Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3978261
Gonfalonier 
besihliisse zu Stande kamen, urtheilten weder nach festen Regeln, noch oft genug nur auf Grund 
klarer Kenntniss. Den Beschlüssen n1angelte das Gepräge, das dem Worte eines ans sieh handelnden 
Alleinherrsihers Wirksamkeit giebt. Wo ein Cinziger fest sagt was er will, fühlt das Volk, das; 
eine 21dthigung eiI1tritt, entweder zu gehorrhen oder sich aufzulehnen; wo eine Majorität befiehlt, 
weiß jeder, das; am narhsten Tage der Besthl11sz wieder aufgehoben werden kann. Dadurch im 
s3ihoosze des Consiglio ein ewiges Hing und Herreden, die Meinung wechselt, die Eifersucht ruht 
niemals, das Misztrauen halt ewig seine Augen offen, und der Gonfalonier, statt den t2lussihIag 
zu geben, unterliegt dem Willen der aus zufälligen Ursaihen heute so, morgen anders gestimmten 
Biirgersrhaft. Und das Sihlimmste: dieser biirgerliihen vielköpfigen Regierung gegenüber befand 
sieh innerhalb der Martern trotzdem eine unabhängige Macht, alleinstehend, ohne Controle im 
Einzelnen und mit Platten im Kopfe, zu deren Geheimnissen Keiner den Srhliissel besass: Malatesta 
Baglioni. 
Als der Sohn des Herzogs von Ferrara den Oberbefehl niedergelegt hatte, forderte 21lalatesta 
dessen Stellung fiir sich und erhielt sie. Die Gestalt 21lalatestals steht immer wie der Schatten 
eines Teufels im Hintergrunde, wenn vom Untergange der florentinifihen Freiheit erzählt wird. 
Das aber kann man ihn1 nicht vorwerfen, daß er einen arglosen Freund betrogen. 
Diese Herren vom militärischen 211etier waren damals alle so. Nicht an 2lialatesta, sondern 
an dem System ging Florenz zu Grunde, dessen Vertreter er 1var. Man hielt ihn fiir nichts 
Besonderes. Was die Bürgerschaft bewogen hatte, ihr Vertrauen in ihn zu setzest, war die Bes 
reihnung seiner politischen Lage. Das Schicksal Malatestas hing mit dem von Florenz zusanunen. 
Er war ein Sohn jenes Baglioni, dem 21iachiavelli einst znn1 Vorwurf gemacht, das; er Giulio 
den ;5weiten sammt den Eardinalen nicht gefangen nahm, und der später von Leo dem Zehnten 
nach Rom gelockt und dort enthauptet wurde. Der Sohn eines solchen Mannes, glaubte man, 
werde nie zu den 21iedici Vertrauen haben, am wenigsten zu Clemens, unter dessen Beirath Leo 
damals gehandelt. Es war bekannt, das; in Rou1 nur die Gelegenheit erwartet wurde, um aus 
Perugia die Baglioni zu entfernen, wie die Bentivogli einst aus Bologna. Alle die kleinen 
Tyrannen sollten in den Stadien des lTirchenstaates entivc1rzelt und beseitigt werden. Das hatte 
Rlalatesta zu erwarten, mochte man ihm vom Vatikan aus fiir den Moment noch so giinstige 
Bedingungen stellen. Dagegen, war in Florenz die Freiheit von Bestand, so gewann er einen 
Rückhalt dadurih Rom gegenüber, den keine Freundschaft der Papste gab. 
Dem1och misZtraute man ihm. Denn auch fiir den entgegengesetzten Fall war die Rechnung 
einfach. Diesen Fall aber hatte man in Florenz mit weniger kaltem Blute vor Augen, als 
2lialatesta selbst. Er muß schon zu einer Zeit daran gedacht haben, sich fiir jeden möglichen Aus: 
gang den Rückzug zu decken, wo den Florentinern diese Politik seinerseits noih nicht in so hohem 
Grade fiir ihn geboten dauihte. Es bedarf, um 2lialatestas Stellung aufzufassen, keiner Eins 
hiillnngen oder Erwägung absonderliiher Eharaktereigensdpaften des Mannes. Er mußte, wenn er 
sich mit dem Papste verüandigen wollte, diesen nur an der Stelle packen, wo er sich halten ließ. 
Clemens hatte Oranien Versprechungen gemaiht, von denen er wußte, das; der Prinz sie mit Gewalt 
würde zur Erfüllung bringen können. Rahmen die liaiserlichen Florenz, so konnte Oranien mit 
den .Biirgern ohne den Papst unterhandeln, und wer weiß, wozu man sich aus Haß gegen die 
Medici und in Hoffnung ei11stiger besserer Wendung entschlossen hätte. Deshalb die Bemühungen 
des Papstes, mit den Bürgern in Verbindung zu bleiben. Und hier fand Malatesta seine Stellung. 
Unter allen Umständen mußte er verhindern, das; die Stadt in fremde Gewalt käme. Darin liegt
        

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