Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3980069
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die Kuppel umstehen sollten. Mancher glaubt hier einen ,fehler zu entdecken, weil er Michelangelo7s 
Absicht nicht kennt. Gerade darin aber zeigt er sich groß als Architekt, daß er die Bildhauerarbeit 
nicht als willkürlich anzubringende oder fortzulassende Verzierung nahm, sondern als architektonisches 
Element Verwandte, das zur Harmonie des Ganzen nothwendig war. 
Auch von innen betrachtet, wenn man mit zuriickgebogenem Kopfe in die lLuppel hineinblickt, 
bietet sich ein wunderbarer Anblick. Unter den Fenäern des Tambours her zieht sich ein Kreis 
von Figuren, die in lichten grauen Schatten und mit goldenen Lichtern auf weißem Grunde erscheinen. 
Die untere Ornamentik, die der Bogenspannung mit einbegriffen, die bunte Bekleidung der Pfeiler, 
die hineingearbeiteten Nischen mit Statuen darin, die Gemälde gehören späteren Zeiten an und 
haben nichts mit Michelangelo zu thun. 
Dies unendliche Uebenwerk, von dem die Kirche heute erfüllt ist und das, ohne Rücksicht 
auf die Architektur, wo sich nur Platz bot, angebracht worden ist, trägt die Schuld, daß uns der 
Bau nicht auf den ersten Blick in seiner wahren Größe erscheint. Das Auge, das frei die Massen 
überstiegen möchte, wird von unzähligen Dingen abgelenkt und verirrt sich. Beim öfteren Besuch 
der Kirche gewöhnt man sich daran, übersieht das Unbedeutende und läßt die VerhaltniHe rein auf 
sich wirken. Die grandiose Macht der Pfeiler und Bogenstellungen tritt dann hervor, und die 
Entfernungen, die sich zuerß kaum schäZen laÜ.en, werden begreiflich. Ich erinnere mich, das; ich 
eines Nachmittages eintrat. Vorn, wo ich stand, kamen große Sonnenströme durch die Seitenfenster 
und warfen zwischen den Bogen hindurch das breite Licht quer über den Boden, dann wurde es 
nach hinten zu allmälig dämmeriger bis ganz in die Tiefe, wo Dunkel herrschte, und um die Gruft, 
die die Gebeine des heiligen Petrus birgt, gerade in der Mitte der Kuppel, der Kranz von goldenen 
Lampen brannte. In einer unendlichen ,ferne schien das zu stehen. Riesenmäßig stiegen die 
fchattigen Bogen darüber empor, und das Orgelfpiel, das die heilige Handlung, die da gefeiert 
wurde, begleitete, drang nur wie ein sanftes Summen zu mir. Es schien, als sei die Kirche um 
das Doppelte gewachsen seit ich sie zuletzt betreten. 
Auf den1 Dache umhergehend, zwischen den Dächern der 21ebencapellen, welche herausragend 
über die Fläche wie kleine Tempel fiir sich dastehen, niedrig aber erscheinen neben dem Tambour, 
der die mittelüe Kuppel tragt und der jetzt mächtig wie das Pantheon aufragt, glaubt man sieh 
wie auf einer luftumflosfenen Insel, die eine Stadt für sich bildet. Alles in der Tiefe umher wirkt 
klein und entfernt und unbedeutend. In die Hofe des langgezogenen vaticanischen Palastes sieht 
man wie in leere Kästen hinein. Und ringsum hält den Blick dann das blaue rejngezogene Gebirge 
auf, und nach Westen der schimmernde Streifen des Meeres, der zwischen den sanft auslaufenden 
Enden des Gebirges sich aussPannt. Und so auch wie das Meer von St. Peter herab, ficht man 
die Kuppel vom Meere iiber dem fernen Horizonte schwebend als das erste Wahrzeichen Roms. 
Oder zu Lande der Stadt naherkommend, erblickt man den Bau in weiter Ferne durch ,felsen und 
Bäume über der äußersten Linie plötzlich nnd fühlt, daß man der Stadt nahe sei. Heute ist Rom 
nicht denkbar ohne den St. Peter Mjchelangelols, den zu Michelangelols Zeiten kein Auge sah als 
nur das feinige, wenn im Geist das Werk vor ihm aufstieg, das er bauen wollte. So gewaltig 
wie er sah es Keiner, denn ihm schwebte auch das vor den Augen, was später nicht vollendet 
worden iß.  
Die Peterskirche gewährt in 
wickelung der Bildha11erk11nst von 
sch1vebeI1d gleichsam, die Geschichte 
Br0nzcs und Marmor1verken eine sjchtbare Geschichte der Eins 
den ersten Zeiten bis auf die unsern. Sie enthält, darüber 
des Chrjstcnthums sowohl als der weltlichcI1 Gewalten. Was
        

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