Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
welcher von den Baumaterialien, den fünf Ordnungen und deren Regeln handelt, und die Vorstellung der römischen Kirchen enthält
Person:
Sandrart, Joachim von Volkmann, Johann Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040392
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4555343
Cap. 1o. Von einem vollkommenen Gebäude. 21 
Abtheilungen von Rosen oder Stierköpfen maä)en. Eben so ist es mit den Leuchtern 
und Greifen den C. beschaffen. Bei) dem Lanbwerke B. ist zu bemerken, daß dessen Gru- 
be D- gerade über der Säule stehe, und daraus das Laubwerk ,nachl)er so weit weglaufe, 
als nöthig ist. 
Die Alten brauchten zuweilen statt der Säulen den Portalen und Begr.cilmisTen, 
andere Arten von Ornamenten: z. E. die Terminos, oder Figuren mit Fruchtkörl)en auf 
dem Haupte statt des (-sapitcils, oder halbe Figuren und Satyren, die nach der Vase 
pyramidalisch zuliefen, zuweilen auch allerlei) Grotesquen , wie solches ein jeder Bau- 
meister hierfür gut befand.    
Gothische Banner nennet man diejenige, welche nach dem Verfalle des guten Ge-g-B 
schmackes üblich wurde: wo weder richtige Verhältnisse, gehörige Eintheilungen, noch -U-Z W 
mit Verstand angebr.acbte Zierrathen anzutreffen sind. Die Gothen brachten solche 
nach Italien, nachdem alle gute Künstler vertrieben waren. Dieser schlechte Geschmack 
bat auch gar lange in unserm Teutschlande geherrschet. Die vielen Thurme- als der 
Stevhansthurm zu Wien, der Minister zu Straßburg, und viele Cathedralkirchen in 
Frankreich, sind Beweise davon. Man bewundert die Fettigkeit dieser Gebäude, und muß 
einen gewinnt Fleiß und Gedult in der Ausführung loben. Allein man sieht dem Ganzen 
does) etwas cingi7liches und gezwungenes an. Die Zierrathen sind überhaupt an dem 
unrechten Orte angebracht. Mit einem Worte, es fehlte damals den Baumeistern die 
Wissenschaft einer klugen Disposition, welches die Seele der Baukunst ausmacht: heit- 
ten sie diese Wissenschaft besessen, so würdest sie unser Jahrhundert an Fleiß und an 
ldlider Bauart übertroffen haben. 
Das 
to. Kapitel. 
Von dem- 
was zu 
eitlem VvllkvmMMM 
gehöret. 
Gebäude 
III; will mich hier nicht auf alle besondere Fälle einlasTen, sondern nur überhaupt an- 
s zeigen, woran man einen vollkommenen Bau erkenne, und was zu einem guten 
und nukzbaren Gebäude erfordert werde.  
Man muß untersuchen, ob der B-aumeifter den Ort wohl abgemetTen habe, daß der Essai(-H 
Platz zum Gebäude zureicht?" ob der Grund tief und stark genug ist, die Last und Dicke  
der Mauer zu tragen; ob die Zimmer richtig ausgetheilet; ob die Säulenordnung recht 
angegeben; ob Fenster und Portale von gehöriger Grösse, und gut gezeichnet sind; ob 
Keller, Kirchen, Sveißkammern, Abtritte, kurz, jedes Gemach bequem angeleget ist; ob 
die Zimmer und Thüren wohl miteinander correfpondiren? Hat er lich in einem dieser 
Stücke versehrte- so ist es allemal ein grosser Fehler.  
Bei) einem guten Gebäude sollen die Gewölber, Keller und Kirchen triftig-  
und Feuer-sei? seyn. Die Hauvtthür soll ein paar S"tuffen von der Erde erl)öhet, und;JFgm, 
die äussere Facade prciiI)tig und , dem Gebäude gemäß- zierlich werden. Da der Haupt- Mex- 
eingang in der Mitte liegen muß- so kommen zu bevden Seiten eine gleiche Anzahl Fett-  
Her, Säulen, S(bwibbOgeU- und andere Zierrathen. Das Dach muß sich nach Pro-F;-swsns 
vortion des Gebäudes schicken- und das Gebäude- so viel möglich- für Regen und Wer- Y- 
ter schützen. 
1.Hauptth. I- Band.  
Der
        

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