Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3977779
der Stadt gebildet hatte, sich z11 einer wirklichen Regierung umgestaltete und über Dinge von 
Gewicht debattirte ohne sich dabei um seine Meinung zi1 kümmern. Außer Cortona waren noch 
zwei andere von Clemens geschickte Eardinäle in Florenz, aber auch diese ivuszten nicht, ob man 
nachgeben oder energisch eingreifen solle. So kam es, daß, als die schlimmen 2iachriihten aus 
Rom eintrafen, der Widerstand der Medici in Florenz bereits als gebrochen zu betraihten war. 
und das; sie, statt durch einen pldtzliihen Stoß des Volkes vertrieben zu werden, unter günstigen 
Bedingungen in J3rieden abziehen konnten. Weder gegen ihre Person noch gegen einen ihrer 
Diener oder Anhänger sollte etwas geschehen. Jppolito behielt die ihm auszerordentlicher Weise zu; 
erkannte JYilJigkisit alle Aemter zu bekleiden. Ihre Giiter blieben steuerfrei. Ebenso würde EortonaTI 
Dienerschaft vor jedem Acte nachträglicher ,feindsihaft gesichert sein. So verlassen sie gleichsam 
nur aus unbestimmte Zeit die Stadt, weil ihr eigenes Wohl dies für den Moment nöthig n1achte. 
Kaum aber sind sie fort, als das Volk zum Bewusztsein kommt, was geschehen sei. ,florenz 
war ja nur der zuriiikbleibenden Partei der Medjci in Verwahrung gegeben. Das Gerücht vers 
breitet sich, der Papst sei aus der Engelsburg entkommen und auf dem Marsche gegen Js1orenz. 
Waffen verlangt man. Der Palast der Medici soll gestiirmt werden. Das Eonsiglio grande soll 
sich versamnteln. Eine Verwirrung entsteht, aus der kein Ausweg gewesen wäre, hatte sich 21iccolo 
C.aPPoni nicht als der Mann gezeigt, in dem das allgemeine. Vertrauen zusammentraf. Am 
l7. Mai l527 waren die Medici abgezogen, am 20. beschließt die Regierung unter EaPponils 
Leitung die Eröffnung des Consiglio grande am nächsten Tage. Es sihien kaum möglich, den 
großen Saal im Regierungspalaste dafür herzustellen. Er war den Soldaten zum Aufenthalt 
gegeben und, was mit gutem Vorbedacht so eingerichtet worden war, in eine Reihe kleinerer Ges 
machet getheilt. Alleivelt jedoch legt Hand an, diese Hindernisse fortzuraumen, die vornehmsten 
Mii1mer wetteifern mit den geringsten, man bricht die f,Zivisiheniväi1de ab, trägt die Steine fort 
und stellt in der einen Nacht den Raunc wieder her, wie er zu den Zeiten SavonarolcUs gewesen. 
Dann kommt die Geistlichkeit, besprengt ihn mit Weihwasser und giebt ihm durch Abhaltung einer 
Messe die alte Würde wieder. 25O0 Bürger versammeln sich. EaPponi wird auf ein Jahr zum 
Gonfalonier erwählt. 
So sah Michelangelo die ,freiheit in seine Vaterstadt zurückkehren. Sein Name wird nicht 
genannt, aber er war in ,florenz und nahm Theil an den Dingen. Nur eine unbedeutende Er; 
wähmmg jeI1er Tage der Verwirrung befindet sieh in seinen aufbewahrten Reihnungsbiirhern. ,,Vor 
einigen Tagentt, heiszt es darin, ,,kam Piero Gondi zu mir und bat um die Schlüssel zur neuen 
Sakristei von Sau Lorenzo, er wünsche versrhiedrne ihm gehdrige Sachen darin zu verbergen, der 
gesahrliiheI1 Lage wegen in der wir uns befinden, und heute, den 29. April, ließ er Abends zum 
Anfang einige Packen hinbringen. Er sagte, es sei Leinenzeug und gehöre seiner Schwester, und 
ich, um nicht weiter zu sehen, was es wäre und wo er es versteckte, habe ihn1 heute die Schlüssel 
zur Sacristei iiberlassen.tt Piero Gondi wird als einer von denen genannt, die bei dem Aufstande 
an1 26. April das ihrige thaten, im Uebrigen keine bedeutende Persönlichkeit. Man sieht, wie 
wenig durch das gegenseitige Verzeihen damals die Lage gesichert erschien. 
An den Bauten von Sau Lorenzo hatte schon vor Eintritt der letzten Ereignisse der Pest 
wegen weniger gearbeitet werden können, jetzt natürlich kein Gedanke mehr daran. Ungewisz ist, 
ob Michelangelo am 26. damals mit im Palaste war, kein Zweifel aber, das; er jetzt im Eonsiglio 
grande saß. Auch mdehte ich nicht behaupten, daß er bei der Wahl gegen Eapponi stimmte, da 
seine Abneigung gegen diesen wohl erst eine Folge der späteren Politik des Gonfaloniers war.
        

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