Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3980600
SVc2Zchntes 
,,Lionard0,it schreibt Michelangelo, ,,d11 schreibst mir, das; Casfandra einen schönen Sohn zur Welt 
gebracht hat, daß sie steh wohl befindet und daß ihr ihn Bu0narroto nennen wollt: alles DreieS 
erfüllt mieh mit der größten Freude CHgrandissima al1egrezZaI Gott sei gedankt, möge er das Kind 
gedeihen lassen, damit es uns Ehre mache und die ,familie aufrecht erhalte. Sage der Casfandra 
meinen Dank und grlifze sie von mir.tt 
Es waren gerade die trübsten Zeiten fiir Toscana. Mitten darin veranßaltet Lionardo 
nun eine prächtige Taufe. Ein glänzender Zug vornehmer Florentinerinnen geleitet das Kind in 
die Kirche von San Giovanni. Vafari berichtet Michelangelo dariiber. Dein aber wird das zu 
viel. Er könne nicht begreifen, antwortet er, daß solches Wesen iiber die Ankunft eines Kindes 
jetzt gemacht wiirde. Der Mensch dürfe nicht lachende Feste feiern, wenn die ganze Welt in Thränen 
sei, l7huom0 non dee ridere quand0 tutt0 il mond0 piange. Vielleicht, daß in den1V0rwUrfe 
den er so aussprach, verhiillt ein noch weit ernsterer Gedanke versteckt lag g: er sah Toscana 
von den traurigsten Ereignissen erschüttert und trotzdem im Hause seines Neffen unbekiinnnerte Freude 
über die Geburt des Sohnes: er wollte sagen, das; die Zeiten angebrochen seien, in denen das 
Geschick des Vaterlandes fiir seine Bürger nicht mehr das war, was sie erhob oder bedrückte, das; 
ein gleichgültigeres Geschlecht lebe, das nichts mehr zu fühlen fähig war von dem patriotischen 
Entzücken i1nd der Verzweiflung, die ehedem das Herz eines Florentiners in solchen Fällen leidens 
sihaftlich erregten. Friiher stand bei den kriegen die Freiheit und die Ehre jedes Bürgers auf 
dem Spiele, jetzt handelte es sich nur um den Vortheil der DsZnaßie. Es giebt keinen trostloseren 
Anblick, als im Laufe der Jahrhunderte solche Gesinnungen hereinbrechen zu sehen, nichts Vers 
ächtlicheres als diese mit ihnen beginnende äußere Ruhe 11nd Ordnung. Alle individuelle, herzliche 
Theilnahme des Einzelnen am Ruhme des Vaterlandes wird aufgehoben, fast als etwas Vers 
brecherisches betrachtet. Man hat zu zahlen, zu schweigen und zu gehorchen. Man hat sich nicht 
um Dinge zu kiin1mern, die man nicht versteht. Solche Leute treten nun auf, die außer sich iiber 
die himmlische Anwesenheit Seiner Excellenz des Herzogs, um die Erlaubniß flehen, ihm die heiligen 
Füße küssen zu dürfen. So redet schon Vasari, und dennoch ist der noch ein Charakter und ein 
unabhängiger 
Mann, 
verglichen 
Leuten, 
hundert 
Diener 
Hs13ögs 
Den Anfang des Krieges machte die EmPörung von Siena gegen die spanische Besatzung. 
Cosimo hatte den Spaniern, seinen Bundesgenossen, zu Hülfe kommen miissen, aber die Dinge 
standen fiir den Kaiser so nngiinstig damals, das; er neutral blieb. Siena trat jeZt unter frank 
zdsischen Schutz. Noch stand C0simo gut mit J3rankreich, bis es ihm beim Wechsel der Verhältnisse 
nach einiger Zeit passend erschien, die Spanier mit Gewalt wieder in Siena einzuführen. Da kam 
Pier0 Str0zzi nach Siena, am ersten Januar 54 traf er ein und begann die Stadt zu befestigen. 
Noch war der Krieg nicht erklärt. Cosim0 hielt es für v0rtheilhaft, den ersten Schlag zu thun. 
Vier Tage lang wurde J3l0renz verschlossen gehalten, damit keine. Nachricht nach Siena 
gelange. Denn daß die stillen 2lnhänger der Frcilgcit zu Florenz im Geheimen zu wühlen l1egan11cn, 
scheint der Fall gewesen zu fein. Sogar in Sau Marco hielten die Mönche noch an der von 
fest und hatten ihre Gläubjgen unter den 
ward der Ueberfall von Siena vorbereitet. 
Bürgern. 
l0,000 Mann 
fanden 
sich einzeln und Nachts marschirend bei J7l0renz zusan1n1en und bewegten sich unbemerkt vorwärts, 
und während die Sanesen ein Fest feiern und Stro3zi zufällig abwesend ist, 1verden die Leitcrn 
angelegt. Trotzdem n1ißlingt der Anschlag. Doch der Krieg war begonnen, die Verwüstung des
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.