit Futter- 
kräutern, besonders dem Alexandrinerklee, bekleidet ist, in welchem die
        

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