Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Ikonologie der Götter nebst einem Generalregister enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046867
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4546384
32 Wahre Abbildung 
ten sich"dabey Götter vor, denen sie die höc1)i"te Macht zuschrieben. Die allgemeinen 
Begriffe waren freylich bei) dem gemeinen Mann sehr Verworren, hingegen bei) einigen 
Philosophen, obgleich ungewiß und unbestimmt, doch ziemlich richtig, und mit derWahr- 
heit übereinftinnnend, daß man lich wundern muß , wie sie es durch bloiTes Nachden- 
ken, und durch verniinftige Schlüsse in ihrer Erkenntniß so weit bringen können. 
-Ob sie gleich GOtt und die Natur zum Theil für einerlei) annahmen , so glaub- 
ten doch die meisten, daß dieses höhere Wesen sich über der Erde und im Himmel 
aufhalte. Sie hielten es daher für eine dem Menschen gleichsam angebohrne Bewe- 
gung, die Augen gen .Himmel aufzuschlagen, oder wohl gar die Hände empor zu he- 
ben, wenn ihm etwas böses oder gutes wiederfcihrt, weil le-eydes von oben herab 
kommt, und man den Himmel für das Gute danken, und für das Uebel um Hülfe bit- 
ten muß. Es laßt sich leicht begreifen, daß die.Himmelskörper auch den unwiß"end- 
ften Nationen ein gewisses Erstaunen haben beybringen müssen. Die Sonne, welche 
durch ihre Wärme alles hervorbringt und belehrt, deren Daseyn den Erdboden erleuch- 
tet, und deren Abwesenheit Finsterniß macht; der Mond, welcher den Menschen eben- 
falls sein Licht mittheilet, die Pracht des mit den übrigen unzähligen Sternen prangenden 
Weltgebciudes, der Lauf derselben, dieses alles sahen sie mit Bewunderung an, und 
weil sie nicht- begreiffen konnten, wie es entstanden, und den wahren Urheber nicht 
wußten, so war es ziemlich natürlich, daß sie auf die Gedanken geriethen- dies wä- 
ren Götter, und daß sie ihnen einen mit gewißen feyerlichen Gebrciuchen verknüpften 
Dienst erwiesen.  
M--ge  Plato bekrciftiget dieses, und sagt daß die Griechen sowohl als andre Barba- 
I;Z XIV ten die Himmelskörper für Götter gehalten, ja daß das griechische Wort  
denGrsesGOtt, Von  laufen, nämlich von dem Lauf der himmlischen Körper entstanden 
 Nachgehends fieng man an, Personen und Helden als Götter zu verehren, und 
sie unter gewissen Figuren und mit eignen Attributen anzubeten. Zuletzt vergötterte 
man auch die Tugenden, ja so gar einige Laster, jedes Land , jede Stadt, jedes Haus 
bekam seinen besondern Götzen, jeder Mensch hatte seine eigne Gottheit oder einen 
bösen und guten Genius. Nicht nur der Himmel, sondern die Erde, das Meer, und 
die Unterwelt wurde mit Gottheiten, die theils darinn regierten, theils sonst darinn 
lebten, angefüllt. 
Viele dieser Götter entstanden im Gehirn der Dichter, welche die Geschichte 
grosser Männer verschönerten, Erdichtungen hinzu1ei5ten, und dadurch die Fabellehre 
immer Verwirrter machten, so daß niemand zuletzt wuste was wahr und was falsch war. 
Die Klü ern glaubten das wenigste Von diesen Fabeln, und über-liessen solches dem ge- 
meinen 3J1ann, sie nahmen ein oberstes höchstes Gut an, welches sie den Ursprung 
und Anfang aller Dinge nannten, und machten die ciuserlichen Religionsgebrciuche 
mit. Da einer jeden Gottheit eine besondre Verrichtung zugeschrieben ward, so wur- 
de iie auch vorncimlich in solchen Fällen angerufsen , sie hatte ihren eignen Dienst, und 
ihre besondre Arten von Opfer. 
  Die Götter wurden vorniimlich in zwei) Klassen abgetheilt, in die Obern, und 
Geringern oder Halbgdtter (Dii maiokum und mik1okum gentium). Die Zahl der 
Obern oder der vornehmsten Götter belief sich auf zwölf. Hei-odotus schreibt, daß die 
-Egypter anfangs nur zwölf Götter gehabt haben. Die Griechen- Welche ihre Weisheit- 
-und den grbfcen Theil des Gottesdienfces von ihnen bekamen, wie denn Phthagoras, 
-Plato, und viele andere Philosophen nach Egypten reiseten, um sich in der Relggion, 
   er
        

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