Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3978300
Mirl,1clangelo.g 
andres 
Gedicht 
aI1gcfiihrt. 
Madrjgal, 
21iidJcla11gcl0 
J:I0kcIIZ7 
geliebte 
vcrba11ntcn 
Js1orcntj11cr 
trösten 
O du, an Schönheit Engeln nur vergleirhbarI 
Kind und Geliebte denen, die dich schufen 
Und nun in Sehnsucht sich um dich verzehren: 
Schläft die Gerechtigkeit im Himmel denn, 
Das; Einer für sich nehmen darf, was Allen 
In gleichem Maus; gehörts2 Laß deine Blicke 
Wie ehedem uns leuchten, denn was nützt 
Das Leben ohne dieser Sonne W0hlthat7 
tflorcnz 
antworten 
O ihr, bleibt eurer heillgen Sehns1ui;t treu, 
Denn der, der euch beraubt: voll Furcht wagt er 
Des grossen kfrevels ,frncht nicht zu genieszen. 
Euch bleibt die Liebe dochI Euch, arm und elend, 
Bleibt Hoffnung, während er im llebers1nsz, 
Die rasende Begierde nncrfüllt, 
Mit leeren Händen doppelt elend dastehtI 
1Vundcw0ll 
Vers: 
Col grau 
pccci1to. 
Es kann 2llessandro oder Cosimo daniit gen1ei1it sein. Die Uebersohrift hat Luigi del Riccio 
selbst dazugese1zt: ,,Von Messer Michelangelo Buonarroti; die Frau bedeutet ,florenztt. 
,;Zu jener Zeit malte Michelangelo auch endliih einmal wieder, nachdem er beinahe zwanzig 
Jahre keinen Pinsel angeriihrt, denn seit der Beendigung der Sistina scheint er das Malen völlig 
aufgegeben zu haben. ;Zwar n1ahnt ihn im Jahre l52.3 der Cardinal von Gan Marco in einein 
freundlichen Briefe an die Erfüllung des Versprechens, ihm ein Gemälde fiir sein Studienzimmer 
malen zu wollen, allein es muss wohl nicht dazu gekommen sein, oder das Werk, von dem weder 
Condivi noch Vasari wissen, ist spurlos verschwunden. Jetzt begann er die für den Herzog von 
J7errara bestinm1te Arbeit, Leda mit dem s3ihwan, in Te1nperafarbeI1, naihdem er zuerst einen Carton 
gezeiihnet. Dieser soll in England befindlich sein, doch habe ich ihn dort nicht gesehen. Auch das 
Original, von dem Einige behaupten, das; esVLudwig der Dreizehnte habe verbrennen lassen, soll 
in traurigem ;Zustande dahin gerettet worden sein. Wir haben alte Stiche und Copien, von denen 
einige schon in der friihesten Zeit angefertigt worden sind. Leicht zugänglich ist die auf dem Museum 
in Dresden, gross, kräftig und wohlerhalten, vielleicht von der Hand eines niederländischen Malers, 
und ganz geeignet eine Vorstellung von der .;Zeichnung und der Malerei zu geben. 
Ich will das Bild hier niiht beschreiben. Wie es Dinge giebt, die mir gesprochen werden 
können ohne eine. Darstellung im Bilde zu ertragen, so giebt es Gemälde, die keine Besihreibung 
dulden, weil das, was wir auf ihnen sehen, sieh zu verwandeln siheint indem es genannt wird. 
Nur das sei gesagt: während die anderen liiinstler, weint sie Leda mit dem Sihwane malten, 
nichts zu geben vermochten als den reizenden Körper einer Frau zu der ein Schwein sich spielend 
herandrängt, so daß, wenn das antike Märchen verloren wäre, sieh dessen tieferer Inhalt aus ihren 
Compositionen kaum errathen ließe, lässt Michelangelo die Gestalt der Leda und das Ereignis; dem 
sie unterliegt, so groß, so historisch im höchsten Sinne ersiheinen, das; man erstaunt über seine 
Fähigkeit, sowohl die Dinge aufzufassen als sie wiederzugeben. Reine seiner Frauen hat etwas 
so durchaus liolossales als diese Leda. Wie eine gestreckte Riesin liegt sie da, und das träumerisch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.