Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher die Ikonologie der Götter nebst einem Generalregister enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046867
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4547144
1o8s Wahre"Abbildung 
auch zu ihrem Andenken einen Tempel erbauet. Sie hat,den Rahmen von dem weissen 
Schaum des Wassers; daher Hesiodus ihre weissen Haare, und milchweiiTe-Z Angesicht 
rühmet. Die Maler haben ihren Triumph oder ihre Fahrt auf der See oft vorge- 
stellt, wozu Philostratus vielleicht den ersten Gedanken gegeben. Sie fahrt auf einem 
von Delphinen gezogenen Wagen einher, und ist mit vielen WasTernymphen umgeben. 
Sie hält ihr purpurnes Gewand über den Kopf, daß der Wind wie in die Seegel 
hinein b!aset. Der Triumph der Galate, welchen Raphael im kleinen farnefischen 
Pallas: zu Rom gemalt, ist berühmt.   
Sirenen. Die Syrenen werden auch von den meisten zu den Meergdttinnen gezehlt. Ihre 
Anzahl wird auf drei) gesetzt, sie waren Töchter des Acl)eloUs Und der Muse MelPO- 
mene oderCalliope, und hiessen Leucosia, Parthenope, und Ligia. Weil sie die Pro- 
serpina nicht besser in Acht genommen, als Plato selbige entführte, so verwandelte 
Ceres sie in Ungeheuer, die weibliche Gesichter und Brüste behielten, aber übri- 
gens Fl-iigel hatten, und den Vögeln ähnlich waren. Juno überredete sie, mit den 
Musen in die Wette zu singen, für welcl)e Verwegenheit diese ihnen die Federn aus- 
rauften, und sich Kränze davon machten. Sie hatten übrigens lange fliegende Haare, 
und breite .Hahnenfüsse. So stellten die Alten die Sirenen vor, wie VoMus in seinem 
Buche von der heidnischen Theologie zeigt; die neuern bilden sie als Weibspersonen 
ab, die sich unten in einen Fisch endigen, wovon wir keine Spur in alten Monumen- 
menten und Schriften Enden. Sie hielten sich in denJnseln bemn pelorischen Vorge- 
bürge auf, lockten alle vorbeyfahrenden durch ihren lieblichen Gesang an sich, und 
brachten sdlche um, daher die Inseln in der Entfernung von Menschenknochen ganz 
weiß schienen. Sie thaten dieses darum, weil ihnen ihr Ende prophezeictwar, wenn 
jemand vorbey fahren würde, ohne sich von ihnen verführen zu lassen.  
Ulysses ließ, wie die Fabel sagt, seinen Leuten die Ohren versiopfen, und sich 
selbst an einen Mastbaum binden, bis er die Insel glücklich vorbei) gefahren war. 
Als die Sirenen diesescsahen, stürzten sie sich aus Verzweiflung ins Meer, und wur- 
den in Felsen verwandelt. Einige sind der Meinung, daß gewisse gefcihrliche Klippen, 
die Si)renen geheissen, zu dieser Fabel Gelegenheit gegeben; Andre deuten solche auf 
berüchtigte liederliche Wcibspersonen, welche in dieser Gegend gewohnt, die vorbehrei- 
senden an sich gelockt, nnd nicht eher Von lich gelassen , als bis sie ihr Vermögen an sich 
gezogen; noch andre suchen in dieser ganzen Er-;ehlung nichts weiter, als einen mora- 
lischen Sinn. Die Wollust lockt die Gemüther unter allerlei) reiz-enden und sinnlicher: 
Vergnügungen an sich, und führt zum Verderben; hingegen kann man ihr, wie 
Ulnises den Svrenen, durch einen festen Vorsatz und durch Standhaftigkeit entgehen. 
S-pas Typhon und die .Echidna werden von den meisten für die Eltern der Seylla 
sind Eva- angegeben, doch nennen andre Schriftsteller noch dreyerley Vater und Mütter. 
"9W" Ihre Schönheit zog ihr die Liebe des Glaukus zu, da selbiger aber auch von der Circe 
vergebens geliebet wurde, so machte diese berühmte Zauberin aus Neid, daß als 
Schlla ins Wasser stieg um sich zu baden, an ihren Unterleibe rings umher Hunds- 
Köpse hervor wuchsen. Hinterwcirts bekam sie den Schwanz einer Schlange, und 
 fügte mit ihren vielen Köpfen, die nach einigen von sechs verschiednen Thieren waren, 
und drey Reihen Zähne hatten, den Vorbehschisfenden vielen Schaden zu. Andre sa- 
gen, Amphitrite habe die Seylla also verwandelt, weil Neptun ihr nachgestellt.  
C-igentlich war die Sct)l1a nichts anders als eine gefährliche Klippe, in der See 
ztpisljhen Neapel und SiFilien. Weil die Felsen hohl waren, und wenn die Wellen 
hinein schlugen, ein Getose machten, das viel ähnliches mit den Geheul der Hunde 
hatte,
        

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