Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher vier Abtheilungen enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046840
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4560391
4o Kap.14. Von der Malerey mit Wasser und 0elfarben, sc. 
entstehen, sind hierbei) zu gebrauchen: nur muß man sich für weisser Kalckfarbe hü- 
ten, als welche zu scharf und zu stark ist; und zum biau Leimwaiser nehmen, weildas 
E-ygelb das Blau grünlich fcirbt- welches bei) Leim oder Gummi nicht zu befürchten 
sieht. Was die Dauer einer solchen Malerey betrift, so findet man Arbeiten, die 
über -hundert Jahr alt sind, und sich sehr gut halten. Nur ist da-bei) zu beobachten, daß 
sie bloß in trocknen Zimmer"n zu gebrauchen, weil sie der Feuchtigkeit nicht widersteht. 
Alle Arten von Malerei) wurden verdunkelt, so bald man die Oelmaleret) erfand, 
und sahe, daß die Farben durch diese Mischung eine Dauer erhielten, und sich wohl ver- 
arbeiten liessen. Die Jtali.äuer habet! Mk) die Erfindung zueignen wollen: allein der 
Ruhm gebührt vielmehr den Niederlcindern. Jan und .Hubert von Euch aus Brügge 
in F-landern gebürtig, sind vielmehr zuerst aus den glücklichen Einfall gerathen, die 
Farben mitOel zu bereiten. Jener 1"lberschickte dem Kdnig"Alfonsus , und Friedrich It. 
Herzog von1lrbino, jedem ein Stück, das den heiligen Hieronimus3 vorstellte, in sein 
Kabinett, welche nachmals Laurentius de Medicis erhielte. Sie verfertigten viele Ar- 
beit nach dieser neuen Ersi"ndung. Ihnen folgte ihr Schüler Rugiero,.nebst seinem 
Sohn. Von dem Vater sahe man ein Stück zu S. Maria nuova zu Florenz, welches 
jetzt in der Großherzoglichen Gallerie befindlich ist. 
Das Oe! giebt den Farben eine gewisse Lebhaftigkeit, und macht daß i7e gut zu 
gebraucl)en sind, indem sie dadurch geschmeidig werden. Es benimmt ihnen die un- 
reine Härtigkeit, und inaci)t sie fester und zusammenhaltender gegen alle Feuchtigkeit, 
daß sie nicht so leicht verschwinden oder sich auflösen. Die Farben müssen vorher auf 
einem glatten Stein wohlgerieben werden. 
Zu einem Gemcilde mit Oelfarben wird erfordert, daß die Leinwand, worauf ge- 
malt werden soll, zu fördert? gegründet werde- Man mischt nemlich weiß, gelb, roth 
und fchwarz untereinander, und zwar zu gleichen Theilen, damit keine Farbe vorfchlage, 
oder man nimmt Bolus, oder KeiTelbraun allein. Mit dieser Mischung 1iberitreicht 
man die Leinwand ein oder zwe1)mal, bis sie glatt iiberzogen ist. Das heißt griinden: 
alsdenn legt der Künstler, wie im vorigen Kapitel angezeigt worden, seine auf der un- 
tern Seite mit Kreide beiirichene Zeichnung darauf, und drückt sie ab: der Grund 
wird solche leicht annehmen. 
Wer aber seine Kunst besser Versteht, zeichnet seine Gedanken gleich aus freier 
Hand auf die Leinwand, und fängt nachher an, sie zu untermalen. Noch besser ist es, 
die Figuren gleich nach dem Leben auszumalen, und ihnen die Farbe zu geben, die ihnen 
zukommt. Diese Manier ist die hurtigste, erfordert aber auch, daß der Meister seinen 
Gegenstand wohl durchgedacht habe, und in Gedanken schon wisse, wie sich dieses oder 
jenes ausnehmen werde, weil sich nachher nicht wohl bessern läßt. Künstler die II) lang- 
sam und furchtsam arbeiten, zeigen dadurch, daß sie ihrer Sache nicht gewiß sind, und 
den rechten Grund zu ihrer Kunst nicht gelegt haben. Jst dieses aber geschehen, und 
der Künstler hat sich durch anhaltenden Fleiß, Uebung und Fertigkeit erworben, und 
er wird Von seinem Genie unteritüizet, so kann er sich auch einen. allgemeinen Beyfall 
gewiß Versprechen.   
Man hat sich nicht begnügen lassen auf Kalk und Leinwand zu malen, sondern-Ver.-h 
schiedene Künstler haben auch glückliche Versuche gemacht, auf Marmor und Stein zu 
arbeiten. Ver) Genua finden sich Steine Lafcri genau-t, worauf Ach gut malen läßt, 
weit bequemer sind aber die in Deutschland am Rhein und andern Orten beg1dlichen 
"chiefer-
        

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