Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Ikonologie der Götter nebst einem Generalregister enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046867
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4547992
der Götter. - 1k93  
müthsneigung zu sehn pflegt als das Alter, und weil Verliebte oft kindische Handlun- 
gen begehen. Man Verbindet ihm die Augen, oder malt ihn gar blind, weil die Liebe 
blind, und ohne Ueberlegnng handelt, auch die Fehler des geliebten Gegenstandes 
nicht entdeck"et. Die dem Amor aber Augen geben, sehen solche als den SiH der Liebe 
an, oder weil deren Ausdruck die Liebe leichtlich Verräth. Bald sieht man 1hntanzen-, 
bald spielen, bald Blumen pf.ücken, bald auf Bäumen klettern, alles dieses sind Wir- 
kungen des Vergnügens, welches die Liebe, erzeuget. Und eben dieses drücken die Ma- 
ler dadurch aus, wenn sie den Gott der Liebe abbilden, wie er mit seiner Mutter spielt, 
die ihm bald den Kdcher Vol-enthält, bald einen Pfeil nimmt, bald auf eine andere 
Weise neckt. Manchmal beschciftigt er sich mit einer Taube, oder einem Schwan- 
den seiner Mutter geheiligten Vögeln; oder lehnt sich auf eine kleine Saale oder Fuß- 
gestell, und scheint auf einen auszuübenden Streich zu sinnen.  Zuweilen sitzt er auf 
dem Schoose seiner Mutter, oder zu ihren Füssen , bliißt auch wohl in ein Horn. 
Man sieht ihn manchmal Vor einem brennenden Altar auf einer aus mehrern Röhre-n 
zusammen gesetzten Pfeife spielen. Von seinem Umherflattern ermüdet, erblickt man 
ihn oft auf einem Rasen , oder unter einem Baume hingestreckt schlafen , Pfeile, Bo- 
gen und Kdcher liegen neben ihm, oder sind an einem Baume aufgehangen. 
Amor fliegt in der Luft, auf der Erde und auf dem Meer umher; dieses zeigt 
die Macht der Liebe an,-welche allgemein ist, und von der sich nichts ausschliesTet; 
und wenn er sich behm Raube des Pluto einß"ndet, so will man dadurch beweisen, 
daß auch die Unterwelt den Gesetzen dieses kleinen Gottes unterworfen sey. So sieht 
man ihn auch oft auf einem Delphin reiten, entweder die Gewalt der Liebe im Meer, 
oder die Liebe des .Delphins gegen den Menschen anzudeuten. Er ringt mit einem 
Hahn, und scheint ihn, als eines der Ver.-liebteiien Thiere zu bezwingen. Er reitet auf 
einem Löwen, oder spielt mit ihm, um dadurch anzudeuten, daß die Liebe die sicirk"sten 
Thiere bezwingt, und die rohesten Gemüther beziihmt. Wenn er auf einem mit Lö- 
wen bespannten Wagen fährt, und sie mit der Peitsche antreibt, wenn er einen Ti- 
ger schlcigt, und was dergleichen mehr ist, so sind dieses alles Allegorien von der Ge- 
walt der Liebe. Dahin gehören auch die Abbildungen, wenn man ihn mit dem Blitze 
Jupiters in der Hand, oder mit derKeule des Herkules, oder mit dem Heim und 
c-Echwerdte des Mars, mit dem Drevzack des Neptuns, mit dem Thhrsus des Bacchus 
licht; daher man auch die Fabel ersonnen hat, daß er einst sich unterstanden, den Göt- 
tern diese Attribute zu entwenden. 
Wir sehen den Amor gemeiniglich geflügelt, und dieses deutet entweder die Ver- 
änderlichkeit der Liebe an, oder die Geschwindigkeit derselben. Die gewöhnlichen 
Waffen des-Amors , Köcher, Pfeil und Bogen sind zu bekannt, als daß wir uns lange 
dabei) aufhalten sollten. Die Pfeile sind ebenfalls ein Sinnbild, daß die Liebe aller 
Herzen dnrchdringetund verwundet. Ovid befchreibt uns zweierlei) Pfeile, vergol- 
dete und ,bleierne. Jene erweckten eine gegenseitige Liebe, diese machten uneinPß"nd- 
lich, und der Gott bediente sich ihrer zur Strafe. 
Equc fagitcifcra prom13r ( Cupido) du0.tc1a pharetra 
Diverforum opcrum. Fugar hoc, facit i1lud amorcm. 
(Yod facit auratum eFc, Z( cufpide folget acura:,l 
Qgod fuga;t obrufum c1k, sc habet fub arundine plumbum. 
    
Sehr hä1Iä"gtriftrnan ihn auch mit einer brennenFen Fackel, wodurch das Feuer det- 
Liebe, welches er m den Herzen der Menschen ans-endet, angedeutet wird. Zuweilen 
111. Hanptth. V111. Band.  (b b)  kämpft 
        

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