Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher drey Abtheilungen enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046857
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4343316
182 Kap. 21. Von einigen berühmten Künstlern des I7. Jahrhunderts 
.Gat-ti gestochenes Zeichenbucl) heraus. Sein Umgang mit den Scholaren war unge- 
mein liebreich und nutzbar. Viele vornehme Herren und Cardincile besuchten ihn, 
bewunderte-n seine Werke, und waren mit der guten Aufnahme zufrieden. Guercino 
that verschiedene Reisen in die Städte Italiens, wo man seine Arbeit verlangte. 
Als er nach Venedig kam, -gieng er zum Palma in Gesellschaft eines Freundes, wel- 
cher bey- Vorzeigung Von Guercins Zeichenbuche zu diesem berühmten Maler sagte: 
es wäre die Arbeit eines jungen Menschen, der zu ihm in die Schule zu kommen 
wünschte. Palma blcitterte es durch , und rief endlich voll Verwunderung über die 
schöne Kunst aus: dieser Schüler versteht mehr als ich. Wie er aber hörte, daß es 
Guercino selbst war, empsi"eng er ihn sehr freundschaftlich. Die Stadt Regio 
schenkte ihm eine goldne Kette in Ansehung der Gemcilde- welche er für den dasigen 
Dom verfertigt hatte. Sein heiliger Wilhelm, den er für die Kirche des heiligen 
Gregorius zu Bologna malte, war Ursache, daß die daselbst befindlichen Bilder des 
Ludwig Carakci weniger geachtet wurden. 
Guercino liebte Italien dergestalt, daß er den Ruf der Könige Von England 
und Frankreich als Hofmaler ausschlug: hingegen gieng er auf Verlangen Grego- 
rius XV. nach Rom. Er sollte die L-oge, aus welcher der PabITt den Seegen ertheilet, 
malen, allein durch dessen Tod gieng die Sache zurück. Inzwischen fehlte es ihm nicht 
an andern Arbeiten, wodurch er sich während seines Aufenthaltes in Rom zeigte. 
Unter andern Verfertigte er die heilige Petronilla in der Peterskirche, eines der be- 
rühmtesten Gemcilde in der ganzen Stadt, und in der Villa Ludovisi die Aurora , auf 
nassem Kalk, ein Werk, das nicht weniger sehr bekannt ist. Zu Maria della Vit- 
toria ein (-?-.zemcilde Von der heiligen Dreieinigkeit; in der Chiesa nuova den heiligen 
Philippus Neri, .u. a. m. Nach seiner Zurückkunft in Ccnto machte der Herzog von 
Mantua ihn zum Ritter: Er hielt sich darauf bald zu Bologna, bald zu Regio und 
Modena auf, und begab sich zuletzt nach Placenz, um die non Morazzoneangefangene 
Kup"pel des Doms auszumalen. 
So lange Guido lebte, der sein Nebenbuhler in der Kunst war, wohnte er zu 
Cento: nach dessen Tode aber ließ er sich zu Bologna wohnhaft nieder. Dies war 
der Zeitpunkt, wo er seine zwente Manier wählte: Er schafte nämlich das dunkle Co- 
lorit" ab, und nahm ein lichteres und angenehtneres an. Die bekannte Königin Chri- 
ftina besuchte ihn auf ihrer Durchreise, nahm ihn- bei) der Hand, und setzte hinzu: 
sie freue sich eine Hand zu berühren, die fo viel schöne Sachen hervorgebracht hätte. 
Guercino arbeitete mit einer erstaunlichen Fertigkeit. So wie er eine Sache 
anlegte, so blieb sie, ohne daß er sie ausbesserte: er wurde dadurch aber zuweilen 
unrichtig, und vernachlaßigte den Ausdruck. Er war von angenehmen Umgange, 
und besaß die guten Eigenschaften, daß er von niemand übel redete, nnd die Werke 
andrer Meister nicht verachtete, noch mit scheelen Augen ansahc. Nur konnte er 
nicht wohl leiden, daß man bei) seiner Arbeit auf ihm acht gFab. Ueber den Tod 
seines Bruders Anton, der sein Hauswes"en besorgt hatte, onnte er sich anfangs 
auf keine Weise trösten. Er hatte demselben bisher dergleichen Sachen gerne-überlaß 
sen, und wuste sich daher jetzt gar nicht zu helfen." Aus Unwillen wollte er die Ma- 
lerei) liegen lassen. Der Herzog von Mantua ließ ihn aber zu sich kommen, und ge- 
sellte ihm Leute z-u, die ihn aufmuntern mußten. Darüber vergaß er endlich seinen 
Schmerz, und kehrte wieder nach Bologna zu seiner Arbeit, welche er bis in fein 
sechs und siebenzigstes Jahr unverdrossen fortsel5te. Er starb 1666, und man fund 
nach seinem Tode ein ansehnliches Vermögen. Wenige Meister haben so viel Esel-te 
 inter-
        

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