Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von der Bildhauer-Kunst, welche aus drey Abtheilungen bestehet und in der ersten Regeln der Bildhauerkunst, nebst alten Statuen, als Muster derselben, in der andern noch mehr alte Statuen und die musikalischen Instrumente der Alten, in der dritten Audrans Regeln von der Verhältnis des Menschen enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046825
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4551757
nebst der Erklärung der vorgeftelIten alten BasrcIiefs. 8Z 
Livia, auf deren Tod er eine öffentliche Lobrede hielt. Im zwuUzt"gftFU Ik1bk8 b8rtefF;VZ;2; 
Tiber ihn nach der Insel Caprea, wo er sich sehr bei) dem gottlosen Kaiser  
kheln lvuste. Er folgte dessen bds"en Bei)spiele gar bald, sahe das hinrichten der un-  
fchuldig Verurtheilten mit Vergnügen, und lief verkleidetbei) der Nacht in -alle lieder- 
liche Häuser. Er war lang, gelb von Farbe, hatte einen dicken Bauch- EIN ßUi12kE 
breite Stirne , tief liegende Augen und einen kahlen Kopf - am übrigen Leibe war er 
rauch und haarigt; deswegen durfte niemand, wo er Vorbei) gieng , von oben herab 
auf ihn schauen, noch eine Ziege nennen. Sein ohnehin wildes Gesicht gewohnte er 
im Spiegel zu noch grausamern Mienen. Man glaubte- sein blöder Verstand ruhe-e 
         
und sehrunruhig- weil er immer von Scl)re en un ei )tern an gewe war e: er- 
ieufzete daher immer nach den Anbruch des Tages.  
 Seine erste Gema"hlinn Julia Claudilla, des Ritters M; ShlIanus Tochter, starb G-m-H. 
in der Geburt. Die andere, Livia Horestilla, ward ihrem Bräutigam Piso, und die  
dritte, Lollia Paullina- ihrem Manne Memmius Regulus genommen. Beyde ließ er 
bald wieder von sich; jene verbannte er, als sie ihren vorigen Bräutigam heirathen 
wollte, und dieser verbot er bei) Lebensstrafe, weder zu ihrem vorigen Manne zurück 
zu kehren, noch einem andern die Hand zu geben. Die vierte, Cäs"onia, war weder 
jung noch fchön, er liebte sie aber unsinnig, weil s7e ihm in Ansehung des wilden fre- 
chen Charakters gleichte. Sie mußte beständig um ihn seyn, und oft in kriegerischer 
Tracht mit ihm reiten. Zuweilen zeigte er sie seinen Freunden nackend. 
Tiber- an dessen Tod er Ursache gewesen seyn soll, hatte ihn zum Sohn und Ratt)-as-Y- 
folger angenommen, vielleicht um durch einen bösen Nachfolger das Ansehen eines:;-M;-. 
bessern Regenten zu erhalten, oder aus Haß gegen den Rath, um denselben gleichsam 
einem Scharfrichter zu übergeben: denn er pflegte zu sagen, er erzöge dem römischen 
Reiche eine Otter, und der Welt einen Phaeton.  Caligula hielte dem Tiber eine 
öffentliche Leichenrede. Beym Autritte der Regierung gab er gute Hofnung von sich- 
uennte sich einen Sohn des Raths- minderte die öffentlichen Abgaben , bezahlte die 
VermciehtniIse Tibers und der LiVia mit seinem Gelde. Er war seines treslichen 
Vaters wegen allenthalben und sonderlich bei) den Soldaten beliebt, die ihn den from- 
men, den besten, und einen Vater des Krieg-3heeres nannten. Er suchte auch die Wis2 
senschaften zu befördern, und legte zu Lion eine Reduersehule an.  Die Freude währte 
aber nicht lange, indem er gar bald anß"eng sich in allen Lasiern herum zu walzen. Er-Sei-:- 
wnrde der ärgste Verschwender, badete sich in den kostbarsten Salben, trank im Eilig W"" 
geschmolzene Perlen, und setzte den Gästen göldne Speisen auf. Mit Bauen brachte 
er entsetzliche Summen durch. Er ließ Schiffe von Cedernholz bauen, am .Hintertheile 
mit Perlen beselzen, legte grosse Zimmer und Spaziergange dartun an, ließ Weinstöcke 
und Obsibciume darauf pflanzen, und fuhr-damit an den campanisehen Ufern unter 
Gesang und Musik spazieren. Seine Gebäude in der Stadt und aus dem Lande koste- 
ten auch ungemein Viel- waren aber ohne Geschmack angelegt. Mit einem Worte- er 
brachte in dem ersten Jahre seiner Regierung tausend Tonnen Geldes, welche Tiber 
hiuterlassen, durch.  
Um die Mittel zu diesen VerIkhwendungen zu finden, mußten nothwendig uner- Geiz 
hörte Abgaben aufgelegt werden, die das Volk kaum aufbringen konnte. Die Aemter 
wurden verkauft, die Z-Sile gesteigert. Man legte bei) Hofe öffentliche Hurenhciuier 
an, um Geld daraus zu lösen , und schickte seine Leute aus, Alte und Junge dahin ein- 
zuladen. Er zwang die Leute ihn zum Erben einzusetzen, lebten sie zu lange , so ließ 
er ihnen Gift geben, nnd sagte lachend; Niemand müßte sein Testament überleben. 
Von
        

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