Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Ikonologie der Götter nebst einem Generalregister enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046867
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4546402
34. Wahre Abbildung 
del gehalten, GOtt unter einer menschlichen Figur vorzustellen. In den Tempel zu 
Jerusalem durfte kein Bild kommen. Als .Herodes über den Eingang desselben einen 
vergoldeten Adler letzen ließ, warf das Volck, wie es hörte daß er krank' war, solchen 
herunter, und schlug ihn in Stücken, weil es wider ihrer Väter Religion war, Bild- 
niße zu haben. Als Pilatus einige Fahnen mit dem Bildniß des Kaisers Tiberius 
ins iüdisc-he Land brachte, ward der Pöbel aufrührisch, weil er solches als eine Be- 
schimpfung seiner Religion ansahe , und auf keine Weise ein Bildniß dulden wollte. 
Hermes Trismegistns sagt, daß diejenigen, welche sich die Götter unter Bil- 
dern gedenken, nicht glauben minTen, daß solche ihre Wohnung im Himmel haben; es 
habe auf diese Weise das Ansehen, als zweifelten sie, ob ihre Gebete bis in den Him- 
mel gelangen würden, deswegen hätten sie Bildnisse erfunden, und solche Götter ge- 
nannt. Als Lvcurg den Lacedcimoniern Gesetze gab, verbot er ausdrücklich, die 
Götter weder unter der Gestalt von Menschen noch Thieren zu verehren, und ver- 
bannte alle Bildsäulen und Gemcilde aus der Republick. Die Egi)oter verehrten die 
Elemente in den ältesten Zeiten göttlich, hatten aber keine Bilder. NumaPompilius, 
der andre König der Römer, welcher den Gottes-dienst einrichtete, hielte es nach dem 
Plutarch für unerlaubt, zu glauben, daß man GOtt abbilden könne, daher die Nö- 
mer in den ersten 17o. Jahren ihrer Republick keine Götzenbilder kanntest. Eben so 
wenig hatten die alten Perser und Lybier weder Gemälde noch Bildnisse. Von den 
Scythen bezeuget .Herodotus, daß es ihnen zwar nicht an Göttern gefehlt, welche 
in ihrer Sprache so viel als Vesta, Jupiter, Apoll, und so weiter anzeigten, aber 
keinen als den Mars unter einem Bilde verehrten, sondern allen auf einerlei) Weise 
opferten. 
Die E-ssedoner, ein Scythisches Volk, verehrten kein anderes Bild als die 
Hirnscl)aaie der Menschen. Wenn ein Hausvater starb, so kam die Familie zusam- 
men, wie eben dieser Herodotus berichtet, man schlachtete Schaafe, und verzehrte 
sie nebst dem verstorbnen Körper; die Hirnschaaie ward gereinigt und vergoldet. Man 
hob sie aus, verehrte sie, und brachte ihr Opfer. Sie gebrauchten solche auch, wie 
Pomponius Mein sagt, zum Trinken, und glaubten dein Verstorbnen dadurch eine 
Ehre anzuthun. Die MaiTilienser, welche am mittciglichen Ende von Gallien wohn- 
ten, verrichteten ihre Opfer in Haynen, ohne weiter ein Bildniß zu haben. 
Plinius berichtet, daß die ersten Menschen nach der Sündfluth., wie sie noch 
in der Unschuld gelehrt, und nicht so Viel Laster gekannt, sich unter den grossen Eichen 
aufgehalten, und ihnen göttliche Ehre erwiesen, weil diese Bäume ihnen durch die Ei- 
cheln Lebensunterhalt, und durch den Schatten Schutz für Sonne und Regen ver- 
schasten. So hatten auch die alten Deutschen weder Statuen noch Tempel, wie uns 
Tacitus lehret, weil sie glaubten, es wäre ein Schimpf für die Gottheit, sie in den 
engen Raum eines Tempels einschliessen , und ihnen die Gestalt eines kleinen menschli- 
chen Körpers geben zu wollen. Sie verehrten hauptsächlich Sonne und Mond, deren 
Nutzen sie einsahen; von andern Rahmen der Götter wus1en sie zu des Julius Cäsars 
Zeiten noch nichts. 
 Herodotus3 ist der Meinung, daß die Griechen den Göttern zwar in ältesten 
 Zeiten eine Art von Dienst erwiesen, sie aber nie mit Rahmen genennet, bis sie sol- 
ches Von den Egvptern gelernet; woher, und ob"sie zugleich oder nach einander ent- 
standen , oder ob sie Von jeher gewesen, sey nicht bekannt, ausgenommen, daß Homer 
und Hesiodus , die ohngefehr 4o0. Jahre Vorher lebten, bereits einer grossen Menge 
Götter gedenken, denen sie ihre eigne Gestalt und Verrichtungen zuscl)riebcle1n;chund 
 vie ei t
        

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