Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher drey Abtheilungen enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046857
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4345503
als Bildhauern, Steinschneidern und Baumeistern. 379 
Er ß"eiig vielinehr an mit gröster E-msigkeit sich auf das Glasschneiden zu legen, und 
brachte es viel weiter darinn, als der Vater, weil er die Akademie sleißig besuchte, 
fiel) im Zeichnen nach Mode-lieu und dem nackenden übte, und dadurch eine weit festere 
Hand und ricl)tigere Zeichnung erhielt. Heinrich Scl)wanhard schnitt ganze Städte, 
als Nürnberg und andre in Glas, iind beobachtete dabei) so viel möglich die Regeln 
der Perspektiv. Er erfand eine Composition, dadurch er in Crystall cilzen konnte, 
so wie man im Metall ciizet, und arbeitete dadurch nicht nur einwclrts, sondern auch 
sogar erhoben in Chri)stall. Er stellte auf diese Art ganze menschliche Figuren- Thiere 
Blumen und Kräuter auf das natürlichste vor. Sein Bruder Georg war zwar auch 
ein geschickter Künstler, allein seine schwcichliche Gesundheit und Gliederkrankheit 
hielte ihn viel von der Arbeit ab, daß er des Bruders Fertigkeit nicht erreichen konnte. 
 16. Nikolaus Millich. 
Nikolaus Millich war um das Jahr 1633. zu Antwerpen gebohren, und ein 
geschickter Bildhauer. Der Ruf von seiner Kunst verbreitete sich bis nach Schwe- 
den, -und die Königin Hedwig Eleonora ließ sich dadurch bewegen, ihn nach Stock- 
holm zu berufen, um ihr iieugebautes Lustscl)loß mit Statuen und andrer Bildhauer- 
,arbeit auszuzieren. Sein erstes Werk war die Statue einer Minerva in Lebensgrösse 
von Marmor. Er zeigte darinn seine Wissenschaft im nackenden, ein gutes Studium 
der Antiken, eine edle Stellung, und wol)lgeworfne Gewänder. Nachgehends lieferte 
er auch die neun Musen nebst dem Apollo, sechzehn Statuen von Tugenden, alle in 
Lebensgrösse von Marmor. Millich entdeckte schöne Marmorbrüche in diesem Reiche 
die ihm bei) seiner Arbeit von grossen Nutzen waren. Er besaß mehr Geschicklichkeit 
zu grossen' als zii kleinen Werken, und arbeitete nicht nur in Marmor, sondern auch 
in Metall und Holz. Ja allen seinen Werken bemerkte man viel Beurtheilung und 
C-rsF"ndung, eine gute Wahl der Figuren, und ihrer Stellungen. Das Nackende 
schien weich und sleiscl)ig, und die Umrisse liefen sanft in einander fort. Millicl) stund 
bei) der ersten Ausgabe dieses Bachs zu Stockholm in grossein Ansehen und war da- 
mals nicht alter als 45. Jahre. 
 17, Nieodemus Tessin.  
Nicodemus Tessin erblickte die Welt im Jahr I619. zu Stralsund. Weil seine 
Eltern angesehene und bemitteIte Leute waren, so ließen sie ihn zur Gelehrsamkeit 
anführen: nachdem diene aber frühzeitig aus der Welt musten , nnd Tessin viele Nei- 
gung zur Kriegsbaukunst spüren ließ, so scl)ickten ihn seine Verwandten zu einem Jn- 
geiiieur, der ihn darinn unterrichten sollte. Der junge Tessin erlernte- diese Wissen- 
schaft mit solcher Begierde, daß er schon im neunzehnten Jahre zum schwediscl)en 
Dienste tüchtig befunden wurde. Weil er aber bei) seinem schwcichlichen Körper die 
Strapazen im Felde nicht aushalten konnte, so wählte er statt der Kriegs- die Bür- 
gerlicl)e Baukunst, und brachte es durch sein Genie so weit, daß die Königin Christian 
ihn nach Schweden berief, im Jahr 1645. zu ihrem Baumeister machte, und auf ihre 
Kosten nach Jtalien schickte, um dort den richtigen und zugleich schönen Geschmack in 
seiner Kunst zu erlernen, und sich durch Abzeichnung der besten alten und neuen -Muster 
zu bilden. Nach der Zurutkkunst ist er lebenslang in königlicl)en Diensten geblieben, 
und hat sich durch Ausführung der prcichtigsten Werke, und durch seine grosse Wissen- 
schaft in der Baukunst einen unsterblicl)en Rahmen gemacht. Um nur einige von sei- 
nen Gebäuden anzuführen, so sind die königlichen LUstschlösser Drottingholin, und 
Stromsholm, und das Begrcibniß des Königs Carl Gustavs von seiner Ersindung: 
der vielen PallciiIe und Privathciuser in Stockholm, und auf dem -Lande, und in an-, 
dern Stiidten nicht zu gedenken.  
        

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