Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Ikonologie der Götter nebst einem Generalregister enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046867
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4546391
der Götter. Z; 
der Weisheit- und den Geheimnissen der cigyptischen Priester zu unterrichten, die 
Griechen sage ich, behielten diese Anzahl bey. Die Pi)khagoräer gaben daher einem 
jeden Zeichen des Thierk"reises eine besondre Gottheit, und durch diese wurde ihrer 
Meinung nach alles regieret. Eine jede derselben regierte vornämlich in einem Mo- 
nate. Sechs waren männlichen und sechs weiblichen Geschlechts. Ennius hat sie in 
folgende zwei) Verse gefaßt:   
Juno, Vel7ca, Minerva, Co:-es, Diana, Vek1us, Mars, 
Mc-:rcurius, Jovis, Ncptunus, Vu1canUs, Apollo. 
Die Römer nannten Ae Consenccs. weit sie dem Jupiter mit gutem Rath bewun- 
deU, sie l)eiffm auch 8enato1-es Und con1Iliarii. 
Wir Juden daher beym Homer und Virgil, daß Jupiter , welcher allemal der 
vornehmste Gott ist, einen Rath oder eine Versammlung der Götter zusammen be- 
tUft, wenn wichtige Dinge zu berathschlagen Vorfallen, wiewohl die Dichter ihm doch die 
Entfcl)eidnng der Sachen beimessen, und die andern nur als Rathgeber ansehen. Die 
andern grossen Götter konnten zwar auch strafen, sie führen daher auch zuweilen den 
Donnerkeil, eigentlich aber kommt die strafende Gewalt dem Jupiter zu, dessen vor- 
zügliches Attribut der Blil5 ist, mit dein er strafen konnte, wenn er es für gut befand. 
 Diese Götter waren nach den Erzehlungen der Dichter sehr laslerhaft, sie be- 
giengen die grdbs"ten Ausschweifungen, und liessen sich durch Zorn, Liebe und andre 
Leidenschaften hinreissen. Sie hielten sich bald hier bald dort auf, obgleich der obern 
Götter ihr A"usfenthalt meistens im Himmel war. Die .Halbgbtter lebten meh- 
rentheils auf der Erde und im Wasser. Sie waren auch nicht alle unsterblich; Die 
Nymphen lebten nur eine gewisse Zeit; Pausanias gedenkt der Gräber der Silenen, 
welche zu "Pergamus in Asien zu schen waren. 
Die Begriffe die sich der gemeine Mann von den Göttern machte, waren so  
wunderbar, daß die Verniinftigen daher Gelegenheit nehmen muiten, darüber zu spot- -Ji,"zfFks,. 
ten. Lucian ist ein Beweis davon, welcher sicl) in seinen Gesprächen über die (sIöt-Yh22-Ei-;--: 
tergeschichte sehr lustig macht. Viele Weise dachten von GOtt weit vernünftiger,k-I. 
und wenn ihre Begriffe gleich dunkel und mit Unrichtigkeiten vermengt waren, so hiel- 
ten sie ihn doch für ein uniterl)liches unsichtbares Wesen, das sich unter keiner Gestalt 
bilden läßt. Antisthenes, der Stifter der eyni"schen Sekte sagte: GOtt könne nicht 
mit Ieiblichen Augen gesehen werden, und net) keinem sichtbaren Dinge gleich, dieje- 
nigen i"rrten folglich sehr, die sich ihn unter einer gewissen Gestalt vorstellten. Nach 
dem Xenophon, einem Schüler des Sokrates, giebt GOtt allen Dingen Leben und 
Bewegung, seine Gestalt und Wesen läßt lich aber von Menschen nicht ergründen. 
Xenophanes lachte über die Thorheiten der Menschen, welche die von Polyklet, PM- 
dias und andern Meinem verfertigten herrlichen Statuen gottlieh verehrten, er elzte 
hinzu, wenn die Pferde und Elephanten, Verstand hatten, und im Stande wären 
Figuren zu bilden, so würden sie lich auch Götter ihres gleichen schaffen. Eben dieses 
führt auch Cicero in seinem Buche von der Natur der Götter unter der Person des 
Cotta wieder die Epicurer aus. 
Die Juden hatten allein die Erkenntniß Vom wahren GOtt, und walten daß 
er ein Geist fey, der sich nicht begreiifen, Und Unter keiner Gestalt abbilden läßt. 
Sie durften sich nach dem ausdrücklichen göttlichen Befehl kein Vildniß machen, da- 
her der römische Gefchichtschreiber Taeitus sagt, die Juden hätten es für einen Fre- 
11l. H-:uptch. v111.Band. (e) ver
        

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